Hermann-Josef Tenhagen

Steigende Preise Was Gold als Geldanlage taugt

Der Goldpreis ist zuletzt deutlich gestiegen. Angesichts der zahlreichen Krisenherde in der Welt decken sich Anleger und Spekulanten vermehrt mit dem Edelmetall ein. Doch wie sinnvoll ist das wirklich?
Goldbarren

Goldbarren

Foto: Sven Hoppe/ picture alliance / dpa

Der Ring an meinem Finger ist golden - und er ist mir teuer. Mein Zahnarzt hat mir empfohlen, meine goldene Zahnfüllung aufzuheben, nachdem sie herausgefallen war. Ist ja schließlich was wert. Doch eine richtige Geldanlage ist beides natürlich nicht. Auch nicht, wenn der Goldpreis dieser Tage mal wieder steigt, in den entsprechenden Anzeigen wieder Krisenszenarien beschworen werden und die sogenannten Prepper ihre Keller vor dem Brexit und der Europawahl mit Konserven füllen.

Gold ist und bleibt keine wirklich gute Geldanlage. Meine Kolleginnen bei "Finanztip" haben im vergangenen Jahr ausgerechnet , dass Gold historisch gesehen nur halb so viel Rendite gebracht hat wie Aktien. Dabei hat der Goldpreis sogar noch stärker geschwankt als der von Aktien, er war also noch volatiler, wie es im Fachjargon heißt.

Ablesen lässt sich das auch in den beiden wichtigsten Beobachtungen zur Anlage in Gold in den vergangenen 50 Jahren:

Die erste Geschichte beginnt mitten in der Iran-Krise der Jahre 1979 und 1980. Die Welt ist unruhig, der Ölpreis drastisch gestiegen, die Inflation auch, vor allem in den USA. Schließlich nehmen die iranischen Revolutionsgarden das Botschaftspersonal der US-Vertretung in Teheran als Geiseln. Der Goldpreis klettert und klettert weiter - von 500 Dollar pro Feinunze zu Beginn des Jahres 1979 auf schließlich 850 Dollar Anfang 1980.

Und dann platzt die Blase. Nachdem Börsenbetreiber und staatliche Akteure diesseits und jenseits des Atlantiks das Spekulieren mit nicht vorhandenem Gold und Silber erschweren, rauscht der Kurs nach unten.

Details finden sich im Standardwerk "Gold" von Rae Weston. Am 21. Januar 1980 setzte zum Beispiel die Bundesregierung Obergrenzen für Reserven, die Banken in Gold halten durften. Der damalige Chef der US-Notenbank, Paul Volcker, erklärte später: "Gold und die Spekulanten, das waren meine Gegner." 

Wer eine Feinunze 1980 zu den hohen Preisen gekauft hatte, musste bis zum Januar 2008 (also bis zum Beginn der großen Finanzkrise) warten, um nominal den Preis von 1980 wieder zu erzielen.

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Micha Kirsten / Finanztip

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »Tageszeitung«. Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Anschließend stieg der Preis tatsächlich erneut - bis 2011, dem Höhepunkt der Eurokrise. Wieder waren politische und wirtschaftliche Turbulenzen der Ausgangspunkt. Erst die globale Finanzkrise und dann die Eurokrise mit der besonders schwierigen Lage in Griechenland. Und wieder griffen staatliche Stellen ein und erschwerten den Handel mit Goldpapieren deutlich. Die Sicherheiten, die Spekulanten auf den Tisch legen mussten, um sogenannte Gold Futures zu kaufen, stiegen im August und September 2011 innerhalb eines Monats glatt um die Hälfte. Das Spekulieren wurde viel teurer. Und die Kurse brachen ein. Die Erklärung des Chefs der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, tat Monate später das Übrige. Draghi sagte 2012, man werde alles tun, was nötig sei, um den Euro zu erhalten - und nahm damit den Spekulanten den Wind aus den Segeln.

Wer 2011 für bis zu 1900 Dollar pro Feinunze Gold gekauft hat, der wartet seither auf eine Rendite. Immer noch liegt der Preis rund ein Drittel unter den Höchstpreisen von 2011 - und er hat sich in den vergangenen zwei Jahren immer wieder ein bisschen rauf und ein bisschen runter bewegt, aber in Summe eher seitwärts.

Nur wer rund um den Anfang dieses Jahrtausends Gold gekauft hat, für den ist Gold immer noch ein gutes Investment, langfristig schlechter als Aktien, aber immerhin.

