Young Money Blog Warum ein Kontowechsel oft sinnvoll ist

Viele Menschen sind seit Jahren Kunde bei klassischen Filialbanken. Dabei ist ein Wechsel ziemlich einfach. Und er lohnt sich: So sparen Sie rund 100 Euro - in drei Schritten.
Foto: Peter Kneffel/ dpa

Nach vielen Jahren habe ich vor Kurzem mein Sparkassenkonto gekündigt. Ich war mit der Bank aufgewachsen, wurde wie viele andere Heranwachsende mit dem Knax-Club geködert. Das Comic-Heftchen mit lustigen Bildern gab's zur Kontoeröffnung gratis dazu. Die Bank stand für mich von Beginn an für Vertrauenswürdigkeit und guten Service. Ich war immer zufrieden, nutzte auch als Student gern das Girokonto, weil die Sparkasse das größte Automatennetz in Deutschland hat und ich so immer an Bargeld kam. Auch der angebotene Online-Banking-Service der Bank war in Ordnung.

Doch irgendwann bemerkte ich zufällig beim Blick auf meine Kontoauszüge, dass mir monatlich Geld für das Konto berechnet wurde, immerhin 7,90 pro Monat, also knapp 100 Euro im Jahr. Vermutlich hatte die Bank mir mal nach meinem Berufseinstieg einen Brief geschrieben und mich darauf hingewiesen, dass für mich als Berufseinsteiger das Konto nicht mehr kostenfrei sei. Doch wie so oft landete der Brief ungelesen im Müll.

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Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 28 Jahre alt, seit der Kindheit. Die erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, ein paar Jahre später folgten die ersten Fondsanteile. Seine Finanzen regelt er seitdem selbst. Immer wieder löchern ihn seine Freunde mit Finanzfragen: Wie kann ich mein Geld richtig anlegen? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie mache ich meine Steuer? Über Antworten auf all diese Fragen schreibt er im Young-Money-Blog .

Den meisten meiner Freunde geht es ähnlich. Sie sind seit Kindheitstagen Kunde bei klassischen Filialbanken und wissen oft nicht einmal, dass sie monatlich dafür zahlen. Wenn ich sie darauf anspreche, warum sie dort ein Konto haben, sagen sie Sätze wie: "Ich bin da halt schon immer" oder "Kein Bock, mich darum zu kümmern." Auch Umfragen zeigen: Nur jeder zehnte Kunde spielt überhaupt mit dem Gedanken, die Bank zu wechseln, noch weniger sind es, die dann wirklich gehen.

Doch das kann teuer werden: Denn in den vergangenen Jahren haben viele Banken ihre Kontogebühren drastisch erhöht und denken sich immer neue Möglichkeiten aus, um beim Kunden abzukassieren: Damit die Gebührenerhöhungen nicht so auffallen, haben sich viele Banken und Sparkassen ein teilweise kompliziertes System aus verschiedenen Kontomodellen einfallen lassen: vom Premiumkonto mit allen Extras und hoher Grundgebühr bis zum Billigkonto, bei dem der Kunde für jede Überweisung extra zahlen muss. Die Berliner Sparkasse etwa bietet als günstigstes Grundmodell das Giro Individual an, für das pro Monat nur ein Euro Grundgebühr fällig wird. Dafür kostet jedes Geldabheben am Automaten 30 Cent extra. Nicht jeder Kunde weiß das.

Dahinter steckt in der Regel keine böse Willkür, sondern oft schlicht Not. Durch die dauerhaften Niedrigzinsen haben die Banken deutlich weniger Möglichkeiten, mit den Kundenguthaben Geld zu verdienen. Die Spanne zwischen den Zinsen für langfristige Kredite und jenen für kurzfristige Guthaben ist zu klein geworden, um daraus die Dienstleistungen zu finanzieren, die die meisten Banken und Sparkassen anbieten: Beratung in der Filiale, ein Netz von Geldautomaten und den ganz normalen Zahlungsverkehr.

Es ist also wichtig, über einen Wechsel nachzudenken, denn zum einen lässt sich mit einem vernünftigen Konto auf Dauer viel Geld sparen, und zum anderen ist es für jeden der Einstieg zum richtigen Umgang mit dem eigenen Geld. Denn wer sich schon nicht um ein vernünftiges Girokonto kümmert, wird sich auch eher nicht mit größeren Themen wie Geldanlage und Altersvorsorge beschäftigen. Die Auswahl eines guten und günstigen Girokontos sollte so etwas sein wie der erste Schritt auf dem Weg zum finanziellen Glück.

