Banken Wie man Kontogebühren vermeiden kann

Kostenlose Girokonten werden immer seltener. Wer sich gegen Gebühren für Bareinzahlungen oder die ec-Karte wehren will, kann die Bank wechseln. Das ist einfacher, als viele denken.
SEPA-Überweisungen

SEPA-Überweisungen

Foto: Jens Büttner/ dpa

Bei der Sparda-Bank West ist man sich sicher: "Als flexibles, bargeldloses Zahlungsmittel ist die ec-Karte aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken". Nur blöd, dass die Bank den Alltag ihrer Kunden gerade teurer gemacht hat: Zehn Euro pro Jahr verlangt die Düsseldorfer Genossenschaftsbank seit März für die Nutzung der Karte.

Nicht nur für rheinische Bank-Genossen geht die Zeit des kostenlosen Girokontos zu Ende. Quer durch Deutschland schaffen Sparkassen, Volks- und Großbanken kostenlose Karten und Girokonten ab, verteuern Fremdabhebungen oder belegen Bareinzahlungen und Papierüberweisungen mit Gebühren.

Die Geldhäuser sind in der Zwickmühle: Für Kurzfristeinlagen bei der Europäischen Zentralbank, quasi das Girokonto für Banken, zahlen sie einen Strafzins von 0,4 Prozent. Diesen direkt an Kunden weiterzugeben, trauen sich aber nur wenige Institute. "Wenn die Finanzinstitute die Negativzinsen nicht direkt an ihre Kunden weitergeben wollen, dann müssen sie andere Ertragsquellen suchen", sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret kürzlich im SPIEGEL-ONLINE-Interview. Gebühren sind Kunden eben gewöhnt und zahlen sie eher.

Direktbanken bieten weiterhin kostenlose Konten

Günstiger sind sie deswegen nicht. "Wenn die eigene Bank die Preise erhöht, sollte man sich nach Alternativen umsehen", sagt Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Es gibt weiter Konten, die kostenfrei sind."

Vor allem Direktbanken wie die DAB oder die Consorsbank oder Finanz-Start-ups wie Number 26 bieten weitgehend kostenlose Girokonten an. Geld abheben kann man bei Partnerbanken, Kontoführung und Beratung finden am Telefon oder online statt. Das Verbrauchermagazin Finanztip empfiehlt mehrere Direktbanken , einzig die hohen Gebühren beim Bezahlen mit Fremdwährungen hält sie für kritikwürdig.

Wer die wenig bekannten Namen scheut, kann auch zu Commerzbank oder HypoVereinsbank wechseln. Dort entfallen die Gebühren, wenn die Bankgeschäfte nur am Automaten oder über den heimischen Computer erledigt werden.

"Ob man Bankgeschäfte gerne am Telefon oder im Internet erledigt, ist Geschmackssache", sagt Nauhauser. Gerade Ältere haben sich an die Bareinzahlung am Schalter oder die handgeschriebene Überweisung einfach gewöhnt. Auf den Termin beim persönlichen Bankberater bei Kaffee und Plätzchen im Glaspalast muss man bei einer Direktbank verzichten.

Kontowechsel in maximal fünf Tagen

Dafür entfällt auch der sanfte Druck, dem netten Herrn im Anzug doch den Bausparvertrag abzukaufen. "Da kommt höchstens mal eine Werbesendung, die man gleich wegschmeißen kann", sagt Nauhauser.

Ein Wechsel kann sich finanziell lohnen - Bankenhopping allerdings nicht. Banken melden jeden Kontowechsel an die Schufa, teilweise verschlechtern sogar Anfragen für Angebote die persönliche Kreditwürdigkeit. Wegen einer minimalen Gebührenerhöhung sollte man also eher nicht die bisherige Bank verlassen.

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Außerdem fürchten Wechselwillige oft den Papierkrieg, den ein Kontowechsel bedeuten kann. Wenn jede Lastschrift, jeder Dauerauftrag einzeln geändert werden muss, ist das nicht nur viel Arbeit, sondern kann auch teuer werden. Für jede vergessene Lastschrift, die zurückgeht, drohen Gebühren.

Inzwischen helfen viele Banken ihren Neukunden aber, den Kontowechsel einfach über die Bühne zu bringen. "Bei manchen schickt man die Kontoauszüge der vergangenen 13 Monate ein, die neue Bank flöht sie dann und stellt alles um", sagt Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Ob die Wunschbank diesen Service anbietet, sollte man vorher klären.

Denn noch ist das ein freiwilliges Angebot einzelner Geldinstitute. Aber nicht mehr lange: Nach Umsetzung der EU-Zahlungskontenrichtlinie ab dem 18. September müssen Banken einen vollständigen Kontowechsel innerhalb von fünf Tagen ermöglichen, ein einziges Formular soll jeden Wechsel zwischen Banken ermöglichen.

Spätestens dann können sich Kunden genau überlegen, wie viel ihnen die persönliche Beratung noch wert ist.

Zusammengefasst: Viele Banken versuchen, die Negativzinsen der EZB über Kontogebühren an ihre Kunden weiterzugeben. Kunden können sich aber wehren. Wer auf von Hand ausgefüllte Überweisungsträger und Beratungsgespräche verzichten kann, ist mit einer Direktbank womöglich besser dran. Außerdem ist der Wechsel deutlich einfacher geworden.

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