Rendite und Schwankungen des MSCI World versus Gold

MSCI World¹Gold²
Zeitraum Rendite Schwankung³ Rendite Schwankung
1980 - 1990 18,8% 15,4% -1,2% 21,8%
1990 - 2000 12,6% 16% -2,6% 12,3%
2000 - 2017 1,8% 14,9% 7,7% 12,7%
1975 - 2017 8,4% 15,1% 3,8% 15,9%
Quelle: "Finanztip"-Berechnung
¹Die Werteentwicklung wurde auf den MSCI World Nettoindex berechnet, der die Dividenden nach Abzug von Steuern und Kosten verrechnet, und die Indexwerte wurden in Euro umgerechnet.
²Der Goldpreis wurde in Euro umgerechnet.
³Schwankung bezeichnet die durchschnittliche Standardabweichung der monatlichen Rendite (annualisiert).

Vom Höhepunkt des Internetbörsenhype im Jahr 2000 über das Platzen der Dotcom-Blase 2001 und die Finanzkrise 2007-2009 hatten Aktionäre, die auf den Weltaktienindex MSCI World gesetzt hatten, bis 2017 nur eine Rendite von 1,7 Prozent im Jahr, beim Gold waren es glatt 7,7 Prozent. Über den ganzen Zeitraum von 1975 bis 2017 lag die jährliche Rendite beim Gold hingegen bei 3,8 Prozent und für das MSCI Aktiendepot doppelt so hoch, bei 8,4 Prozent im Jahr.

Und jetzt sagen Sie trotzdem: Ich will lieber Barren als Aktien. Ich fühle mich einfach sicherer damit und ich pfeif' auf die Warnungen vor Kursschwankungen, Spekulanten und staatlichen Eingriffen. Was dann?

Meine Antwort: Dann machen Sie es wenigstens handwerklich richtig.

  • Gold hat in der Vergangenheit zumindest dazu getaugt, in den Monaten der harten Finanzkrisen weniger Geld zu verlieren. Legen Sie einen Teil Ihres freien Vermögens in Gold an, können Sie damit die Schwankungen des Gesamtvermögens mildern, auf Kosten der Langfrist-Rendite. Für die Steuern gilt die Regel: Nach einem Jahr Haltedauer müssen Sie mögliche Gewinne nicht mehr versteuern.
  • Kaufen Sie, wenn es physisches Gold sein soll, am besten Barren und bekannte Münzen. Gerade bei den Münzen sollten Sie lieber größere Münzen nehmen , bei den kleinen sind die Kaufkosten ziemlich hoch. Mehr als zehn Prozent für eine Zehntel-Unze sind üblich, bei einer ganzen Unze sind es nur noch 3,5 Prozent.
  • Nutzen Sie Onlineplattformen, um gute und seriöse Edelmetall- oder Münzhändler herauszufinden. Die Preisunterschiede können erheblich sein.
  • Legen Sie sich einen kleinen Safe oder ein Schließfach zu. Ein Kilobarren Gold ist kaum größer als ein Handy, aber mehr als 30.000 Euro wert.
  • Aktualisieren Sie Ihre Hausratversicherung. Gute Hausratversicherungen versichern Barren und Münzen sogar im Safe der Bank.
  • Wenn Sie Gold verkaufen wollen, ist das mit bekannten Münzen und Barren einfacher. Schmuckgold oder unbekannte Münzen sollten Sie vom Profi schätzen lassen und nicht einfach online verkaufen .
  • Gold taugt nur sehr begrenzt als Krisenwährung. Für ein paar Monate Unruhe an den Finanzmärkten ist es okay. Aber dann? Gold können Sie zwar mitnehmen, aber nicht essen. Auch unterwegs müssen Sie Ihren wertvollen Besitz sicher aufbewahren und sind so auf funktionierende staatliche Strukturen angewiesen. Der Schrebergarten mit seinen Kartoffeln, Erdbeeren und Äpfeln bleibt in der großen Krise deshalb meist die bessere Antwort.

Was folgt daraus: Als letzter Satz hier bietet sich der erste Satz an, den meine Kollegin in ihrem Standardratgeber zum Thema Gold schreibt: "Gold wird sehr wahrscheinlich nie wertlos: Wer Angst vor einem Währungscrash hat, kann über den Kauf von Gold nachdenken." Nachdenken. Eben.

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