Steigende Gebühren So finden Sie noch kostenlose Girokonten

Weil Banken und Sparkassen mit Zinsen nicht mehr viel verdienen, holen sie sich das Geld immer öfter über höhere Gebühren für Girokonten. Doch es gibt noch Ausnahmen.

Monika Skolimowska / DPA

Eine Kolumne von


Das Recht aufs Girokonto ist praktisch ein Menschenrecht. Denn ohne Girokonto kommen Sie in unserer Gesellschaft nicht zurecht, können ihre Miete nicht bezahlen und ihren Verpflichtungen bei Behörden nicht nachkommen. Das wissen Sie, das wissen die Banken, das weiß der Gesetzgeber. Deswegen ist das inzwischen auch gesetzlich festgelegt. Soweit die Theorie.

In der Praxis ist das Menschenrecht Girokonto allerdings inzwischen teuer. Und wird immer teurer. Banken und Sparkassen versuchen zunehmend, Gehälter, Gebäude und Computer über die Gebühren fürs Girokonto zu finanzieren, weil die bisherige Haupteinnahmequelle, die Zinsen, schrumpft. Beim Girokonto können die Kunden schlecht weglaufen, sie brauchen es ja. Interessant dabei: Die Banken verlangen oft unterschiedlich hohe Gebühren, je nachdem wie viel Geld auf dem Konto eingeht. Dabei gilt die Grundregel, je weniger Geld, desto teurer wird das Girokonto.

Am schönsten können Sie die Entwicklung beim früheren Staatsinstitut Postbank sehen. Früher konnten die meisten Kunden mit 1000 Euro Geldeingang dort ihr Konto ohne monatliche Grundgebühr führen, 2016 schaffte die Postbank ihre "Gratiskonten" ab. Heute sind 3,90 Euro monatlich für die Millionen Kunden dort die Regel, beim Kontomodell "Postbank Giro plus". Und nun hat die Postbank gerade ihren Kunden die nächste Preiserhöhung angekündigt: Von Oktober an wird das Konto 4,90 Euro kosten.

Kostenlos ist das Girokonto nur noch für Kunden, die mehr als 3000 Euro im Monat bei der Postbank einzahlen. Und dann ist es auch gleich ein Deluxe Konto. Wer das Deluxe Konto nutzt und die 3000 Euro nicht mehr mitbringt, bezahlt plötzlich 9,90 Euro im Monat. Von Oktober an sollen es sogar 10,90 Euro sein.

Auch Sparkassen und Volksbanken langen kräftig zu

Steigende Kosten fürs Menschenrecht aufs Konto sind aber beileibe nicht auf Postbankkunden beschränkt. Der aktuelle Mutterkonzern der Postbank, die Deutsche Bank, verlangt für das Standardkonto "Aktiv" 5,90 Euro Grundgebühr im Monat, die Deluxe Variante "Best" kostet hier 12 Euro.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Ähnliche Varianten gibt es auch bei großen Sparkassen und Volksbanken. Das günstigste Girokonto bei der Hamburger Sparkasse (Haspa) kostet inzwischen 4,95 Euro im Monat. Die Deluxe Variante "Haspa Joker Premium" kostet sogar 16,90 Euro im Monat, also 200 Euro Grundgebühr im Jahr.

Wofür das Geld gebraucht wird, zeigt ein Blick auf die Gesamterträge: Tatsächlich gibt die Haspa an, dass ihre Zinseinnahmen von 2013 bis 2018 um 400 Millionen Euro zurückgegangen seien, der Provisionsüberschuss, zu dem die Gebühren gehören, sei hingegen gestiegen.

Ähnlich sieht es bei der Berliner Volksbank aus. Dort kosten die Konten zwischen 5,90 Euro und 16,90 Euro monatlich, und auch dort sind die Zinseinahmen in den vergangenen fünf Jahren zurückgegangen, während die Gebühren um knapp 30 Prozent gestiegen sind. Genossen, so heißen die 200.000 Miteigentümer der Berliner Volksbank, zahlen allerdings monatlich 2 Euro weniger.

