Umfrage zu Wirtschaftserwartung Deutsche so hoffnungsvoll wie seit drei Jahren nicht mehr

Die Konjunkturerwartungen der Deutschen sind so optimistisch wie lange nicht. Konsumforscher sehen »mehr Licht als Schatten« bei der Verbraucherstimmung. Auch Firmen wollen wieder mehr einstellen.
Kunden in der Hamburger Innenstadt nach Wiedereröffnung der Geschäfte: Optimismus nimmt zu

Kunden in der Hamburger Innenstadt nach Wiedereröffnung der Geschäfte: Optimismus nimmt zu

Foto: HANNO BODE / imago images/Hanno Bode

Der Impffortschritt und die Abkehr vom strengen Lockdown machen die Verbraucher zuversichtlich. »Dies beflügelt momentan in erster Linie den Konjunkturoptimismus und sorgt für konjunkturelle Aufbruchstimmung«, sagte Rolf Bürkl vom Konsumforschungsunternehmen GfK.

Die Marktforscher sagen in ihrem Konsumklima-Barometer für Juni einen Anstieg um 1,6 auf minus 7,0 Punkte voraus. »Wir lassen die dritte Welle mehr und mehr hinter uns«, sagte Bürkl. Der Konjunkturoptimismus der Verbraucher kehre zurück und sei mit 41,1 Punkten auf dem höchsten Wert seit drei Jahren. Im Augenblick werde die deutsche Wirtschaft vor allem vom Export nach China und in die USA gestützt.

Doch das Konsumklima in Deutschland scheint sich zu erholen. Die Neigung zu größeren Anschaffungen sei im Mai zwar wieder etwas gesunken – aber die Konjunktur- und die Einkommenserwartungen hätten zugelegt, sodass eine Erholung des Konsums in der zweiten Jahreshälfte möglich sei, erklärten die Konsumforscher. Die Stimmung der Verbraucher zeige jetzt »mehr Licht als Schatten«.

Deutsche haben viel Geld angespart

Laut der Umfrage unter rund zweihundert Menschen beurteilen die Verbraucher auch ihre künftige finanzielle Lage besser. »Die Lockerungen beziehungsweise Öffnungen – so zum Beispiel in der Gastronomie und Hotellerie – werden eine Reihe von Beschäftigten aus der Kurzarbeit führen«, hieß es. Damit steige auch die Hoffnung auf ein besseres Einkommen.

Die Bereitschaft der Verbraucher zur Anschaffung teurerer Güter wie etwa Autos, Möbel oder Elektronikgeräte hatte zuletzt abgenommen. Grund dafür dürfte laut GfK sein, dass trotz Lockerungen bestimmter Konsum – etwa bei Dienstleistern – noch nicht oder nur begrenzt möglich ist.

Allerdings haben viele Deutsche im Lockdown deutlich weniger Geld ausgegeben als sonst und deshalb viel auf der hohen Kante, um Nachholbedarf künftig zu decken. Die Sparquote der privaten Haushalte schnellte im ersten Quartal auf den Rekordwert von 23,2 Prozent. Im Schnitt der vergangenen zwei Jahrzehnte lag die Quote – also der gesparte Anteil am verfügbaren Einkommen – zwischen neun und elf Prozent.

Nicht nur bei den Verbrauchern, auch bei den Firmen wächst die Hoffnung, die schlimmste Phase der Pandemie zu überwinden. Die Bereitschaft der deutschen Unternehmen zu Neueinstellungen ist einer Umfrage zufolge so groß wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer kletterte im Mai um 1,9 auf 100,2 Punkte, wie das Forschungsinstitut mitteilte. Das ist der höchste Stand seit Juni 2019. »Der Impffortschritt und die Öffnungsperspektiven wirken sich positiv auf den Arbeitsmarkt aus«, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Im exportabhängigen Verarbeitenden Gewerbe steigerte sich die Einstellungsbereitschaft seit dem Tiefpunkt vom Mai 2020 kontinuierlich. »Besonders hoch ist der Bedarf an neuen Mitarbeitern in der Elektroindustrie«, sagte Wohlrabe. Im Dienstleistungssektor gab es ebenfalls einen deutlichen Sprung nach oben. Hier benötigen insbesondere Logistiker und die IT-Dienstleister neues Personal. »Die Öffnungsperspektiven im Handel spiegeln sich in einem vorsichtigen Optimismus mit Blick auf die Beschäftigung«, hieß es. Auch auf dem Bau gibt es demnach eine Tendenz zu mehr Personal. Das Bauhauptgewerbe war allerdings auch mit Abstand am schwächsten vom Corona-Einbruch des vergangenen Jahres betroffen.

mmq/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.