GfK-Konsumklima Verbraucher haben Angst vor Rezession - und kaufen trotzdem

Die schwächere Konjunktur steigert die Sorge der Verbraucher vor einem Abschwung. Die Konsumlust ist dennoch ungebrochen. Entscheidend dürfte nun die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sein.

Passanten in Einkaufsstraße in Stuttgart: Kaufen trotz Sorge
Edith Geuppert/DPA

Passanten in Einkaufsstraße in Stuttgart: Kaufen trotz Sorge


Politiker diskutieren angesichts schwächerer Wirtschaftsdaten bereits über Konjunkturmaßnahmen, doch die deutschen Verbraucher sind bislang in guter Stimmung. "Trotz des konjunkturellen Gegenwindes bleibt das Konsumklima auf einem guten Niveau stabil", sagte Rolf Bürkl vom Marktforschungsinstitut GfK (Gesellschaft für Konsumforschung).

Für den September prognostiziert die GfK einen unveränderten Wert ihres Konsumklimabarometers von 9,7 Punkten. Die globale Konjunkturschwäche, Handelskonflikte sowie nicht endende Diskussionen um den britischen EU-Ausstieg lassen die Wirtschaftsaussichten aus Sicht der Verbraucher jedoch mehr und mehr in ungünstigem Licht erscheinen. Das entsprechende Barometer für ihre Konjunkturerwartungen sank im August auf den niedrigsten Stand seit mehr als sechseinhalb Jahren.

Dagegen gingen die Einkommenserwartungen im August nur leicht zurück - und zwar um 0,7 Zähler auf 50,1 Punkte. Im Vergleich zum Vorjahr sei damit nur ein geringes Minus von einem Zähler zu verzeichnen, sagte Bürkl. Ob der Einkommensindikator aber auch künftig sein gutes Niveau behaupten könne, werde vor allem von der Arbeitsmarktsituation abhängen. "Für das Konsumklima und eine stabile Binnennachfrage wäre es wichtig, dass der Arbeitsmarkt stabil bleibt", sagte der Experte.

Die Ankündigung von Kurzarbeit bei einigen Unternehmen zeige, dass vor allem in den von Exporten abhängigen Branchen wie der Automobilindustrie und deren Zulieferern die Beschäftigungssituation schwieriger werde. Auf der anderen Seite gebe es aber vor allem in der Dienstleistungsbranche nach wie vor eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften.

Trotz Sorgen über die Konjunkturentwicklung stieg die Bereitschaft zur Anschaffung teurer Güter wie Autos oder Möbeln. Nach einem Plus von 2,5 Zählern klettert der entsprechende Indikator auf 48,8 Punkte. "Nach wie vor ist das Niveau als überaus zufriedenstellend zu bezeichnen", sagte GfK-Experte Bürkl.

Die GfK-Studie basiert auf monatlich rund 2000 Verbraucherinterviews im Auftrag der Europäischen Union. Das Konsumklima bezieht sich nicht nur auf die Ausgaben im Einzelhandel, sondern umfasst auch Dienstleistungen, Mieten, Reisen und Gesundheit.

Anders als die Verbraucher sehen die deutschen Unternehmen die wirtschaftliche Lage bereits recht kritisch. Der ifo-Geschäftsklimaindex war im August unerwartet deutlich um 1,5 auf 94,3 Punkte gefallen. Die Anzeichen für eine Rezession in Deutschland verdichten sich damit laut Ifo-Präsident Clemens Fuest. Das Bruttoinlandsprodukt war im Frühjahr um 0,1 Prozent geschrumpft. Eine Rezession droht in Deutschland dann, wenn auch im dritten Quartal die deutsche Wirtschaft schrumpft.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