Die Jagd nach Kunden ist vorbei

Vor einigen Jahren fuhr die Mehrheit der Banken noch eine andere Strategie. Girokonten waren für sie nicht das Produkt, aus dem niemand so richtig fliehen kann. Girokonten waren vielmehr der Köder, mit dem man neue Kunden angeln wollte. Banken zahlten Boni von mehreren hundert Euro für neue Girokonto-Kunden, manche warben sogar mit Guthabenzinsen auf dem Girokonto. Noch Anfang 2014 zahlten zum Beispiel etliche PSD-Banken ihren Kunden auf dem Girokonto solche Zinsen. Bei der Sparkasse Mainfranken Würzburg gab es zu der Zeit in einem Kontomodell sogar bis zu 1,5 Prozent Zinsen für auf dem Girokonto geparktes Geld. Heute undenkbar.

In manchen Filialbanken hat sich aber zumindest die Idee vom Girokonto ohne Grundgebühren gehalten, ganz günstig zum Beispiel bei der Norisbank oder bei manchen Spardabanken. Dort machen die Kontogebühren in den Bank-Bilanzen nach wie vor nur einen kleinen Teil der Einnahmen aus, bei der Sparda Bank Baden-Württemberg zum Beispiel um die fünf Prozent. Bei Filialbanken mit Monatsgebühren liegt der Anteil der Kontogebühren an den Erlösen eher bei 20 Prozent.

Keine Monatsgebühr heißt zwar noch nicht gar keine Gebühr. Trotzdem ist es ein guter erster Indikator für die Kosten. Denn auch bei Konten mit Monatsgebühr kommen in der Regel noch andere Extras obendrauf. Bei etlichen Banken und Sparkassen kostet sogar die Girocard extra, die man braucht, um eigenes Geld vom Konto abzuheben. Dabei ist diese Girocard Dreh- und Angelpunkt für den Service rund ums Konto.

Und offenbar möchten die Banken auch nicht mehr, dass die Kunden zu Ihnen kommen. Sie erwarten vom Kunden, Ihr Geld immer am Automaten oder im Supermarkt abzuheben. Ziemlich viele Banken verlangen inzwischen tatsächlich Geld, wenn man das eigene Geld bei ihnen bar einzahlt oder wieder abheben will. Zuletzt hat eine bayerische Sparkasse vorm Bundesgerichtshof Recht bekommen. Sie darf bei Ihren Kunden fürs Abheben oder Einzahlen von Bargeld eine Gebühr verlangen.

Wird also alles immer schlechter? Das dann doch nicht.

Der europäische Gesetzgeber hat in den vergangenen Jahren nicht nur verfügt, dass das Girokonto ein Menschenrecht ist, also jeder eins bekommen können muss, selbst Flüchtlinge und Obdachlose. Er hat auch angeordnet, dass die Kosten dieses Rechts mindestens transparent sein müssen. Die Banken müssen auf ihren Internetseiten die Kosten der Kontomodelle nachvollziehbar darstellen und sie müssen ihren Kunden mindestens einmal im Jahr eine detaillierte Abrechnung der Kontokosten zur Verfügung stellen. Außerdem müssen sie dem Kunden das Wechseln der Bank erleichtern.

Und dann hat der europäische Gesetzgeber Deutschland - wie alle EU-Staaten - verpflichtet, eine kostenlose Datenbank zur Verfügung zu stellen, in der Kunden Kontokosten vergleichen können. Hier ist die Große Koalition allerdings säumig. So ein Angebot gibt es bislang leider nicht. Das ist eine Aufgabe für unsere Bundestagsabgeordneten und vielleicht auch für die neue Verbraucherministerin Christine Lambrecht (SPD). Sie sollten wenigstens den Verbraucherschutz, den Europa vorschreibt, hierzulande umsetzen.

