Schlechter als im Coronalockdown Verbraucherstimmung fällt auf Rekordtief

Die hohe Inflation und Kriegssorgen haben die Stimmung der Konsumenten in Deutschland auf einen historisch schlechten Wert gedrückt: Die Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung sind laut einer GfK-Umfrage dahin.
Konsumenten mit Einkaufstaschen: Stimmung schlechter als während des ersten Lockdowns

Konsumenten mit Einkaufstaschen: Stimmung schlechter als während des ersten Lockdowns

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Es ist die zweite Verschlechterung in Folge: Die Konsumenten in Deutschland sind noch pessimistischer als während des ersten Coronalockdowns. Sowohl die Erwartungen der Deutschen hinsichtlich der konjunkturellen Aussichten und hinsichtlich ihrer Einkommen als auch ihre Kauflust hätten im April spürbare Dämpfer erhalten, teilte das Nürnberger Konsumforschungsunternehmen GfK auf Basis seiner jüngsten Studie mit.

Die Gesamtlage sei auf den tiefsten Stand seit dem Beginn der Erhebungen im Jahr 1991 abgerutscht. Der GfK-Index war bereits für April auf minus 15,7 Punkte abgestürzt. Für Mai werden es jetzt minus 26,5 Punkte sein, wie die Marktforscher mitteilten.

»Ein spürbarer Anstieg der Sparneigung im April hat diesen Absturz noch beschleunigt«, sagte GfK-Fachmann Rolf Bürkl. »Der Ukrainekrieg sowie die hohe Inflation haben der Verbraucherstimmung einen schweren Schlag versetzt. Damit haben sich die Hoffnungen auf eine Erholung als Folge der Lockerungen pandemiebedingter Beschränkungen endgültig zerschlagen.«

Neben der allgemeinen Verunsicherung dämpfe vor allem die mit 7,3 Prozent höchste Inflation seit Ende 1981 die Konsumlaune. »Wenn für Benzin, Heizöl und Gas deutlich mehr ausgegeben werden muss, bleiben entsprechend weniger finanzielle Mittel für andere Anschaffungen«, erläuterte Bürkl.

Das Risiko für die Konjunktur sei zudem aus Sicht der Verbraucher weiter gestiegen, sie schätzten die Gefahr einer Rezession als hoch ein. In der jüngsten Umfrage des Ifo-Instituts unter Führungskräften der Wirtschaft hatte sich deren Laune nach dem Ukraine-Schock jüngst zumindest etwas stabilisiert.

Einen nachhaltigen Stimmungswechsel bei den Konsumenten wird es nach Ansicht des GfK-Experten aber nur dann geben können, wenn es beim Krieg in der Ukraine zu erfolgreichen Friedensverhandlungen kommt.

Größere Anschaffungen werden verschoben

Der explosionsartige Anstieg der Energiepreise im Zuge des Konflikts vor den Toren der EU habe die Aussichten der Verbraucher für die eigenen Finanzen abrutschen lassen. Dies ist auch in der Einkommenserwartung abzulesen, die im April auf minus 31,3 Punkte sackte. Das sind 9,2 Punkte weniger als im März und damit der niedrigste Wert seit Februar 2003.

Das Barometer für die Bereitschaft zu größeren Einkäufen – die Anschaffungsneigung – fiel auf den tiefsten Stand seit der Finanz- und Wirtschaftskrise im Oktober 2008.

Die starken Realeinkommensverluste dürften durch Lohnsteigerungen und Staatshilfen nicht kompensiert werden, sagte Alexander Krüger, Chefökonom der Bank Hauck Aufhäuser Lampe. »Viele Unternehmen haben weitere Preissteigerungen zudem bereits angekündigt. Für den Konsum sieht es für das laufende Quartal schon jetzt sehr düster aus.«

Für ihre repräsentativen Studien zum Konsumklima führt die GfK monatlich Interviews mit Verbrauchern zu ihrer Konjunkturerwartung, ihrer Einkommenserwartung und ihrer Anschaffungsneigung. Für die aktuelle Erhebung wurden vom 31. März bis 11. April rund 2000 Menschen befragt. Der Konsum gilt als eine wichtige Stütze der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland.

Bestimmte Firmen wollen weiter einstellen

Anders als bei den Verbrauchern, ist die Stimmung zumindest in bestimmten Unternehmen offenbar etwas optimistischer. So wollen Firmen trotz der Unsicherheiten infolge des Ukrainekriegs wieder Jobs schaffen. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer stieg im April auf 102,8 Punkte, nach 102,1 Zählern im März, wie das Münchner Institut mitteilte. »Die hohe Unsicherheit in der Wirtschaft durch den Angriff Russlands auf die Ukraine scheint keinen nachhaltigen Einfluss auf die Personalplanungen zu haben«, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. »Die Beschäftigung wird in Deutschland weiter steigen.«

Im Dienstleistungssektor legte der Ifo-Indikator deutlich zu. »IT-Dienstleister suchen weiterhin Personal«, sagte Wohlrabe.

In der Industrie allerdings sei das Beschäftigungsbarometer erneut gesunken. Insbesondere energieintensive Industrien wollen sich zurückhalten mit Einstellungen. Auch im Handel und im Baugewerbe sei die Einstellungsbereitschaft gegenwärtig nur sehr schwach ausgeprägt. Die Baubranche sieht sich mit starken Lieferengpässen sowie massiv steigenden Preisen für Baustoffe konfrontiert und stellt sich auf Kurzarbeit ein. Zudem berichten Firmen davon, dass Auftraggeber ihre Projekte zurückstellen oder sogar stornieren.

mmq/Reuters/dpa/AFP