mmq/Reuters/dpa



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Seite 1
muellerthomas 28.08.2019
1.
@SpOn: Wieso berichtet ihr Monat für Monat über diesen GfK-Index, obwohl die Korrelation zwischen Index und tatsächlichen Einzelhandelsumsätzen minimal ist? Der Index hat also Null Aussagekraft und trotzdem wird nicht nur ausgiebig berichtet, sondern auch so getan, als wären Indexwerte und Umsätze identisch ("und kaufen trotzdem"). Bringt doch mal einen Artikel, wo die Aussagekraft von GfK-, ZEW-, ifo-Index usw. analysiert wird.
fritz_64 28.08.2019
2.
Hier ist sie wieder, die Angst vor der Rezension. Wird seit Monaten herbeigeschrieben und die "mächtigen der Welt", sowie die "Märkte" können es scheinbar kaum noch erwarten das sie endlich beginnt. Endlich, könnte man meinen! Aber wo ist die Alternative? Sicher 90% der Weltbevölkerung hat keinerlei Interesse an einer Rezension und muss sich dem Spiel der "Märkte" unterordnen, die auch in der Rezension genügend Gewinne machen werden, eben auf kosten der 90%. Die Staaten werden wieder die Banken retten, die Bürger werden einmal mehr den Gürtel enger schnallen müssen, die Boni werden fließen und das "Spiel" beginnt von neuem. Mit noch mehr Geld im Umlauf...wo sind die Ideen und Visionen um diese scheinbar immerwährende Spirale zu durchbrechen? Es ist wohl Konsens das unsere Welt gerade den Bach runtergeht, aber das Spiel muss weitergehen. Rezension funktioniert komischerweise Global, alles wirkt auf alles...warum werden so wichtige Probleme wie der Klimawandel und das Plastik in der Umwelt nicht auch endlich global angegangen?
Schartin Mulz 28.08.2019
3. Wirtschaftswachstum
ist der Hauptgrund für den Klimawandel. Und in jeder Klima-Diskussion wird das ungebremste Wachstum eingehend mit Raubbau an der Natur und schädlichen Emissionen kriisiert. Aber wehe, wenn das Wachstum stagniert. Dann beginnt das große Weklagen. Oweh, die Automobilindustrie hat Absatzsorgen! Die gleiche Industrie, der hier in den Diesel- und Klimadiskussionen die PEst an den Hals gewünscht wird.
tommit 28.08.2019
4. Es muss halt auch
Zitat von fritz_64Hier ist sie wieder, die Angst vor der Rezension. Wird seit Monaten herbeigeschrieben und die "mächtigen der Welt", sowie die "Märkte" können es scheinbar kaum noch erwarten das sie endlich beginnt. Endlich, könnte man meinen! Aber wo ist die Alternative? Sicher 90% der Weltbevölkerung hat keinerlei Interesse an einer Rezension und muss sich dem Spiel der "Märkte" unterordnen, die auch in der Rezension genügend Gewinne machen werden, eben auf kosten der 90%. Die Staaten werden wieder die Banken retten, die Bürger werden einmal mehr den Gürtel enger schnallen müssen, die Boni werden fließen und das "Spiel" beginnt von neuem. Mit noch mehr Geld im Umlauf...wo sind die Ideen und Visionen um diese scheinbar immerwährende Spirale zu durchbrechen? Es ist wohl Konsens das unsere Welt gerade den Bach runtergeht, aber das Spiel muss weitergehen. Rezension funktioniert komischerweise Global, alles wirkt auf alles...warum werden so wichtige Probleme wie der Klimawandel und das Plastik in der Umwelt nicht auch endlich global angegangen?
wieder Kaufkurse geben. Damit die Aktienlogik stimmt.. denn mit der gesetzlichen Rente wird nichts an Rendite gerissen werden. Heute noch kein Tenhagen aufgetaucht mit den simplen Weisheiten der ausreichenden Streuung und den durchschnittlichen 8%?
haarer.15 28.08.2019
5. Kaufen und konsumieren ...
... nur das, was ich für notwendig erachte. Soll heißen, dass ich bei größeren Ausgaben eher Zurückhaltung übe, denn allgemein leben wir eh über unsere Kosten und haben uns zu einer Wegwerfgesellschaft hinentwickelt. Dem steuere ich bewusst entgegen - schon aus Gründen des Maßhaltens und des Klima- und Naturschutzes. Ich überblicke meine Ausgaben gut und so muss das auch sein. Jeder vernünftige Mittelschichts-Haushalt muss heutzutage rechnen. Das wird Weihnachten nicht anders sein. Was meine Kauflaune dämmt, sind hierzulande nicht die Steuern, aber die hohen sonstigen Abgaben. Da kann ich keinerlei Rücksicht auf das Weh und Ach der immer nörgelnden Wirtschaft nehmen. Die jammern nämlich permanent auf sehr hohem Niveau.
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