Was Sie tun können

Zum Glück sind Sie als Verbraucher nicht auf die GroKo angewiesen. Sie können nämlich ein günstiges Konto auch ohne staatliche Hilfe finden. Und das geht so:

  • Erste Variante: Vergleichen Sie die unterschiedlichen Kontomodelle ihrer Bank und wählen Sie das für sie preiswerteste. Das sollte inzwischen auf der Internetseite der Bank ganz gut gehen.
  • Zweite Variante: Wenn Ihnen diese Kontoalternativen auch zu teuer sind, dann wechseln sie die Bank. Günstige Konten finden Sie beim Vergleichen leicht. Meine Kollegen bei Finanztip finden auch immer noch Kontomodelle, die wirklich komplett kostenlos sind inklusive Giro- und Kreditkarte, kostenlosem Abheben an Geldautomaten im kompletten Euroraum und zum Teil sogar ohne Fremdwährungsgebühren, wenn Sie in Nachbarländern ohne Euro oder auf anderen Kontinenten einkaufen oder Urlaub machen.

Solche günstige Kontomodelle gibt es zum Beispiel nach wie vor bei:

  • der DKB, die gehört der Bayrischen Landesbank - also quasi den Sparkassen
  • der Consorsbank, die gehört der französischen Großbank BNP Paribas
  • der ING, die gehört der niederländischen Großbank ING
  • der Comdirect, Tochter der Commerzbank
  • und bei der Norisbank - und die gehört ausgerechnet der Deutschen Bank.

Das Wechseln ist tatsächlich leichter geworden. Seit Herbst 2016 muss Ihnen die alte Bank beim Wechsel zur neuen Bank helfen und alle notwendigen Informationen zur Verfügung stellen, sodass beim Wechsel eigentlich nichts schiefgehen sollte. Auch das verdanken wir übrigens Europa.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes war an einer Stelle von Filialen der Norisbank die Rede. Tatsächlich hat die Norisbank gar keine Filialen mehr, sie ist inzwischen eine reine Direktbank. Wir haben die Stelle korrigiert.



insgesamt 52 Beiträge
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Relativiererererer 29.06.2019
1. norisbank
Aus dem Artikel geht hervor, dass die norisbank eigene Filialen betreibt: Das ist falsch! Die norisbank ist eine reine Onlinebank geworden. Ein kleiner Fehler ist außerdem, dass das Bestkonto der Deutschen Bank nicht 12 Euro monatlich kostet, sondern 11,90 Euro. Hier wurde wohl einfach aufgerundet, aber warum wurde dann beim Aktivkonto der korrekte Preis genannt?
muekno 29.06.2019
2. Kostenlose Girokonten gibt es genug
Norisbank, ING etc. wer nicht wechselt ist einfach nur zu dumm oder zu faul. Zeigt den Abzockern, wie vor allem den Sparkassen die Rote Karte
Edgard 29.06.2019
3. Ich finde es unverantwortlich....
... daß der SPIEGEL den immer größer werdenden Anspruch auf "Alles muß Gratis sein!" einer "GeizistGeil!" Mentalität fördert - ich werfe dem SPIEGEL hier platten Populismus vor - und verlogen dazu denn immer mehr Artikel auf Ihrer eigenen Internetpräsenz sind inzwischen kostenpflichtig! Auch die Geldinstitute haben ein Recht für ihre Leistung eine Bezahlung zu erwarten, und gerade die Filialbanklen die dem Kunden noch eine gute Beratung anbieten haben entsprechende Personalkosten. Und was tut der SPIEGEL? Er fördert damit neoliberale Internetbanken die (ausgenommen natürlich das Managenemt) mit einem Mindestmaß an schlecht bezahlten Mitarbeitern arbeitet und - wie bei N26 ... https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/probleme-bei-online-bank-n26-haeufen-sich-a-1260154.html auch für die vermeintlich "kleveren" Kunden letztendlich ein teurer Flop werden. Nochmal, SPON - wollt Ihr wirklich weiter Wasser predigen und Wein saufen?
Affenhauptmann 29.06.2019
4. Sparkasse
Wer heute noch ein Konto bei der Sparkasse hat, dem ist nicht mehr zu helfen.
Der Bruddler 29.06.2019
5. kostenlos nur noch bei Direktbanken
Auch die Norisbank hat keine Filialen mehr, womit es kostenlose Konten praktisch nur noch bei Direktbanken wie bei ING, ComDirekt, N26, etc. gibt, die keine persönlichen Beratung und nur wenige Produkte anbieten und daher auch nicht für jeden geeignet sind.
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