Tarifkonflikt bei der Bahn Lokführer stimmen Schlichterspruch zu

Der Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft GDL ist endgültig beendet. In einer Urabstimmung nahmen 94 Prozent der Lokführer den Tarifabschluss an.

Züge in Köln: Einkommenserhöhungen und kürzere Arbeitszeit
DPA

Züge in Köln: Einkommenserhöhungen und kürzere Arbeitszeit


Neun heftige Streik- und Warnstreikrunden, genervte Bahnfahrer und immer wieder neue Vorwürfe: Mehr als ein Jahr lang beschäftigte der Tarifkonflikt zwischen Deutscher Bahn und der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) Deutschland. Nun ist der Streit endgültig beendet: In einer erneuten Urabstimmung stimmten nach Angaben der GDL 94 Prozent der Teilnehmer für eine Annahme des Schlichterspruchs.

Die Schlichter Bodo Ramelow und Matthias Platzeck hatten Anfang Juli unter anderem Einkommenserhöhungen und eine Verkürzung der Arbeitszeit vereinbart:

  • Die Entgelte steigen bereits zum 1. Juli um 3,5 Prozent und am 1. Mai nächsten Jahres um weitere 1,6 Prozent
  • Hinzu kommt eine Einmalzahlung von 350 Euro
  • 2018 sinkt laut GDL-Chef Claus Weselsky die wöchentliche Arbeitszeit des Zugpersonals um eine Stunde auf 38 Stunden. Zudem gibt es Regelungen zur Altersteilzeit sowie zu Überstunden und Neueinstellungen.

Weselsky wertete die große Zustimmung zu dem Abschluss auch als Bestätigung für seinen harten Kurs. Das Zugpersonal habe allen Versuchen, die GDL zu schwächen und zu spalten, erneut eine deutliche Abfuhr erteilt. "Die sogenannten Kritiker sollten nun endlich einpacken", sagte Weselsky.

Der GDL-Chef hatte am Montag mehrere Ex-Funktionäre, darunter auch seinen Vorgänger Manfred Schell, aus der Gewerkschaft ausgeschlossen. Er begründete diesen Schritt mit nicht gezahlten Beträgen sowie einem gewerkschaftsschädigenden Verhalten. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erhob Schell schwere Vorwürfe gegen Weselsky.

Die Streikwellen beeinträchtigten auch den Güterverkehr im ersten Halbjahr maßgeblich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 178,3 Millionen Tonnen Güter befördert. Das waren 3,0 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2014.

Das Ergebnis sei maßgeblich beeinflusst von den Arbeitsniederlegungen im April und Mai, teilte die Behörde mit. Im streikfreien Juni lag die transportierte Menge dagegen um 12,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Das war die höchste monatliche Zuwachsrate seit Mai 2011.

brk/dpa/AFP

insgesamt 4 Beiträge
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TheFrog 01.09.2015
1. Na dann, herzlichen Glückwunsch
fahrt mal schön weiter, aber ohne mich. Nach wie vor kommt kein Zug pünktlich und seit ich das Fliegen zu (nicht erheblichen Mehrkosten) entdecken musste, um nach 6 Wochen nach Hause zu kommen, können mir alle Lokführer und die GDL gestohlen bleiben. Ach ja, ein Auto habe ich mir jetzt auch zugelegt und, mit Verlaub gesagt, Scheiss auf meine Öko Bilanz. Herrn Weselsky dürfte ich einmal in einem ICE beobachten, Arrogant und selbstverliebt. Soll er mit seiner Gewerkschaft glücklich werden und sich weiter beweihräuchern. Auch der Deutschen Bahn, mit Herrn Pofalla im Vorstand, bin ich nicht mehr bereit für schlechten Service, Unpünktlichkeit und unterirdischen Komfort mein Geld hinterher zu werfen. Also....entweder fahre ich mit dem Auto oder ich fliege nach Hause....mit der Bahn....ich denke nicht mehr. Viel Spass mit dem hervorragenden Ergebnis und liebe Grüsse an den Chef der GDL.
Wunderläufer 02.09.2015
2. Und weiter?
Der Hauptstreitpunkt des Streiks ist im Artikel mit keiner Silbe erwähnt: die Abkehr von der Tarifeinheit. Schwache Leistung des Autors Falls nur die 3 im Artikel erwähnten Punkte erreicht wurden, dann wäre Herr Weselsky krachend gescheitert.
ace4271 02.09.2015
3. Was wirklich interessant wäre.....
wäre mal der Vergleich der beiden Abschlüsse (EVG und GDL). Was in 2018 ist, ist erstmal Nebensache. Die Verträge gelten nur bis Mitte 2016. aus meiner persönlichen und ganz privaten Sicht, hat Weselsky praktisch garnichts erreicht.
Robert_Rostock 02.09.2015
4.
Das für mich, das für die Fahrgäste wichtigste Ergebnis der Schlichtung ist in dem Beitrag wohl vergessen worden: Die Einführung der verpflichtenden Schlichtung, wenn eine Seite dies wünscht. Heißt im Klartext, dass solche Streikorgien wie in den letzten beiden Jahren bei der nächsten Tarifrunde ausgeschlossen sind. Nur zur Erinnerung: Es war die GDL, die eine Schlichtung wochen-, monatelang kategorisch verweigert hat.
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