Girokonten Wenn kostenlos nur heißt, dass die Gebühren gut versteckt sind

Kostenlose Girokonten gibt es noch. Aber meist müssen die Kunden doch zahlen - für die Kreditkarte, Überweisungen oder Geldabheben im Ausland. Diese Checkliste zeigt, worauf es bei der Wahl der Bank ankommt.

Frau am Geldautomaten
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Frau am Geldautomaten

Eine Kolumne von


Das Pressefrühstück beim Bankenverband ist eine entspannte Angelegenheit. Journalisten stellen selten böse Fragen, und die Lobbyisten des Verbandes geben ordentliche Antworten. Umso bemerkenswerter die Reaktion auf die Frage, ob denn Bankvorstände wüssten, was Girokonten im Endeffekt für den einzelnen Kunden kosten. "Ich würde dafür einen Praktikanten einsetzen", so Cheflobbyist Michael Kemmer. Per Knopfdruck gehe das nicht.

Eben.

Deswegen verlangt die EU-Kommission seit 2014, dass sich die Banken mal auf einen Katalog von Kontodienstleistungen einigen, für die sie möglicherweise eine Gebühr nehmen wollen. Damit dann alle Kunden auf einer offiziellen Vergleichswebseite nachschauen können, welche Bank ihnen das günstigste Girokonto anbietet. So steht es in der Zahlungsdienstrichtlinie und in Paragraph 19 des Zahlungskontengesetzes. Und trotzdem geht es nicht voran.

Der normale Kunde denkt bei einem kostenlosen Konto an ein solches, für das die Bank weder eine monatliche Grundgebühr verlangt, noch versucht, über regelmäßige Kosten für Abhebungen, Einzahlungen und Daueraufträge diese Grundgebühr zu ersetzen.

Denn wer sich die Bedingungen von "kostenlosen Girokonten" genauer ansieht, muss schnell erkennen, dass es viele Banken gibt, die nur jungen Leuten bis 25 oder 27 Jahren ein solches kostenloses Modell anbieten. Oder nur Leuten, die ihr Konto auch als Gehaltskonto nutzen. Oder nur Leuten, die auf dem Konto mindestens 3000 Euro im Monat einzahlen, oder...

Als Nächstes fällt auf, dass ein Konto auch ohne monatliche Grundgebühr eben noch lange nicht kostenlos ist. Bei vielen Online-Kontomodellen kostet jede Aktion etwas, die nicht am Computer stattfindet: also eine Überweisung auf Papier, Bargeld abheben oder auch nur Kontoauszüge in der Filiale auszudrucken. Bei "kostenlosen Konten" vieler Filialbanken kostet manchmal schon die Girocard extra, häufiger noch die Kreditkarte. Bis zu 30 Euro sind üblich.

Machen wir den Check

Machen wir also gemeinsam die Arbeit des Praktikanten und arbeiten am Profil eines Beispielkunden die Liste der wichtigsten möglichen Kosten fürs Girokonto ab. Etwas Besseres als die 150 bis 200 Euro, die Sie Ihr Girokonto bislang jährlich kostet, finden Sie allemal.

Ich orientiere mich dafür an der Kostenliste, die meine Kollegen bei "Finanztip" zur Einschätzung von einem Online-Girokonto entwickelt haben:

Beispielkunde Girokontorechner

Leistung Anzahl bzw. Betrag
Überweisungen per Beleg pro Jahr 0
Überweisungen ohne Beleg pro Jahr 25
Gutschriften/Lastschriften pro Jahr 240
Abheben am Automatenverbund pro Jahr 48
Abheben an Fremdautomaten in Deutschland pro Jahr* 2
Summe je Automatenabhebung 200 Euro
Abheben in Eurozone pro Jahr 3
Betrag beim Abheben in Eurozone 100 Euro
Zahlen in Fremdwährung pro Jahr 3
Betrag pro Zahlung in Fremdwährung 100 Euro
Abheben in Fremdwährung pro Jahr 3
Betrag beim Abheben in Fremdwährung 100 Euro
Kontoauszüge (am Auszugsdrucker) pro Jahr 0

Quelle: Finanztip
*außerhalb des eigenen Automatenverbundes

  • Für den Schnelldurchlauf: Kontoführung, Girocard und Kreditkarte sollten in jedem Fall kostenlos sein.
  • Auch die Positionen zwei bis acht (verschiedene Überweisungen, Lastschriften, Daueraufträge und Abhebungen) sollten grundsätzlich kostenlos sein.
  • Bei den Positionen neun bis zwölf (Bezahlen und Abheben außerhalb des Euroraums) hängen Ihre Kosten davon ab, wie oft Sie tatsächlich außerhalb des Euroraums bezahlen und Geld abheben. Das haben Sie als Kunde im Blick.

