Sichere Anlagen Bleibt nur noch Gold?

Die Aktienkurse fallen. Da flüchten viele Anleger in Gold, dessen Preis logischerweise steigt. Doch es gibt nur wenige Bedingungen, unter denen auch Sie davon profitieren könnten.

Goldbarren und -münzen: Kleine Schätze
Michael Dalder/ REUTERS

Goldbarren und -münzen: Kleine Schätze

Eine Kolumne von


Der Goldkurs ist in dieser Woche auf den höchsten Stand seit sechseinhalb Jahren geklettert. Über 1500 Dollar pro Feinunze oder rund 1350 Euro. Die Aktienmärkte schwächeln. Ist es an der Zeit, einen Teil der Aktien zu verkaufen und dafür Gold zu kaufen?

Nein. Denn das wäre Zockerei, der Goldpreis schwankt stärker als der Wert von einer breit aufgestellten Anlage in Aktien. Und er hat sich seit 1975, also seit Gold auch für Privatleute wieder frei handelbar ist, deutlich schlechter entwickelt als eine Anlage in den Weltaktienindex MSCI-World.

Was aber bedeutet der hohe Goldkurs tatsächlich für Anleger? Er bedeutet zwei Dinge:

Erstens gibt es viele Anleger, die die aktuelle politische Lage bedrohlich finden. Es kommt ja gerade tatsächlich einiges zusammen: Der Kampf der Hongkonger um ihre Bürgerrechte, der Handelskrieg zwischen den USA und China, die Attacken auf Tankschiffe aus iranischen Gewässern am Golf von Hormus, der ungeordnete Brexit und schließlich die Regierungskrise in Italien.

Die Sorge ist also verständlich. Manche kaufen dann Gold zur Absicherung. Das haben viele in den vergangenen Jahrhunderten schon so gemacht, in dem Glauben und Wissen, dass Gold nie ganz wertlos werden würde - auch wenn der Kauf in der konkreten Situation nicht unbedingt gescheit war.

Und es gibt genügend Händler, die auf diesen Trend wetten. Eine ähnliche Entwicklung können Anleger ja bei Bundesanleihen beobachten. Die gelten inzwischen seit Jahrzehnten als sichere Anlage. Also wetten Händler in unsicheren Zeiten auf die Solidität der Bunderepublik. Wenn Sie der Bundesrepublik Deutschland diese Woche Geld für ein Jahr, ja sogar für 10 Jahre leihen, müssen Sie inzwischen immer draufzahlen, also Strafzinsen bezahlen; diese Woche für zehnjährige Bundesanleihen 0,65 Prozent. Eine gute Geldanlage stellt man sich anders vor.

Zweitens sind solche politischen Börsenentwicklungen, wie wir sie gerade erleben, recht riskant für die Anleger. Das bedeutet, dass diejenigen, die in den vergangen Monaten Gold aus Sorge oder in spekulativer Absicht gekauft haben, jetzt aufpassen müssen, wann diese Marktentwicklung wieder kippt.

Alle, die bei der letzten politischen Goldbörse 2011 und 2012 viel Gold zu teuer gekauft haben, bekommen jetzt die Gelegenheit, ihre Geldanlage wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ansonsten haben bloß jene, die aus Überzeugung immer einen kleinen Teil Gold im Depot haben, noch einen Grund sich unbeschwert über den Wertzuwachs freuen.

Warum ich so skeptisch bin? Es gibt entsprechende Erfahrungen mit politischen Börsen der Vergangenheit: Anfang 1980 erreichte der Goldpreis einen ersten Höchststand auf dem Höhepunkt der Iran-Geiselkrise. Die iranischen Revolutionsgarden hatten Mitarbeiter der US-Botschaft als Geisel genommen, und die US-Regierung hatte in einer gescheiterten Kommandoaktion versucht, die Geiseln zu befreien. Der Ölpreis erreichte erstmals dreißig Dollar je Barrel und der Goldpreis wurde von Spekulanten bis auf 850 Dollar hochgetrieben. Die US-Börsenaufsicht griff ein, erschwerte die Zockerei, der Goldpreis fiel schnell und deutlich. Um erst 28 Jahre später, 2008, erneut den Höchststand zu erreichen.