Ich bin zu einer Direktbank ohne Filialen gewechselt, mit der ich in ganz Europa kostenlos Geld abheben kann und mit der ich alle Bankgeschäfte mobil auf meinem Smartphone abwickeln kann. Nach Lust und Laune öffne ich die schicke App und sehe mir meinen Ausgabenverlauf an. So macht der Umgang mit dem eigenen Geld sogar Spaß.

Und wenn ich ein Problem mit einer Überweisung habe, oder eine Abbuchung nicht verstehe, rufe ich meinen Kundenbetreuer per Telefon an. Das geht meiner Erfahrung nach schneller, als in eine Filiale zu rennen und dort in einer Schlange zu stehen.

Ob sich der Kontowechsel von einer Bank zur anderen lohnt, können Sie selbst für sich beantworten. Diese drei Fragen bieten dabei Orientierung:

1. Brauche ich eine Filiale?

Menschen, die es vorziehen, ab und zu in eine Filiale zu gehen, um eine Papierüberweisung zu tätigen, sich einen Kontoauszug auszudrucken oder mit einem Bankberater zu sprechen, müssen sich von vorneherein auf höhere Kontokosten einstellen. Denn die Bank muss Ladenmiete und das Personal vor Ort bezahlen. Echte Null-Euro-Konten gibt es heute nur noch bei Direktbanken.

Zu diesen Banken sollten Kunden wechseln, die ihre Bankgeschäfte nur noch online oder mobil erledigen. Zur Auswahl stehen: DKB, ING, Comdirect, Norisbank, Consorsbank und N26. Diese Banken betreiben Bankgeschäfte ohne eigenes Filialnetz und benötigen dabei keinen persönlichen Kontakt zu ihren Kunden. Sie finanzieren sich in der Regel darüber, dass sie Kunden neben dem Girokonto noch andere Finanzprodukte verkaufen. Doch auf diese Angebote müssen Sie als Kunde natürlich nicht eingehen.

2. Wo will ich kostenlos Geld abheben?

Kunden von Filialbanken können nur an Automaten Geld abheben, die zu ihrem Bankenverbund gehören, sonst müssen sie hohe Gebühren zahlen. Auch das ist bei den Direktbanken bequemer: Bei diesen gibt's inzwischen eine kostenlose Kreditkarte (die man natürlich nicht nutzen muss) dazu, mit der man an jedem Automaten in Deutschland Geld abheben kann. Kunden müssen also nicht mehr den passenden Automaten finden, sondern können jeden nehmen, den sie auf der Straße sehen.

Mit der Kreditkarte lässt sich auch kostenlos Geld im Ausland abheben. Bei einigen Banken gilt dieser Service sogar weltweit, bei anderen nur in Europa.

3. Nutze ich öfter den Dispokredit?

Die Angebote der Direktbanken sind oft sehr ähnlich, weil sie im starken Wettbewerb zueinander stehen. Wenn Sie häufiger Ihr Konto überziehen, sollten Sie aber auf den Zinssatz des Dispokredits achten, denn der ist bei den Banken unterschiedlich hoch.

Hat man sich für eine Bank entschieden, geht der Wechsel ziemlich leicht. Bei Direktbanken dauert die Kontoeröffnung online wenige Minuten. Meist müssen Sie nur einen unterschriebenen Vertrag an die Bank schicken und Ihre Identität entweder in einer Postfiliale oder über eine Videoverbindung zur Bank nachweisen. Dann trudeln die Zugangsdaten, die Karten und die PIN in unterschiedlichen Briefen ein. Die Banken handhaben dies so, damit das Konto von Anfang an vor Kriminellen geschützt ist.

Den Papierkram haben die Banken selbst zu erledigen, auf Wunsch des Kunden müssen sie alle Geschäftspartner - ob Stromanbieter, Internetanbieter oder Versicherer - über die neue Kontoverbindung informieren.

Noch schneller geht es, wenn Kunden sich bei den Anbietern selbst online einloggen und die neue Kontoverbindung hinterlegen. Dann ist das neue Konto direkt nach Eröffnung einsatzfähig.