Gold, Immobilien, Staatsanleihen Welche Investments in der Krise sicher sind

Die Euro-Krise lässt Politiker und Finanzexperten auf der ganzen Welt zittern. Auch Privatanlegern drohen dramatische Folgen, wenn Staaten pleitegehen, Banken wanken oder die Inflationsrate steigt. Eine Übersicht zeigt, wie Anleger ihr Geld dennoch sicher durch die Turbulenzen bringen.

Hamburg - Die Deutschen haben viel zu verlieren. Auf Bankkonten, in Aktiendepots, bei Versicherungen und unter Kopfkissen haben sie laut Bundesbank fast fünf Billionen Euro Geldvermögen gebunkert. Pro Bundesbürger sind das durchschnittlich rund 60.000 Euro. Wegen der ungleichen Verteilung haben einige Bürger sehr viel mehr, und viele andere deutlich weniger Geld - doch keiner will etwas davon verlieren. Genau das droht aber nun durch die Zuspitzung der Euro-Krise.

Egal, wie es weitergeht, auf Anleger dürften in jedem Fall schwere Zeiten zukommen: Bricht die Euro-Zone im schlimmsten Fall auseinander, drohen Staatspleiten in Südeuropa und heftige Verwerfungen auf den Finanzmärkten wie in der Realwirtschaft. Rettet die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen, wie von vielen Politikern gefordert, die gemeinsame Währung durch unbegrenzte Aufkäufe von Staatsanleihen, müssen sich die Bürger auf steigende Inflationsraten einstellen.

Experten halten es auch für möglich, dass beide Szenarien zusammenfallen. "Die Euro-Zone wird in fünf Jahren voraussichtlich nicht mehr so aussehen wie heute", sagt Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Deutschlands zweitgrößtem unabhängigen Vermögensverwalter Flossbach & von Storch. Staaten wie Griechenland oder Portugal würden wahrscheinlich freiwillig aus der Währungsunion ausscheiden, auch ein Abgang Italiens und Spaniens sei nicht unmöglich. Aber nur in kleineren Ländern bestehe die Gefahr einer Umschuldung, meint Vorndran.

Schon das allein könnte heftige ökonomische Turbulenzen zur Folge haben. Doch damit nicht genug: Vorndran und seine Kollegen rechnen zusätzlich mit steigenden Inflationsraten. "Wir sind davon überzeugt, dass alle Volkswirtschaften gezwungen sein werden, ihre Schuldenprobleme über die weitere Ausweitung der Geldbasis und künstlich tiefen Zinsen zu lösen", sagt der Anlageexperte. "Ein konzertiertes Sparen aller Schuldensünder hätte eine Depression wie in den dreißiger Jahren zu Folge, und das ist politisch nicht gewünscht."

"Für die kommenden zehn Jahre erwartet Vorndran Inflationsraten von durchschnittlich fünf bis sechs Prozent. "Damit werden die klassischen Lieblingsanlagen der Deutschen wie Festgeld, Sparbuch oder Anleihen zum Verlustgeschäft", sagt der Experte. Die mickrigen Zinsen würden von den Inflationsraten aufgefressen. Deshalb müssten sich die Anleger umstellen: Statt den nominalen Wert ihres Geldes zu vermehren, sollten sie künftig darauf bedacht sein, ihre Kaufkraft zu erhalten.

Einige Anleger sind bereits auf der Flucht in vermeintlich sichere Investments. In Deutschland boomt der Immobilienmarkt. Vor allem in den Großstädten steigen die Preise für Eigentumswohnungen und Häuser deutlich an. In Metropolen wie Hamburg oder München ist der Markt schon fast leergefegt. Was noch zu haben ist, ist entweder sehr teuer oder hat Macken.

Auch Gold steht bei vielen Anlegern hoch im Kurs. Der Preis für eine 31 Gramm schwere Feinunze ist seit Jahresbeginn von etwa 1400 auf mehr als 1700 Dollar gestiegen. Händler berichten von einem regelrechten Ansturm auf das Edelmetall.

Doch nicht alle sind überzeugt, ob das die richtige Reaktion ist: "Ich halte die Flucht in die Sachwerte für keine geeignete Lösung", sagt Andreas Beck, Chef des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) in München. Die Risiken von Immobilien, Edelmetallen oder auch Aktien würden derzeit von vielen Anlegern und ihren Bankberatern unterschätzt.

Wie krisenfest sind die vermeintlich sicheren Anlagen wirklich? Welche Chancen und Risiken bergen die unterschiedlichen Anlageklassen? Und welche Alternativen gibt es? SPIEGEL ONLINE erklärt, wie Sie Ihr Geld am besten durch die Euro-Krise bringen.