Diese Kosten können Sie mit ein gewissem Aufwand bei Ihrer Hausbank oder Ihrer Lieblings-Onlinebank selbst prüfen. Oder Sie lassen den Bankmitarbeiter für Sie rechnen. Aber Vorsicht: Die Zahlen bei allen Banken in der Bundesrepublik abzuprüfen wäre - nicht nur für Praktikanten von Bankenlobbyisten - eine Lebensaufgabe.

Keine Lust? Sie können als Abkürzung die Rechner auf einem traditionellen Vergleichsportal ausprobieren. Oder den Rechner von "Finanztip" nehmen. Vertreten sind bei uns zwar erst mal nur ein Dutzend bundesweit agierender Banken, die aber zu den preiswerteren gehören dürften. Hierbei werden die wichtigsten versteckten Kostenpunkte beim Einsatz im In- und Ausland an einem Musterkunden sichtbar gemacht.

Die Volksbank oder Sparkasse aus Ihrer Region fehlt, günstige PSD- oder Sparda-Banken sind auch nicht vertreten. Die könnten Sie mit der Tabelle selbst gegenrechnen, falls Ihre Bank das Preis- und Leistungsverzeichnis online anbietet oder Sie es zumindest während der Öffnungszeiten in einer Filiale abholen können. Aber Sie werden mit dem Rechner eine Bank finden, die Ihre Anforderungen (mit oder ohne Kreditkarte, mit oder ohne Filiale) vergleichsweise günstig erfüllt.

Die Zukunft muss verbraucherfreundlicher werden. Das wäre eigentlich ganz einfach: Alle Banken in Deutschland würden verpflichtet, die Kosten Ihrer Girokonten tagesaktuell an einer Rechner-Schnittstelle zur Verfügung zu stellen. Das ist das Äquivalent zum Kilopreis für Mehl, Zucker und Schokolade, den jeder Supermarkt anzeigen muss.

Dann könnten die deutschen Behörden, wie von der EU festgelegt, dafür sorgen, dass diese Daten kostenlos zur Verfügung stehen. Und wir Kunden könnten ganz einfach vergleichen, welche Bank im Netz oder auch in der Nachbarschaft das günstigste Konto für unsere Art der Nutzung bereitstellt.

Ein Teil der Filialbankkunden hat noch die Option, auf der Homepage der Stiftung Warentest nach einer günstigen Filialbank zu suchen: Dort finden Sie für 2,50 Euro die umfangreichste Untersuchung von Regionalbanken. Aber bitte den Kontrollblick auf die Kosten für die Kreditkarte nicht vergessen. Wäre doch ärgerlich, wenn das vermeintlich kostenloses Konto am Ende doch 30 Euro Jahresgebühren für die Plastikkarte nach sich zieht.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.
insgesamt 30 Beiträge
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so-long 02.09.2017
1. Freibiermentalität
Alles muß "für lau" sein. Wehe, man ist selber davon betroffen..., dann hagelt`s Proteste und den Ruf zur Politik um dringende Abhilfe. Wo steht, daß es etwas umsonst geben muß?
sametime 02.09.2017
2. Wechsel
Nachdem meine Sparkasse das Online-Konto nicht mehr kostenlos anbieten wird und mir die Kartengebühren zu hoch waren, habe ich mich nach einer Bank ohne Filiale umgesehen. Es war genau die, die bei Finanztip Testsieger ist. Ich habe es selbst herausgefunden und bin jetzt zufriedener Kunde bei einer filiallosen Bank und kann weltweit kostenlos Geld abheben.
Markus Frei 02.09.2017
3. Kostenlos
Ich finde diese ganze "Geiz ist Geil" Mentalität schon ziemlich daneben. Ich bezahle für mein Girokonto 6 € im Monat (KSK), da ist alles drin was man mit einem Girokonto so anstellen kann. Aus meiner Sicht ist das völlig in Ordnung und auch angemessen, schliesslich erwarte ich ja auch das irgendjemand bei dieser Bank das ausführt was ich so alles möchte und der arbeitet wohl kaum umsonst. Ich selber war zwar seit 10 Jahren nicht mehr in der Filiale aber trotzdem lege ich Wert darauf das es die gibt, ich bin ja nicht alleine auf dieser Welt und andere Leute benötigen tatsächlich die Filiale und das kostet eben auch Geld.
frummler 02.09.2017
4. @1 und wo steht das mann was zahlen muss?
wenn meine sparkasse meint nach 35 jahren plötzlich gebühren zu verlangen auch für sachen die mann garnet braucht oder will bin ich als kunde weg was hat das mit freibiermentalität zutun!
Flying Rain 02.09.2017
5. Was
Was wird hier von "Geiz ist geil" gefaselt. Leute wir leihen den Banken unser Geld und diese kann damit ihre Finanzspielchen treiben die ihr massig Geld einbringt.
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