Energie Gasversorger schröpfen ihre Kunden

Die Energieversorger kaufen Gas zu Spottpreisen ein - doch ihre Kunden haben nichts davon. Laut einer Studie haben Privathaushalte 2015 im Schnitt 132 Euro zu viel bezahlt.
Gastherme in Stuttgart: Die Versorger kassieren ab

Gastherme in Stuttgart: Die Versorger kassieren ab

Foto: Norbert Försterling / picture-alliance / dpa / dpaweb

Die Einkaufspreise für Gas sind in den vergangenen Monaten stark gesunken. Doch bei den Kunden der Versorger kommt davon kaum etwas an. Deutsche Verbraucher hätten 2015 rund zehn Prozent zu viel für ihr Gas gezahlt, heißt es in einer Studie des Hamburger Forschungsbüros Energycomment im Auftrag der Grünen-Fraktion.

Ein Musterhaushalt mit 20.000 Kilowattstunden Verbrauch zahlte demnach rund 132 Euro zu viel. Die Gasversorger strichen der Studie zufolge zusätzliche Gewinne in Höhe von 1,3 Milliarden Euro ein. Ihre Bruttomargen sind den Berechnungen von Energycomment zufolge stark gestiegen.

Erdgas ist mit Abstand der wichtigste Energieträger für Raumwärme in Deutschland. Fast jede zweite Wohnung wird durch eine Erdgas-Zentralheizung versorgt. Die Kosten der deutschen Gasimporteure sind zwischen Anfang 2012 und Ende 2015 von durchschnittlich 2,95 auf 1,59 Cent pro Kilowattstunde gesunken.

Hauptursache des Preisverfalls sind eine Reihe technologischer Fortschritte: Horizontale Bohrungen und das sogenannte Fracking (hier ein Erklärvideo) machen die Förderung von Gas in Permafrostböden sowie dichten Ton- und Schieferschichten erschwinglich. Die Verflüssigung von Gas zu sogenanntem Liquified Natural Gas (LNG) ermöglicht es zudem, den Rohstoff in großen Mengen per Tanker zu transportieren.

Laut Energycomment hatten die Versorger ihre Einsparungen beim Gaseinkauf schon 2014 nicht an die Verbraucher weitergegeben. Im laufenden Jahr habe sich dieser Trend fortgesetzt. Das Absacken der Importpreise hätte zu einem Verbraucherpreis von 5,72 Cent führen müssen, heißt es in der Studie. Tatsächlich seien es 6,38 Cent.

Besonders stark seien die Kunden in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein geschröpft worden. Insgesamt zahlten die alten Bundesländer mehr drauf als die neuen. Lediglich in Berlin seien die Verbraucherpreise etwas stärker gesunken als die Importpreise.

Deutsche Industriefirmen zahlen der Studie zufolge ebenfalls weit mehr als sie müssten. Insgesamt seien sie aber nicht so stark gebeutelt wie die Privathaushalte.

Für 2016 rechnen fast alle Experten noch immer mit einem Überangebot am globalen Gasmarkt - sprich: mit weiter sinkenden Großhandelspreisen. Doch die Versorger werden wohl auch diese nur sporadisch an ihre Kunden weitergeben. Im Schnitt wollen sie ihre Tarife im kommenden Jahr um 4,6 Prozent senken. Das wäre nur ein Bruchteil der zu erwartenden Kostensenkungen.

Ein Sprecher des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) teilte mit, dass der Endkundenpreis für Gas nur zu etwas mehr als der Hälfte von den Beschaffungskosten abhänge.

Selbst dann wäre allerdings noch viel Luft für Preisnachlässe. "Die örtlichen Grundversorger senken selten ihre Preise, weil immer noch verhältnismäßig wenig Kunden wechseln", sagt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn. Den Verbrauchern bleibe nur der Weg, die Tarife der Anbieter sorgfältig zu vergleichen und bei Bedarf den Versorger zu wechseln.

Im Durchschnitt kann in jeder Region zwischen 65 Anbietern gewählt werden. Das Sparpotenzial bei einem Wechsel liegt oft bei mehr als zehn Prozent.

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