Die Tücken des Immobilienbooms

Altbauten in Düsseldorf: Handfeste Anlage

Altbauten in Düsseldorf: Handfeste Anlage

Foto: Horst Ossinger/ picture-alliance/ dpa

Ein Häuschen auf dem Land oder eine Eigentumswohnung in der Stadt: Mit einer Immobilie hat man eine handfeste Anlage, die in der Regel nie ganz wertlos wird - auch wenn die Wirtschaft einbricht oder die Währung kippt. Man kann sie sehen, man kann sie anfassen und sogar darin wohnen - auch deshalb sind Immobilien für viele Bürger derzeit so attraktiv. Zudem erleichtern die niedrigen Kreditzinsen die Finanzierung.

Doch die Sache hat gleich mehrere Haken:

  • In einigen Boomregionen haben in den vergangenen Monaten bereits so viele Menschen Immobilien gekauft, dass das Angebot knapp geworden ist und die Preise enorm gestiegen sind. Das erhöht das Risiko für all jene, die jetzt noch kommen, am Ende zu teuer zu kaufen.
  • Mittelfristig spricht die demografische Entwicklung in Deutschland gegen Immobilienkäufe. Die Bevölkerung schrumpft, die Zahl der Wohnungen und Häuser wächst aber. Auf Dauer muss das rein logisch zu Leerstand und sinkenden Preisen führen. In vielen ländlichen Regionen lässt sich dieses Phänomen schon heute beobachten.
  • Wie der Name schon sagt, sind Immobilien unbeweglich: Sie können nicht mal eben schnell verkauft werden, wenn es die Situation erfordert. Das macht sie zum Ziel für Begehrlichkeiten des Staates, besonders in der Krise. "In Griechenland sieht man bereits, dass Immobilienbesitzer bei der Sanierung der Staatsfinanzen besonders stark zur Kasse gebeten werden", sagt Vermögensverwalter Philipp Vorndran. Dieses Phänomen sei historisch betrachtet in den meisten Schulden- und Währungskrisen zu beobachten - im Übrigen auch in den vergangen hundert Jahren in Deutschland

Trotz all dieser Einwände können Immobilien eine sinnvolle Krisenanlage sein - wenn sie am richtigen Standort stehen und die Preise noch nicht in absurde Dimensionen gestiegen sind. "In einigen ostdeutschen Städten und westdeutschen 1-B-Lagen gibt es zum Beispiel noch attraktive Kaufmöglichkeiten", sagt Vorndran. Auch Berlin sei noch nicht komplett überteuert.

Gold nur als Krisenversicherung

Goldbarren als Krisenversicherung: Der Wert kann auch fallen

Goldbarren als Krisenversicherung: Der Wert kann auch fallen

Foto: DPA

Am Gold   scheiden sich die Experten-Geister. Die einen sehen es als immer gültige Ersatzwährung für den Krisenfall, die anderen, wie Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau, sprechen von "einer riesengroßen Spekulationsblase".

Recht haben wahrscheinlich beide Lager ein bisschen: Die Geschichte hat gezeigt, dass Gold alle anderen Währungen überlebt hat. Goldmünzen oder Goldbarren sind nie wertlos geworden und könnten in einer extremen Krise, zum Beispiel bei einer Währungsreform, als Notreserve dienen. So denken offenbar auch viele Experten bei den Notenbanken. Sie haben zuletzt ihre Goldbestände deutlich aufgestockt.

Das heißt allerdings nicht, dass Gold automatisch eine gute und risikofreie Anlage ist. Im Gegenteil: Man kann mit Gold auch sehr viel Geld verlieren, gerade weil der Preis zuletzt so stark gestiegen ist. Ein ähnliches Hoch wie in diesem Jahr hatte es zuletzt 1980 gegeben - kurz darauf war der Preis des Edelmetalls dramatisch eingebrochen. So etwas kann immer wieder passieren.

Wer trotzdem Gold horten und sich damit gegen Krisen versichern will, sollte das Edelmetall nach Ansicht von Experten am Besten physisch kaufen, das heißt in Form von Barren oder Münzen. Es gibt zwar auch zahlreiche Goldzertifikate, die den Preis nachbilden, doch nicht immer sind diese Papiere tatsächlich mit Gold gedeckt.

Außerdem besteht ein weiteres Risiko: Geht die Bank, die das Goldzertifikat anbietet, pleite, droht dem Anleger ein Totalverlust seines Einsatzes. Kapitalmarktexperte Vorndran drückt es so aus: "Wenn ich wirklich Gold als letzte Währung brauche, sind die meisten Zertifikate wahrscheinlich ausfallgefährdet." Vor allem Papiere, die von Banken herausgegeben werden, sollte man seiner Meinung nach deshalb meiden. "Wer nicht in physisches Gold investieren will oder kann, für den sind der Gold-Indexfonds der Zürcher Kantonalbank (ZKB) oder das Xetra-Gold der Deutschen Börse mögliche Alternativen."

