Erster Fall der Saison Geflügelpest auf Hallig Oland

Erster Fall von Vogelgrippe unter Nutztieren: Auf einem kleinen Geflügelhof im nordfriesischen Wattenmeer ist das Virus H5N8 ausgebrochen. Auch Tausende Wildvögel sind bereits infiziert.
Hallig Oland

Hallig Oland

Foto: tortoise / imago/Panthermedia

Die Geflügelpest ist in einem kleinen Hühnerhof auf der nordfriesischen Hallig Oland nachgewiesen worden. Das teilte das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium am Donnerstag in Kiel mit. Es handelt sich laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem nationalen Referenzlabor, um den ersten bestätigten Geflügelpestfall in einer Nutztierhaltung in diesem Herbst in Deutschland.

Laut Ministerium wurde die Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt, bei einem Huhn des Betriebes auf Oland festgestellt. Es handelt sich um das Virus H5N8. Die betroffene Haltung besteht demnach aus 57 Hühnern, von denen innerhalb kurzer Zeit acht Tiere gestorben seien. Alle Tiere werden gemäß Geflügelpestverordnung getötet und entsorgt.

Um den betroffenen Hof sind gemäß der Verordnung sogenannte Restriktionszonen einzurichten. Der Sperrbezirk umfasst mindestens drei Kilometer und ein Beobachtungsgebiet von mindestens zehn Kilometer um den Ausbruchsbetrieb. Weil die Hallig so klein ist, stehen auch Teile der Hallig Langeneß, der Insel Föhr und küstenanliegende Gemeinden des Festlandes unter Beobachtung. In diesen Zonen gelten bestimmte rechtlich vorgegebene Regelungen für Geflügelhaltungen. So darf lebendes Geflügel nicht weiter transportiert werden.

Ausbreitung vor allem unter Wildgänsen und Wildenten

Geflügelpesterreger verbreiten sich seit Kurzem massiv unter Wildgänsen und -enten, aber auch einem Mäusebussard und einem Turmfalken, vor allem an der schleswig-holsteinischen Westküste. Allein in den vergangenen 24 Stunden meldeten Behördenmitarbeiter fast 600 tote Vögel. Mit dem Kreis Rendsburg-Eckernförde war zudem erstmals eine Region im Binnenland betroffen. Bei den Erregern handelt es sich um Grippeviren des Subtyps H5N8. Dazu kommen Viren des Subtyps H5N5, die derzeit ebenfalls zirkulieren.

Beide Erreger-Subtypen sind hochansteckend, Vögel erkranken schwer und verenden meist massenhaft. Auf Menschen sprangen sie nach Angaben der Behörden bislang aber nicht über, Infektionen sind nicht bekannt. 

Zuletzt hatte es einen Geflügelpestausbruch in einer Hausgeflügelhaltung in Schleswig-Holstein im März 2018 gegeben. Die Geflügelpestepidemie von November 2016 bis Frühjahr 2017 war die schlimmste Tierseuchenwelle dieser Art in Deutschland seit Jahrzehnten. Über 900.000 Tiere mussten bundesweit gekeult werden, allein in Schleswig-Holstein etwa 65.000.

Geflügel vor Wildvögeln schützen

Auch in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern hat es in diesem Herbst bereits Geflügelpestnachweise bei Wildvögeln gegeben. "Der aktuelle Fall zeigt, wie schnell das Virus auf Hausgeflügelhaltungen bei dem derzeit hohen Infektionsdruck in der Umwelt übergreifen kann", sagte Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). Er appelliere dringend an alle Geflügelhalter, ihre Tiere vor dem Virus zu schützen und die Biosicherheitsmaßnahmen konsequent einzuhalten. Tiere sollten nur an für Wildvögel unzugänglichen Stellen gefüttert werden, es dürfe kein Oberflächenwasser für das Tränken genutzt werden, wenn Wildvögel dazu Zugang haben. Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, mit denen das Geflügel in Berührung komme, müsse für Wildvögel unzugänglich aufbewahrt werden.

Allein innerhalb der letzten 24 Stunden habe der schleswig-holsteinische Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz 590 weitere verendete Wildvögel an der Westküste gezählt. Angesichts der großen Zahl sei es naheliegend, dass viele Tiere Opfer der Geflügelpest seien, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Laborergebnisse stünden noch aus.

Der Minister will mit den bislang von der Geflügelpest betroffenen Kreisen das weitere Vorgehen beraten. In Husum wollten Landrat, Nationalparkverwaltung und Veterinäramt am Donnerstagnachmittag über den Stand in Nordfriesland informieren.

In Nordfriesland und Dithmarschen wurden bereits Aufstallungsgebote für Hausgeflügel und weitere Maßnahmen angeordnet. Ausstellungen, Märkte und Veranstaltungen ähnlicher Art von Geflügel und Tauben sind verboten. Erhöhte Biosicherheitsanforderungen, insbesondere auch zur Fütterung und zum Tränken von Geflügel, gelten ebenfalls.

Herbstzug der Wildvögel bringt Virus mit

Die Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt, ist eine Infektionskrankheit, die vor allem bei Wasservögeln und anderen Vögeln vorkommt. Sie kann bei Hausgeflügel mit schweren allgemeinen Krankheitszeichen verlaufen. Das FLI hatte Anfang Oktober erklärt, mit dem Herbstzug der Vögel sei ein hohes Risiko für das Einschleppen hochansteckender Vogelgrippeviren nach Deutschland zu erwarten. Auf ihrem Zug etwa von Sibirien in den Süden machen viele Wildvögel unter anderem in Schleswig-Holstein einen Zwischenstopp und nutzen die Nahrungsmöglichkeiten.

caw/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.