Verkauf von vier Millionen Lebensversicherungen Der langsame Zerfall der privaten Altersvorsorge

Generali Deutschland verkauft Millionen Lebensversicherungsverträge. Die Entscheidung zeigt, wie schlecht es um die private Altersvorsorge mittlerweile steht. Verbraucher müssen nun noch besser aufpassen.
Zwei Männer wechseln Schriftzug an einer Fassade aus

Zwei Männer wechseln Schriftzug an einer Fassade aus

Foto: Uwe Zucchi/ picture alliance / Uwe Zucchi/dp

Der Deutschland-Chef des italienischen Versicherungskonzerns Generali hat seine ganz eigene Lesart der jüngsten Entscheidung. "Den Kunden wird bald klar sein, dass das die beste Lösung ist", sagt Giovanni Liverani. So viel Optimismus muss man erst einmal aufbringen.

Das Unternehmen hat am Donnerstag bekannt gegeben, sich weitgehend von seiner Tochter Generali Leben zu trennen - und damit von vier Millionen Lebensversicherungskunden. Ihre Verträge werden, sofern die Finanzaufsicht BaFin zustimmt, fast vollständig von dem wenig bekannten Unternehmen Viridium übernommen, das sich auf die Abwicklung von Versicherungsbeständen spezialisiert hat. Solche sogenannten Run-off-Gesellschaften wollen über kluges Kostenmanagement Erträge generieren, die herkömmliche Anbieter nicht erreichen können.

Selbst wenn das möglich sein sollte - und Skepsis ist durchaus angebracht - ändert das nichts daran, dass die Kunden abgeschoben werden. Weil sie für die Generali wirtschaftlich nicht mehr attraktiv sind. Das hat in dieser Größenordnung noch kein Konzern gewagt. Auch Generali-Manager Liverani weiß, welche Symbolkraft in dieser Entscheidung liegt. Denn sowohl die private als auch die betriebliche Altersvorsorge, so wie sie jahrzehntelang in Deutschland betrieben wurden, drohen gerade in sich zusammenzufallen.

Die Regierung müsste bessere Rahmenbedingungen schaffen

Die niedrigen Zinsen treffen Kunden wie Anbieter hart, die schlechten Nachrichten reißen nicht ab. 34 von 84 Lebensversicherern stehen bereits unter "intensivierter Aufsicht" der BaFin, von den 137 Pensionskassen rund ein Drittel. Etliche Versicherer haben deshalb entschieden, künftig keine klassischen Lebensversicherungen mehr anzubieten. Stattdessen haben sie allerlei neue Produkte erfunden, die chancenreicher für die Kunden sein sollen, die aber eben auch riskanter sind - und vor allem oft noch intransparenter.

In einem Land, in dem im Schnitt jeder Bundesbürger eine Lebensversicherung hat, sollten langsam alle Alarmglocken schrillen. Das gilt sowohl für die Politik, als auch für die Bürger selbst. Eine Regierung, die von ihren Bürgern verlangt, privat vorzusorgen, muss auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Laien dabei nicht massenweise über den Tisch gezogen werden.

Die gerade erfolgte Ankündigung der Bundesregierung, die Provisionen der Versicherungsvermittler zu deckeln, kann da allenfalls ein Anfang sein, sie kommt aber auch Jahre zu spät. Für den Einzelnen bedeutet das, sich endlich klarzumachen, dass er sich mit dem Thema Altersvorsorge selbst beschäftigen und irgendwie eine Lösung finden muss. Inhaber von Lebensversicherungen müssen außerdem Nerven bewahren. Andere Anbieter werden in den nächsten Tagen sehr genau beobachten, wie die Entscheidung der Generali in der Öffentlichkeit ankommt. Hält sich der Aufschrei in Grenzen, werden womöglich viele Konkurrenten nachziehen.

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Deutsche Welle