»Knallknacker« Zahl der gesprengten Geldautomaten erreicht Rekordniveau

Der klassische Banküberfall hat ausgedient. Kriminelle sprengen immer öfter einfach Geldautomaten in die Luft. Die Coronakrise hat diesen Trend offenbar verschlimmert.
Gesprengter Geldautomat in Niedersachsen

Gesprengter Geldautomat in Niedersachsen

Foto: Benjamin Westhoff/ dpa

In Deutschland sind im vergangenen Jahr mehr Geldautomaten gesprengt worden als je zuvor statistisch ermittelt. Das berichtet die »Welt am Sonntag« (WamS) unter Berufung auf eine Umfrage unter den Landeskriminalämtern.

Demnach gab es bis zum 16. Dezember, dem Stichtag der Umfrage, bereits 390 Sprengungen. Bereits vor Weihnachten sei damit der bisherige Rekordwert von 369 Sprengungen aus dem Jahr 2018 geknackt worden. 2019 wurden laut »WamS« 349 Fälle verzeichnet.

Die Straftäter sind nicht immer erfolgreich. 2020 seien sie in 160 Fällen tatsächlich an Bargeld gekommen, hieß es. 230 Versuche seien gescheitert. Menschen wurden bei den Sprengungen offenbar nicht verletzt.

Laut »Handelsblatt«  könnte ein Grund für den Anstieg der Fallzahlen die Coronakrise sein. Die Nachfrage nach Bargeld war durch die Shutdowns zwischenzeitlich in die Höhe geschnellt. Die Geldautomaten waren deshalb prall gefüllt – für sogenannte Knallknacker geradezu eine Einladung.

Spitzenreiter unter den Bundesländern war laut »WamS« 2020 Nordrhein-Westfalen mit 174 Sprengungen. Es folgten Niedersachsen mit 45 registrierten Taten vor Baden-Württemberg mit 36 und Rheinland-Pfalz mit 34 Fällen.

Das Landeskriminalamt glaubt, dass hinter der Häufung in NRW eine mehrere Hundert Mann starke Gangsterszene aus dem Raum Utrecht und Amsterdam steckt. Die Täter zeigten sich »unbeeindruckt von Festnahmen, hohen Haftstrafen, tödlichen Unfällen auf der Flucht und besser gesicherten Geldautomaten«, hieß es .

Automatensprengungen sind ein recht neues Phänomen. In Deutschland wurde der erste Fall 2005 registriert. Die Banken rüsten ihre Automaten inzwischen auf, zum Beispiel mit sogenannten Explosionsmatten. Die Täter setzen in der Folge immer durchschlagendere Sprengstoffe ein.

Die Schäden der Sprengungen kommen Versicherer daher immer teurer zu stehen. Gebäudefassaden müssen teils saniert, Automaten ersetzt werden.

ssu/AFP
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