"Whatever it takes"

2011 und 2012 spekulierten die Börsen nach der Finanzkrise auch noch auf ein Auseinanderbrechen der Eurozone. Der Goldkurs stieg auf bis zu 1900 Dollar pro Feinunze. Wieder griffen die Regulierer ein und verdoppelten die Sicherheiten, die Zocker auf den Tisch legen mussten, um mit Gold-Futures zu handeln. Der Höhenflug war beendet. Später gab EZB-Chef Mario Draghi den Spekulanten den Rest mit der klaren Ansage, dass der Euro erhalten bleibt "whatever it takes". Der Goldkurs fiel in den Folgejahren bis auf 1100 Dollar pro Unze. Wer 2011 bis 2013 zu Höchstkursen Gold gekauft hat, sitzt immer noch auf Verlusten.

Fazit: In den vergangenen Jahrzehnten haben immer die Regulierer eingegriffen, wenn es zu systemrelevanten Krisen kam - und die Spekulation damit beendet.

Wer jetzt dennoch denkt, dass er kaufen muss - und sei es nur für ein besseres Gefühl -, oder wer auf den richtigen Zeitpunkt zum Verkauf wartete, für den gibt es immerhin eine gute Nachricht. Kaufen und Verkaufen ist heute viel einfacher, sicherer und kostengünstiger möglich als früher. Das liegt vor allem an den besseren Möglichkeiten für einen Preisvergleich.

Webseiten wie gold.de oder gold-preisvergleich.de erlauben den Online-Preisvergleich just in time und den Kauf und Verkauf in kurzer Zeit. Mit den Onlinepreisen im Kopf können Sie natürlich auch immer zum Händler Ihres Vertrauens gehen und bei einem günstigen Angebot vor Ort das Gold gleich nach Hause tragen.

Übrigens: Mancher verfällt auf die Idee, im Internet zu kaufen und bei einem Preisverfall von seinem Widerrufsrecht beim Fernabsatz Gebrauch zu machen. Das sollten Sie ganz schnell vergessen. Beim Goldkauf gilt das Widerrufsrecht nicht.

Unverändert macht es einen Unterschied, ob Sie Münzen oder Barren kaufen: Die Margen der Händler sind deutlich größer, wenn Sie Gold in kleinen Stückelungen kaufen. Kunden, die etwa einen südafrikanischen Krügerrand - eine der beliebtesten Goldmünzen - mit dem Gewicht einer Unze (31,1 Gramm) verkaufen wollen, bekommen knapp 4 Prozent weniger Geld, als sie beim Kauf auf den Tisch legen müssen. Wer nur eine Zehntel-Unze verkaufen will,muss einen Preisabschlag von 11 Prozent hinnehmen. Wenn Sie dagegen ein ganzes Kilo Gold - etwa in Form eines Barrens - kaufen, sind es weniger als 2 Prozent Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Das bedeutet aber auch: Sie müssten erst mal deutlich über 40.000 Euro auf den Tisch legen.

Gold kann leicht gestohlen werden

Und dann sollten Sie das Gold natürlich noch im Rahmen ihrer Hausratversicherung versichern. Und zwar egal, ob Sie das Gold zu Hause lagern oder im Banksafe. Es ist tatsächlich schon Gold aus einem Banksafe geklaut worden, das dort von der Bank nicht versichert war. Bedenken Sie: Ein Kilo Gold ist kleiner als eine Zigarettenschachtel.

Was den Preisvergleich angeht, gelten die Transparenzvorteile durch das Internet auch hier. Sie können heute Preise für Standardmünzen oder Barren im Internet leicht vergleichen. Sie können die Vertrauenswürdigkeit des Händlers überprüfen und beim Verkauf die Barren oder Münzen auch gleich abholen lassen.