Staatsanleihen ohne Euro-Probleme

Euro-Symbol vor der EZB: Teilweise immer noch sicherer Hafen

Euro-Symbol vor der EZB: Teilweise immer noch sicherer Hafen

Foto: dapd

Es mag angesichts der Schuldenkrise seltsam klingen, aber bei kaum einer Anlage sind sich die Experten so einig wie bei Staatsanleihen. Sie können risikoscheuen Investoren noch immer als sicherer Hafen dienen - wenn sie aus dem richtigen Land kommen.

Um den Turbulenzen der Euro-Zone zu entgehen, empfiehlt Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau zum Beispiel Anleihen aus Norwegen, Australien oder Kanada. Diese Länder haben derzeit zwei Vorteile: Ihre Anleihen laufen weder auf Euro   noch auf US-Dollar - und sie haben deutlich geringere Schuldenprobleme als die meisten Euro-Staaten und die USA. Reich wird man damit zwar kaum: Die Renditen sind eher gering. Allerdings können Anleger darauf hoffen, dass sich der Wechselkurs der jeweiligen Landeswährung zum Euro verbessert.

Auch Vermögensverwalter Philipp Vorndran empfiehlt Fremdwährungsanleihen als Absicherung gegen die Krise. "Allerdings muss klar sein, dass die Länder die Anleihen zurückzahlen können und wollen." Russische oder chinesische Staatspapiere etwa seien in dieser Hinsicht nicht geeignet. "Das politische Risiko, dass der Rückzahlungswille fehlt, ist in solchen Ländern zu groß." Vorndran zählt neben Norwegen, Australien und Kanada auch Staatsanleihen aus Neuseeland, Chile, Schweden, Singapur oder Hongkong zu attraktiven und vergleichsweise sicheren Investitionen.

Wichtig sei jedoch, nicht alles Geld auf ein oder zwei Länder zu setzen, sondern das Risiko zu streuen. Bei Privatanlegern mit kleinem Vermögen dürfte das allerdings schwer sein. Sie müssen im Zweifelsfall auf Rentenfonds ausweichen, die in Anleihen mehrerer Länder investieren.

In einem bestimmten Szenario könnten auch italienische oder spanische Anleihen ein ungeahntes Comeback erleben: Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) doch noch dem Drängen der Politik nachgibt und als großer Retter in der Not eingreift. "Wenn die Europäische Zentralbank einen künstlichen Markt schafft und damit die Refinanzierungsprobleme der Staaten löst, sind inflationsindexierte italienische Staatspapiere ein prima Geschäft", sagt Experte Beck. "Sie bieten hohe Zinsen und sichern gleichzeitig gegen eine drohende Inflation." Er rät deshalb, solche europäischen Hochzinsanleihen mit Papieren aus Währungsräumen ohne Schuldenprobleme zu kombinieren.

Wer mutig ist, setzt auf Aktien

Chart an der Deutschen Börse: Aktien sind nicht risikoärmer geworden

Chart an der Deutschen Börse: Aktien sind nicht risikoärmer geworden

Foto: Boris Roessler/ dpa

Aktien sind mehr als ein Stück Papier. Sie sind Unternehmensbeteiligungen und zählen damit auch zu den sogenannten Sachwerten, die viele Experten derzeit empfehlen. Allerdings haben Aktien für Anleger einen Haken: Ihr Kurs schwankt deutlich stärker als der anderer Wertpapiere - und sie können sich einem allgemeinen Abwärtstrend der Wirtschaft nur selten entziehen.

Das heißt im Klartext: Wenn die Weltwirtschaft in die Rezession zurückfällt, werden wahrscheinlich auch die großen Aktienindizes sinken. "Aktien sind nicht risikoärmer geworden, nur weil Staaten hochverschuldet sind", sagt Anlageexperte Andreas Beck.

Wer auf lange Sicht anlegt und richtig auswählt, kann mit Aktien trotzdem richtig liegen, meint Anlagestratege Philipp Vorndran. Er setzt vor allem auf große, international ausgerichtete Konzerne wie Nestlé   , Pepsi   oder auch Bayer   . "Wichtig ist, dass die Unternehmen eine solide Bilanz haben und ordentliche Dividenden zahlen - und zwar aus ihren ordentlichen Gewinnen, nicht aus ihrer Substanz."

Vorndran rechnet vor, dass man mit einem gut diversifizierten Portfolio von Qualitätsaktien alleine durch die Dividenden auf jährliche Renditen von knapp 4,5 Prozent kommen kann - deutlich mehr als etwa bei zehnjährigen Bundesanleihen, die derzeit nur rund 2,2 Prozent pro Jahr abwerfen und damit nicht einmal die Wertverluste durch Inflation ausgleichen. "Selbst wenn der Aktienkurs leicht sinkt, steht man mit guten Aktien und einem Zeithorizont von mindestens fünf Jahren also noch immer besser da", sagt Vorndran. "Aus meiner Sicht muss ein Anleger, der seine Kaufkraft sichern will, dieses Risiko eingehen."

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