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29. November 2014, 15:52 Uhr

Geldanlage

Wie man Negativzinsen vermeidet

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Die ersten Banken verlangen Strafzinsen von Kunden mit hohen Guthaben. Die Empörung ist groß. Dabei nehmen bereits Millionen Deutsche negative Renditen in Kauf.

Die Commerzbank ist ganz vorn dabei: Als erste deutsche Großbank verlangt sie von institutionellen Kunden Zinsen, nur weil die ihr Geld dort lagern wollen. Bis dahin zahlte das Institut brav Zinsen. Noch am Abend dieser Ankündigung riefen alte Studienfreunde an und fragten mich, ob sie demnächst ebenfalls zahlen müssten, wenn sie Geld zur Bank tragen.

Ich konnte sie beruhigen: Auch künftig müssen kleine Privatkunden keinen Strafzins zahlen. Davor schützt der Selbsterhaltungstrieb der Banken. Strafzinsen würden nämlich den einen oder anderen Sparer auf den gefährlichen Gedanken bringen, Geld unterm Kopfkissen zu horten. Das wiederum brächte die Banken in die Bredouille, vielleicht nicht liquide genug zu sein. Schließlich legen sie das Geld der Sparer ihrerseits an.

Abends im Bett ging mir das Thema weiter durch den Kopf. Denn wenn man die Sache genauer durchdenkt, gehören Negativzinsen schon heute zur Realität für Bankkunden. Wer etwa auf seinem Girokonto übers Jahr im Schnitt 1000 Euro liegen hat und zum Beispiel die Dienste der Volksbank Lastrup in Niedersachsen in Anspruch nimmt, der zahlt jeden Monat 8,90 Euro Gebühren. Bezogen aufs Jahr kommen so fürs Girokonto 106,80 Euro zusammen, das entspricht rund zehn Prozent Strafzinsen.

Noch ein Beispiel: Wer 5000 Euro auf dem Tagesgeldkonto bei der Berliner Sparkasse (der größten in Deutschland) liegen hat, bekommt im Internet aktuell 0,30 Prozent Zinsen angeboten. Macht also 15 Euro Zinsen im Jahr. 20.000 Euro auf dem Festgeldkonto für drei Jahre bringen dort insgesamt rund 90 Euro Zinsen. Beide Zinssätze fangen nicht einmal die aktuelle Inflationsrate auf.

Die Kunden verlieren also Kaufkraft, wenn sie ihr Erspartes auf solchen Konten parken. Ganz zu schweigen von der bemerkenswerten Tatsache, dass die Berliner Sparkasse weniger Zinsen auf Festgeld als auf Tagesgeld anbietet.

Tags drauf versuchte ich vergeblich, meine Freunde anzurufen: Ihr könnt die Negativverzinsung bei den Banken bekämpfen, sollte die Botschaft sein. Ein kostenloses Girokonto mit kostenloser Kreditkarte spart im Vergleich zu dem gebührenpflichtigen Modell über 100 Euro im Jahr - oder mehr als zehn Prozent bezogen auf die 1000 Euro auf dem Girokonto. Ein gutes Tagesgeldkonto bringt 1,3 Prozent Zinsen oder, bezogen auf die 5000 Euro des Musterkunden, 65 Euro Zinsen statt 15. So ein Konto gibt's sogar bei einer Sparkasse. Bei einer Anlage von 20.000 Euro Festgeld für drei Jahre zeigt der Blick in die Finanztip-Datenbank 1,86 Prozent Zinsen im Jahr beim Spitzenreiter. Das ergibt in drei Jahren 1137 Euro Zinsen, über zwölfmal mehr als bei der Berliner Sparkasse.

Wenn Sie einen Teil Ihres Geldes länger nicht benötigen, dann sollten Sie beim Kampf gegen Negativzinsen auch eine Anlage in Indexfonds (ETF) erwägen. Solche Indexfonds auf den weltweiten Aktienindex MSCI World kosten wenig Gebühren und bieten die Chance auf eine ordentliche Rendite. In den vergangenen zehn Jahren hätten solche Anlagen auch wegen der niedrigen Gebühren und trotz der zwischenzeitlichen Finanzkrise rund 7,5 Prozent Rendite im Jahr gebracht.

Sichern Sie Ihre Ersparnisse. Negativzinsen können Sie selbst bekämpfen, in dem Sie Ihr Geld von der teuren Bank mit den niedrigen Zinsen zu der preiswerten Bank mit den hohen Zinsen bringen. Der große Vorteil: Anders als bei der Bargeldlagerung zu Hause brauchen Sie keinen teuren Safe und kein kostenpflichtiges Schließfach. Mit ein paar Klicks haben Sie den Strafzins abgewendet. Erzählen Sie das ruhig auch Ihren Freunden. Ich versuche es auch noch mal am Wochenende.

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