GfK-Index Kauflaune der Deutschen steigt trotz Euro-Krise

Die Sorge der Deutschen vor einem Abschwung wächst, die Kauflaune trübt das aber offenbar nicht. Der GfK-Konsumklimaindex für Juli kletterte überraschend von 5,7 auf 5,8 Punkte. Für die nahe Zukunft der deutschen Wirtschaft sehen die Verbraucher allerdings schwarz.

Shopping in München: Die Krise vermiest die Kauflaune nicht
DPA

Shopping in München: Die Krise vermiest die Kauflaune nicht


Berlin - Im Allgemeinen schlecht, im Speziellen hervorragend: Die deutschen Verbraucher rechnen zwar mit einem drastischen Einbruch der Wirtschaft - aber mit steigendem Einkommen. Deshalb wollen sie mehr Geld für teure Anschaffungen ausgeben, und so steigt das für Juli berechnete Konsumklima-Barometer überraschend von 5,7 auf 5,8 Punkte. Das teilten die Marktforscher der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit.

"Die Turbulenzen im Euro-Raum haben dem Konjunkturoptimismus der Verbraucher einen deutlichen Dämpfer gegeben", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. "Bislang sehen die Bundesbürger jedoch die Gefahren aus dem Ausland offenbar ausschließlich für die Konjunktur generell und weniger für ihre persönliche Situation." Das Barometer für die Konjunkturerwartungen brach um 16,6 auf 3,0 Punkte ein.

Niedrige Inflation, niedrige Zinsen und geringes Vertrauen in die Märkte

Der Verbraucherumfrage war eine Serie negativer Nachrichten aus der Wirtschaft vorausgegangen: Exporte, Produktion und Industrieaufträge sind zurückgegangen, die ZEW-Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten fielen so stark wie seit 1998 nicht mehr, und der Ifo-Index liegt nach zwei Rückgängen in Folge auf dem niedrigsten Wert seit März 2010. Grund ist neben der schwächeren Weltkonjunktur vor allem die Schuldenkrise, wegen der viele Euro-Länder auch in der Rezession sparen.

Angesichts spürbarer Tariferhöhungen und sinkender Arbeitslosigkeit rechnen die Deutschen aber mit steigenden Einkommen. "Hinzu kommt, dass der Inflationsdruck zuletzt nachgelassen hat", sagte Bürkl. "Dadurch sehen die Konsumenten ihre Kaufkraft gestärkt." Die Teuerungsrate war im Mai erstmals seit rund anderthalb Jahren unter die Marke von zwei Prozent gefallen, bis zu der die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht. Das Barometer für die Einkommenserwartung legte deshalb um 8,1 auf 40,1 Zähler zu.

Auch die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen legte zu. Durch das fehlende Vertrauen in die Finanzmärkte und historisch niedrige Zinsen hielten es viele Konsumenten derzeit für nicht sehr attraktiv, ihr Geld auf die hohe Kante zu legen. "Stattdessen tendieren sie eher dazu, werthaltige Anschaffungen zu tätigen", sagte GfK-Experte Bürkl.

nck/Reuters/dpa



insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
hödr 26.06.2012
1. alle Mann von Bord
Ja natürlich steigt die Kauflaune. Das letzte Geld muss raus, solange es noch da ist. Wohin anlegen, wenn es die Banken dann verspielen? Wozu sich mit Immobilien rumärgern, wenn man morgen arbeitslos werden kann und dann alles verliert, das man sich ein Leben lang erarbeitet hat. Nein, lieber jetzt noch schnell alles verprassen. Wenigstens einmal kurz leben. Ein Morgen gibt es für uns nicht mehr.
TS_Alien 26.06.2012
2. .
Solange der Euro noch existiert bzw. etwas wert ist, sollte man ihn ausgeben. Ganz einfach.
turbi 26.06.2012
3. WIESO "... trotz ..."?
WIESO "... trotz ..."? - Müsste es nicht " ... wegen ..." heißen?
inhabitant001 26.06.2012
4. Titelzwang
Meine Kauflaune ist auch hervorragend. Ich will mir z.B. unbedingt einen Audi A6 kaufen. Oder ein Haus. Eine Segelyacht wäre auch nicht schlecht. Aber irgendwie lässt mich meine Bank nicht. Oder in anderen Worten: in ein oder zwei Wochen kommen die aktuellen Einzelhandelsumsätze raus, und wie immer werden die stagnieren. Nur schafft es diese Meldung nie so prominent platziert zu werden. Warum ist das wohl so?
starkebaerin 26.06.2012
5. Kauflaune der Deutschen steigt trotz Euro-Krise
Zitat von sysopDPADie Sorge der Deutschen vor einem Abschwung wächst, die Kauflaufe trübt das aber offenbar nicht. Der GfK-Konsumklimaindex für Juli kletterte überraschend von 5,7 auf 5,8 Punkte. Für die nahe Zukunft der deutschen Wirtschaft sehen die Verbraucher allerdings schwarz. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,840911,00.html
Die Kauflaune der Deutschen steigt w e g e n der Eurokrise, weil viele lieber im Vorrat kaufen, als ggf. zuzusehen, wie ihr Geld immer weniger wert wird. Ich habe ein Auto gekauft!
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