Neues Gutachten Genpollen fliegen statt 30 Meter bis zu 4,5 Kilometer weit

Maispollen fliegen laut einem neuen Gutachten viel weiter als bislang angenommen. Die mögliche Verunreinigung dürfte damit nicht nur unmittelbare Nachbarfelder treffen. Nun soll die Risikobewertung überarbeitet werden.
Protest gegen Genmais (Archivbild): Annahmen auf wackligen Füßen

Protest gegen Genmais (Archivbild): Annahmen auf wackligen Füßen

Foto: Andreas_Gebhard/ dpa

Bremen - In der EU wird das Risiko, das von gentechnisch veränderten Pflanzen ausgeht, neu bewertet. Grund ist eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Bremen. In einer zehnjährigen Untersuchung von 216 Standorten fanden die Forscher heraus, dass Maispollen häufig mehrere hundert Meter weit fliegen. Mitunter halten sie sich sogar einige Kilometer in der Luft, der Rekordwert lag bei 4,5 Kilometern.

Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA, zuständig für die Zulassung von Genpflanzen, kündigte als Reaktion auf das Ergebnis an, ihre Risikobewertung zu überarbeiten. Die EFSA war bislang davon ausgegangen, dass ein Sicherheitsabstand von bis zu 30 Metern zu einem Feld mit Genpflanzen ausreichend sei, um das Nachbarfeld vor Verunreinigungen zu schützen. "Diese Großstudie belegt erneut, auf welch wackligen Füßen die Annahmen der EFSA stehen", sagt Mute Schimpf vom Umweltschutzverbund Friends of the Earth in Brüssel.

Die bisherige Bewertung der EFSA war Gentech-Konzernen wie Monsanto   entgegengekommen, etwa bei der Zulassung von deren Maissorte MON 810. Probleme könnte eine Neubewertung nun auch dem US-Unternehmen Pioneer machen. Der Saatgutmulti ringt seit Jahren um die Zulassung einer Genmaissorte. Juristen des Konzerns hatten deswegen sogar die EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt.

nkl

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