AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 26/2017

Die Geldfrage Liest die Bank meine Kontoauszüge?

Wie viele andere Unternehmen werten auch Banken die Daten ihrer Kunden - etwa die Kontoauszüge - so weit wie möglich aus. Verbraucherschützer halten bestimmte Auswüchse in der Branche für rechtlich bedenklich.

Kontoauszüge (Symbolfoto)
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Kontoauszüge (Symbolfoto)


Es sind mitunter sensible Informationen, die sich aus einem Konto ablesen lassen. Da ist es nicht unbedingt erfreulich, wenn die Bankberater jede Kontobewegung mitzulesen scheinen.

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Heft 26/2017
Das vergiftete Erbe des Helmut Kohl

Ein Leser der Geldfrage jedenfalls ärgert sich darüber, dass er regelmäßig von seiner Hausbank - der HypoVereinsbank - auf Daten aus seinem Girokonto angesprochen werde.

Als er sich beispielsweise ein neues Auto gekauft und dieses über ein anderes Institut finanziert hatte, wandte sich sein Berater an ihn: Man habe ein günstiges Angebot, mit dem er den Kredit ablösen könne. Die Freude beim Kunden hielt sich in Grenzen. Er fand es unheimlich, dass seine Bank scheinbar systematisch sein Konto nach Verwertbarem durchforstete.

Doch genau wie viele andere Unternehmen werten auch Banken die Daten ihrer Kunden so weit wie möglich aus. Oft kreuzen die Kunden in einem Vertrag oder einem anderen Dokument arglos ein entsprechendes Kästchen an, oder sie unterschreiben eine Klausel, die eine Datenauswertung erlaubt. Die HypoVereinsbank etwa erklärt, "ausschließlich nach entsprechender Zustimmung des Kunden" Daten auszuwerten, um "bedarfsgerechte Angebote unterbreiten" zu können.

Verbraucherschützer halten bestimmte Auswüchse in der Branche trotzdem für rechtlich bedenklich. Was erlaubt und was verboten ist, müssen im Einzelfall aber Gerichte entscheiden. Und wer schaltet deswegen schon einen Anwalt ein?

Verbraucher können sich jedoch einfach wehren - etwa, indem sie bei der Finanzaufsicht BaFin Beschwerde einreichen. Oder aber man wendet sich an die Bank selbst, um dem Spuk möglichst schnell ein Ende zu bereiten: Ein kurzer Zweizeiler, dass man die Auswertung der eigenen Zahlungsverkehrsdaten zu Werbezwecken und daraus abgeleitete Angebote untersagt, sollte reichen.


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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
pit.duerr 23.06.2017
1. Können
die ruhig machen. Ist eh kaum was drauf. Und sollte dann die Bank mir, Widererwarten, mal ne Spende zukommen lassen wollen, haben die auch gleich meine Kontonummer zur Hand. Nun, dann hoffe ich mal.
Leser161 23.06.2017
2. Das ist nicht das schlimmste Problem
Wenn mir auffällt, dass die rumschnüffeln ist das ja nur ein kleinere Problem. Da kann man sich whren. Siehe Artikel. Böse wird es wenn die Bank meine Kontoauszüge durchkämmt und z.B. anhand bestimmter Schlüsselwörter beschliesst, dass ich kein guter Kunde bin und irgendwelche Maßnahmen ergreift. Ich erinnere an einen Artikel von Tom König auf SPON der interessante Erlebnisse mit seinem Vodafone-Vertrag hatte, weil er zufällig in die falsche Nutzerschublade gefallen ist. Das ist automatische Diskrimierung von tausenden. Aber das interessiert genau keinen.
auf_dem_Holzweg? 23.06.2017
3. was die Bank liest liest auch der Staat
also warum sich um etwas Gedanken machen, an dem Frau Merkel Interesse hat und es so oder so tut - egal was andere davon denken und ebenso egal wie die Rechtslage ist? Der Staat sieht mit den Banken, das ist nichts neues, und deshalb sind die Banken auch so wichtig für den Staat.
Spiegelleserin57 23.06.2017
4. natürlich schauen sich die Banken die Auszüge ihrer Kunden an auch...
schon um deren Finanzverhalten im Auge zu behalten. Der Dispo ist nämlich nur für kurzfristige Überziehungen gedacht, bis zu 3 Monaten. Viele benutzen ihn als Dauerkredit und da die Zinsen sehr hoch sind sagen die Banken wenig. Wenn aber der Dispo auch noch überzogen wird werden die Banken schon mal diesen sperren. Deshalb verfolgen sie die Daten genau. Auch bei der Vergabe von Immobilienkrediten werden Verläufe angeschaut um zu sehen wie der Kunde mit dem Geld umgeht, eigentlich doch nachvollziehbar. Sie kaufen eben auch keine Katze im Sack!
bwaide 23.06.2017
5. Merkwürdiges Bankenverständnis
Wer Werte verwahren möchte, findet bei Banken mit Schließfächern ein datenschutztechnisch einwandfreies Produkt. Wer die Bank aber als Dienstleister sieht mit der ultimativen Aufgabe, Vermögen nicht nur zu sichern sondern zu vermehren, der sollte eine proaktive Ansprache seitens seiner Bank sogar fordern. Gute Banken sind Finanzdienstleister, keine Produktverkäufer. Im besten Dienstleistungsverständnis sind Analysen und personalisierte Handlungsempfehlungen damit Pflicht. Erst die Digitalisierung macht eine solche früher exklusiv besonders vermögenden Kunden zur Verfügung stehende Dienstleistung überhaupt für den Otto-Normalsparer möglich. Der erschreckend niedrige Anteil von Aktienbesitzern in Deutschland zeigt ja deutlich, wie hoch der Beratungsbedarf ist. Mit Omas Sparbuch und Tagesgeldkonten dürfen wir uns über niedrige Zinsen jedenfalls nicht wundern.
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