Gefälschte Lebensmittel Verbraucherschützer fordern hohe Strafen für Hersteller

Bei Kontrollen fanden Ermittler eine Rekordmenge gefälschter Lebensmittel. Ein Grund, strengere Gesetze einzuführen, finden Verbraucherschützer. Bundesernährungsminister Schmidt sieht das anders.

Italienischer Ermittler mit eingefärbten Oliven
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Italienischer Ermittler mit eingefärbten Oliven


Nicht nur unappetitlich, sondern auch ein Gesundheitsrisiko: In nur wenigen Monaten beschlagnahmten Ermittler von Europol zehntausend Tonnen gefälschter Lebensmittel. Nun schlagen Verbraucherschützer Alarm. Die Organisation Foodwatch fordert hohe Geldstrafen, wenn Hersteller mit gefälschten Produkten erwischt werden.

Handelskonzerne und Hersteller müssten "per Gesetz zu detaillierten Eigenkontrollen ihrer Produkte verpflichtet werden", erklärte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. Damit solle sichergestellt werden, dass die Lebensmittel weder falsch deklariert würden noch gesundheitsgefährdend seien. Bei Verstößen müssten Firmen mit am Gewinn orientierten Unternehmensstrafen haften.

Für Bundesernährungsminister Christian Schmidt ist der massenweise Fund gefälschter Lebensmittel allerdings auch ein Beleg für intakte Kontrollen: "Die Tatsache, dass die gefälschten Lebensmittel sichergestellt wurden, zeigt, dass das System der Lebensmittelüberwachung funktioniert", erklärte der CSU-Politiker.

Am Mittwoch hatte die europäische Polizeibehörde Europol bekanntgegeben, dass Ermittler von November 2015 bis Februar 2016 in weltweit 57 Ländern mehr als 10.000 Tonnen und eine Million Liter gefälschter Lebensmittel sichergestellt hätten. Gefunden wurden demnach etwa gefärbte Oliven, mit Kunstdünger verlängerter Zucker sowie gepanschter Alkohol. Die Waren könnten mit hohen Gesundheitsrisiken verbunden sein, hieß es.

Für Deutschland gab der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) - der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft - allerdings vorsichtig Entwarnung. Es gebe keine Hinweise darauf, dass auch der deutsche Markt betroffen sei. Man sehe "daher keine grundsätzliche Infragestellung des bestehenden engmaschigen und gut funktionierenden Kontrollsystems in Deutschland". Es liege im eigenen Interesse der Lebensmittelbranche, die Qualität und Sicherheit ihrer Rohstoffe sicherzustellen "und kriminelle Elemente vom Markt auszuschließen".

Die von Europol und Interpol koordinierte "Operation Opson V" war bereits die fünfte Aktion dieser Art, und noch nie wurde eine so große Menge gefälschter Lebensmittel sichergestellt, wie es von den Ermittlern hieß.

asc/dpa



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
OskarVernon 31.03.2016
1.
Vor allem missverständlich: "Gefälschte" Waren heißt eigentlich, ohne Wissen und Wollen des Markeninhabers von Kriminellen in minderer Qualität nachgeahmte und als Original verkaufte. Der Rest des Artikels, insbesondere die Reaktion von Foodwatch, liest sich eher, als hätten da Originalhersteller ihre Waren falsch deklariert und gar gepanscht - worum also gehts denn nun eigentlich genau...?
leo19 31.03.2016
2. Wartet nur ab, bis TTIP greift,
dann werden solche Kontrollen nicht mehr erlaubt sein. Denn die wirken sich allemal geschäftsschädigend aus, auch wenn die Hersteller damit nichts zu tun haben.
tempus fugit 31.03.2016
3. Erinnert mich an ....
...die Ekelfleischskandale in DE... War da nicht eine 10-Punkte-Ilse voll dabei, alles zu verwässern und dann versickern zu lassen? Da wird die Gesundheit von zig-10000den auf's Spiel gesetzt , aber der Namen der Ekel- und Betrugsproduzenten darf nicht genannt werden? 10 Tage dünnpfiff ist das wenigste, das man solchen Chargen wünschen kann!
helmutholz 31.03.2016
4. Gefälschte Waren
haben Hochkonjunktur bei unseren vier übrig gebliebenen Supermarktketten. Das Schlagwort heißt: Hergestellt in... und Nicht-EU-Länder. In Nicht-EU-Länder gelten KEINE Kriterien und Gebote der EU. Da kostet die Palette Grünkohl 5,95€ und bei einem dt. Landwirt kostet ein Grünkohlkopf 5,95€ in der Herstellung. Mit der verrückten EU-Chemikalienverordnung kann der Landwirt das gar nicht anders herstellen. Rüchstandfreies Wasser, Biozide, die 10 Tage wirken, Unkraut von Hand jäten, Dokumentation und Nachweis von Bio ähnlichem Ackerbau, Schriftführung der Arbeit von Erntehelfern gemäß Mindestlohn undund... Ach ich krieg mich nicht mehr: In Nicht-EU Länder heißt das: Was, rein damit, wir fressen das Zeug doch nicht. Gewinnspanne: ab 35%. Ich war bei Verhandlungen bei unseren zwei Top-Billig- Lebensmittelanbieter A... und L...& S... dabei. Da wird im 0,1Cent Bereich gestritten und gewürgt, bis die Firma Insolvenz anmeldet, weil zu diesen Preisen gar nicht mehr verpackt werden kann. Natürlich habe ich Hausverbot bei den Zweien. Warum sind denn die Milliardäre geworden? Mit fairen Preisen braucht die Landwirtschaft keine EU-Subventionen. da müßte man auch keine gelobten Energiepflanzen anbauen. Einblick in die hygienischen Standards der Lebensmittelindustrie öffnen die Horizonte. Juchhe, es gibt Nicht-EU Agrarindustrie. Au, jetzt merkt man bei Kontrollen...
1955toni 31.03.2016
5. Gefälschte Lebensmittel ....
Die sichergestellten Waren sind, wie bei vielen anderen Dingen auch, nur die Spitze des Eisbergs. Die Frage ist: Wieviel wurde nicht entdeckt!
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