Hermann-Josef Tenhagen

Wertanlage in der Krise Vergessen Sie Gold!

Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
In der Krise ist es schwierig, Geld sicher anzulegen. Der Reflex vieler Menschen: Sie kaufen Gold. Doch derzeit herrschen Nepp und Zockerei am Goldmarkt.
Foto: Oliver Berg/ DPA

In der Berliner Innenstadt liegen die großen Goldhändler dicht beieinander: Degussa, Pro Aurum und den Edelmetallshop im Hotel Bristol trennen auf dem Ku'damm kaum 500 Meter. Und seit diesem Mittwoch dürfen Händler in Berlin ihre Türen wieder öffnen, um Gold am Schalter zu verkaufen. Wer Gold bis zu 2000 Euro kauft, muss sich nicht einmal ausweisen. Barzahler bleiben anonym. Beratung findet aber nicht statt.  

Zurzeit ist es alles andere als einfach, zu ordentlichen Konditionen Gold zu kaufen: Manche Barren und Münzen sind nicht gut zu bekommen. Und die Preisunterschiede sind gewaltig - je nach Stückelung des gekauften Goldes. Wer bei einem niedergelassenen Händler kauft, zahlt immer drauf.

Im Onlinehandel ist aber auch nicht alles günstig. Die Preise unterscheiden sich sehr deutlich voneinander. Zudem ist dort Vorkasse fällig. Außerdem sind die Unterschiede zwischen Kauf- und Verkaufspreis im Moment besonders hoch.

Um das Ganze mal zu dokumentieren: Hätte ich Anfang der Woche bei Degussa 100 einzelne Grammbarren Gold gekauft, so hätte mich das 6400 Euro gekostet. Für einen einzigen 100-Gramm-Barren hätte ich 5380 Euro bezahlt. Das heißt, die einzelnen kleinen Barren sind 19 Prozent teurer. Auch bei der Konkurrenz von Pro Aurum liegt der Preisunterschied bei 14 Prozent und selbst die günstigsten Gold-Onlinehändler, die ich auf der Plattform Gold.de finden kann, verkaufen die 100 einzelnen Barren noch 13 Prozent teurer.

Und diese Preisunterschiede sind nicht der einzige Kostentreiber: Will ich bei Degussa und Pro Aurum meine kleinen Ein-Gramm-Barren wieder verkaufen, bietet Degussa mir diese Woche tatsächlich einen Preis, der 20 Prozent unter unserem Einkaufspreis von oben liegt. Auch kein Einzelfall.

Wie groß allein die Verluste durch die Stückelung und den Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis sind, lässt sich gut veranschaulichen, wenn wir uns überlegen, wie hoch der Goldpreis steigen müsste, damit wir nur diese Kosten decken können. Das Ergebnis ist niederschmetternd: Denn der Goldkurs müsste von den 1590 Euro pro Feinunze (31 Gramm) von dieser Woche auf 2043 Euro steigen, damit wir mit plus/minus null rauskommen.

Solche Kosten werden für den Anleger noch einmal gravierender, wenn man sich klarmacht, dass die 1590 Euro von dieser Woche einen Rekord-Goldpreis darstellen. Noch vor drei Wochen lag der Preis bei 1360 Euro pro Feinunze - das waren 14 Prozent weniger.

Der Preis schwankte zuletzt besonders wild: Noch mal 14 Tage früher, also vor fünf Wochen, lag der Goldpreis schon einmal auf einem Zwischenhoch: bei 1530 Euro pro Feinunze.

Wie kommen diese wilden Schwankungen zustande? Eigentlich sollte doch auch die Anlage in Gold wie jede Geldanlage ein langfristiges Geschäft sein.

Mitverantwortlich sind zwei Phänomene, die auf dem Goldmarkt aktuell besonders ausgeprägt sind:

  1. Die Abhängigkeit vom Angebot. Auch die Goldförderung leidet unter Corona. Im März und April lagen große Teile der Goldförderung und Verarbeitung wegen der Pandemie still.

  2. In der Wirtschaftskrise kaufen besorgte Anleger mehr Gold. Die einen als klassische Anlage, die anderen als Schmuck. Die Webseiten einiger Goldhändler brachen unter dem Ansturm zusammen. Spekulanten trieben den Preis weiter. Die Preisschwankungen bei Gold-Futures waren so hoch wie seit Jahren nicht.

Im März 2020 lag der Handel mit Gold und Gold-Derivaten dann im Schnitt tatsächlich sechzig Prozent höher als im Durchschnitt des Jahres 2019. Gold, Gold Futures und ähnliche Papiere für 236 Milliarden Dollar wurden Tag für Tag gehandelt, zeigt die Statistik des World Gold Council .

Unschwer zu erkennen, dass es bei den Futures und Derivaten nicht vor allem um besorgte Kleinanleger geht, sondern um Spekulanten, die sich die Kombination aus Lieferengpässen und Wirtschaftskrise zunutze machen wollen.

Gold ist für solche Spekulationen historisch besonders anfällig. Die "Finanztip"-Analyse von 1975 bis 2019  zeigt, dass die Schwankungen - im Fachjargon: Volatilität - beim Goldpreis praktisch immer besonders hoch sind. Und nebenbei zeigt die Analyse auch noch, dass eine Anlage in Aktien über den gleichen Zeitraum weniger geschwankt und mehr Rendite eingebracht hätte.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Werden die Schwankungen beim Goldpreis besonders extrem, greifen zudem staatliche Stellen ein. Sowohl im Jahr 1980 während der Ölkrise und Geiselkrise in Iran als auch 2011 nach der Weltfinanzkrise, als die Goldpreise in Dollar jeweils spekulative Höchststände erreichten, war das der Fall. Da bremsten staatliche Stellen wie die US-Börsenaufsicht, indem sie für Zockergeschäfte, bei denen gar nicht das Gold selbst, sondern Futures gehandelt wurden, mehr Geld als Sicherheitsleistung auf dem Tisch der Börse verlangten.

Nun wissen Sie, liebe Leser, dass das kurzfristige Anlegen in Gold spekulativ ist, und dass ein Werterhalt keinesfalls garantiert ist. Und dass dieser Werterhalt je nachdem, wie sie kaufen, aktuell besonders schwierig ist.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wenn Sie nun trotzdem unbedingt kaufen wollen: Hindern kann ich Sie nicht. Aber wappnen.

Beachten Sie bitte folgende goldene Regeln:

  • Kaufen Sie keine besonders kleinen Münzen oder Stückelungen, sondern tatsächlich eher Barren oder verbreitete Münzen ab einer Unze Gewicht.

  • Nutzen Sie Preisportale wie Gold.de  oder Gold-Preisvergleich.de  für den Preisvergleich, und finden Sie günstige und seriöse Händler .

  • Wenn Sie liefern lassen, schauen Sie sich genau die Lieferbedingungen und Sicherheitsstandards für die Lieferungen an. Diese finden Sie auf den Webseiten der Händler.

  • Wenn Sie mehr Gold kaufen und zu Hause lagern wollen, finden Sie dort einen sicheren Lagerplatz und informieren sie Ihre Hausratversicherung , aber nicht die Nachbarschaft.

  • Wenn Sie das Gold in einem Bankschließfach lagern sollten, mieten Sie zuerst eins bei Ihrer Bank, und bestellen Sie das Gold danach. Auch Bankschließfächer können sich als Engpass entpuppen.

Ansonsten: Bleiben Sie gesund!

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.