Konsumklima Deutsche sparen so wenig wie nie zuvor

Die Stimmung der Verbraucher in Deutschland ist blendend. Sie sparen kaum und konsumieren wie lange nicht mehr. Und das trotz der Krise im Euro-Raum. Beflügelt wird die Kauflaune vom noch stabilen Arbeitsmarkt und der Aussicht auf höhere Löhne.
Passanten mit Einkaufstüten in Berlin: Zyperns Zwangsabgabe erschüttert Sparer

Passanten mit Einkaufstüten in Berlin: Zyperns Zwangsabgabe erschüttert Sparer

Foto: Marc Tirl/ dpa

Berlin - Die Deutschen sparen so wenig wie noch nie und sind in Kauflaune wie seit Jahren nicht mehr. Die sogenannte Sparneigung fiel im April auf einen historischen Tiefstand, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Dienstag zu ihrer monatlichen Verbraucherumfrage mit.

"Die Zwangsabgabe in Zypern hat somit auch die bundesdeutschen Sparer in ihrem Vertrauen in die Sicherheit ihrer Einlagen erschüttert", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Dort wurden Kunden der größten Banken im Zuge der Rettungspläne mit einem Guthaben ab 100.000 Euro mit einer Zwangsabgabe belegt, um eine Staatspleite zu verhindern.

Vor diesem Hintergrund legte die Bereitschaft der Deutschen zu größeren Anschaffungen laut GfK zu. Da auch die Erwartungen an die Einkommen stiegen, kletterte das für Mai berechnete Konsumklimabarometer von 6,0 auf 6,2 Punkte. Das ist der höchste Stand seit Oktober 2007. "Die Verunsicherung gegenüber den Finanzmärkten stimuliert die Konsumenten, ihre finanziellen Mittel in werthaltige Anschaffungen zu investieren anstatt sie zur Bank zu tragen", sagte Bürkl. "Zumal die zurzeit historisch niedrigen Zinsen nicht einmal die Inflation kompensieren."

Konjunkturelle Aussichten schlechter

Beflügelt wird die Kauflaune auch vom recht stabilen Arbeitsmarkt und der Aussicht auf höhere Reallöhne. Die in diesem Jahr bereits vereinbarten Tarifabschlüsse deuteten auf reale Einkommenszuwächse für viele Beschäftigte hin, sagte Bürkl. "Derzeit bewegen sich die tariflichen Zuwächse in einer Größenordnung von etwa drei Prozent." Die Inflationsrate dürfte unter zwei Prozent bleiben.

Die Konjunkturaussichten bewerteten die Verbraucher dagegen schlechter. Dieser Indikator rutschte in den negativen Bereich und liegt damit unter seinem langjährigen Durchschnitt. "Die Nachrichten, dass der Euro-Raum auch in diesem Jahr in der Rezession verharren wird, bremsen auch den Konjunkturoptimismus der Deutschen", sagte Bürkl. "Offenbar gewinnen die Konsumenten zunehmend den Eindruck, dass die für dieses Jahr vorhergesagte moderate Erholung der deutschen Wirtschaft eher schleppend verlaufen wird oder sich sogar gar nicht abzeichnet." So hatte sich mit dem Ifo-Index der wichtigste Frühindikator für die deutsche Konjunktur zuletzt zweimal in Folge eingetrübt.

yes/Reuters