Neue Auswertung 349 Banken verlangen Negativzinsen

Sparen kann ganz schön teuer werden: Wegen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank gehen immer mehr Banken dazu über, Kunden Negativzinsen zu berechnen.
Besonders prominentes Beispiel, aber bei Weitem nicht das einzige: Die ING berechnet für hohe Einlagen Negativzinsen

Besonders prominentes Beispiel, aber bei Weitem nicht das einzige: Die ING berechnet für hohe Einlagen Negativzinsen

Foto: Stephanie Lecocq / dpa

Die Zahl der Kreditinstitute, die Sparern Negativzinsen berechnen, hat sich einer Studie zufolge innerhalb eines halben Jahres fast verdoppelt. Nach einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox erheben inzwischen 349 Banken und Sparkassen ein sogenanntes Verwahrentgelt bei größeren Summen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto. Stichtag der Erhebung war der 29. Juni.

Damit ist die Zahl innerhalb eines halben Jahres um 171 Banken gestiegen. »Aktuell kommen nahezu täglich weitere Geldhäuser hinzu«, berichtete Verivox-Manager Oliver Maier. Zugleich verschärften viele Institute ihre Regelungen.

Die Geldhäuser senkten den Angaben zufolge den Zinssatz noch weiter ins Minus oder reduzierten die Freibeträge, bis zu denen das Guthaben auf dem Konto von Negativzinsen befreit bleibt. Lange Zeit wurde vor allem bei großen Summen ab 100.000 Euro ein Verwahrentgelt fällig. Inzwischen erheben Verivox zufolge mindestens 102 Institute Negativzinsen ab einer Gesamteinlage von 50.000 Euro oder weniger pro Kunde und Kundin.

Freibeträge sinken auf breiter Front

Zuletzt hatte die Direktbank ING angekündigt, den Freibetrag von 100.000 Euro auf 50.000 Euro pro Konto zu halbieren. Andere große Institute wie die Commerzbank und die Postbank haben ähnliche Schritte angekündigt oder bereits vollzogen. »Wenn große Häuser ihre Negativzinsregelungen verschärfen, besteht für Sparer immer die Gefahr, dass das zur Blaupause für andere Marktteilnehmer wird«, sagte Maier. »Gut möglich, dass sich künftig noch mehr Bankkunden auf niedrigere Freibeträge einstellen müssen.«

Die Geschäftsbanken selbst müssen aktuell 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Die Kosten geben immer mehr Geldhäuser weiter und berechnen Privatkunden Negativzinsen meist von 0,5 Prozent.

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Die Negativzinsen treffen vor allem Neukunden. Will eine Bank von Bestandskunden ein Verwahrentgelt verlangen, muss sie das mit den Betroffenen individuell vereinbaren. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hält Negativzinsen auf Giro- und Tagesgeldkonten von Verbrauchern und Verbraucherinnen grundsätzlich für unzulässig und hat daher Klagen bei mehreren Gerichten eingereicht.

beb/dpa
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