Zusätzlicher Vorteil für diejenigen, die nach mehr als 12 Monaten mit Gewinn verkaufen: Die Gewinne aus dem Goldverkauf sind dann steuerfrei. Sie müssen sie in der Steuererklärung nicht einmal erwähnen. Auch eine Abgeltungssteuer fällt nicht an.

Nachteil für ungeduldige Geister: Verkaufen Sie vor den 12 Monaten, liegt ein privates Veräußerungsgeschäft vor und Sie müssen den Gewinn ab einer gewissen Höhe mit Ihrem persönlichen Einkommenssteuersatz versteuern.

Umgekehrt gilt aber auch: Wer sein Gold länger als 12 Monate hat und Verluste gemacht hat, kann diese auch nicht beim Finanzamt geltend machen. Ein weiterer Grund, warum mancher Käufer aus der Boomphase 2011 bis 2013 sehnsüchtig darauf wartet, dass der Goldpreis weiter steigt.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.


insgesamt 126 Beiträge
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Seite 1
HARK 17.08.2019
1. Gold ist das beste Beispiel dafür
Dass sich Geld nicht von selbst vermehrt. Der produktive Nutzen des Edelmetalls ist doch arg beschränkt - ganz anders als bei Immobilien oder gar Unternehmen, an denen man sich via Aktien beteiligen kann. Die werfen - zumindest meistens - eine Rendite ab. Gold jedoch nie. Da kann man höchstens Spekulationsgewinne einfahren - oder entsprechend Verluste. Wer zu Gold rät, hat diesen Sachverhalt nicht verstanden - oder verdient am Verkauf / der Lagerung / der Versicherung...
mopsfidel 17.08.2019
2. Bezahltmittel in der Krise!?
Ein Bekannter drängt mich seit längerer Zeit dazu, Gold als Bezahlmittel in den Schrank zu legen. Jede Diskussion darüber, wie er sich das dann in der Krise so vorstellt, enden in der Regel mit einer Pattsituation. Er behauptet, dass er sich damit auch notfalls ein ganzes Schwein kaufen kann. Ich entgegne ihm, dass Schweine nicht auf Bäumen wachsen. Und dass der Bauer seinerseits vielleicht Probleme hat, Futter oder anderes zu kaufen. Oder der Staat verabschiedet ganz schnell ein Notfallgesetz, was den Verkauf von Schweinen an Privatpersonen verbietet. In der Theorie ist Gold ein prima Zahlungsmittel.
Frittenbude 17.08.2019
3. Danke
Danke für diesen außergewöhnlich informativen Artikel zum Thema Gold! Da könnte man fast Lust bekommen, welches zu kaufen :) Nein, nur natürlich Spaß - bevor ich mir einen Klumpen Metall ans Bein binde, lass ich die Kohle lieber komfortabel und sicher und jederzeit verfügbar bei 0% Zins auf dem Girokonto liegen.... Für mich wichtigstes Zitat aus dem Artikel: "Wer 2011 bis 2013 zu Höchstkursen Gold gekauft hat, sitzt immer noch auf Verlusten."
minimatz 17.08.2019
4. da soll der....
werte Herr Tenhagen vielleicht doch darauf hinweisen, dass die in Dollar berechneten Goldpreisverluste zwar spektakulär klingen, jedoch in Euro seit 2013 gar nicht so erheblich waren und aktuell fast ausgeglichen sind. Selbst für Anleger in US-Dollar hielten sich die Verluste durch Währungsgewinne des Dollars letzendlich im Rahmen. Wirklich jede Anlageform, egal ob Aktien, Staatsanleihen und Währungen unterliegen solchen Schwankungen.
Spiegelleser#70 17.08.2019
5. "Flucht" in sichere Anlagen
Tatsächlich schneiden, je nachdem welchen Zeitabschnitt man betrachten will, viele Anleger die in Krisenzeiten in Gold oder andere vermeintlich "sichere" Anlagen investieren oft besser ab. Allerdings hat man bei einer solchen antizyklischen Strategie immer dasselbe Problem: Ab wann soll man wieder einsteigen? Die meisten Anleger steigen zu spät ein, und haben einen großen Teil der Renditen schon verpasst.
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