"Wir haben es satt!" Tausende demonstrieren gegen Agrarindustrie

Tausende Menschen haben zur Grünen Woche gegen industrielle Lebensmittelproduktion, Massentierhaltung und Agrarindustrie demonstriert. Zeitgleich trafen sich Bauern zu einer Gegenkundgebung - in beiden Fällen kamen weniger Teilnehmer als gedacht.
"Wir-haben-es-satt"-Teilnehmer: "Mein Schwanz bleibt ganz"

"Wir-haben-es-satt"-Teilnehmer: "Mein Schwanz bleibt ganz"

Foto: TOBIAS SCHWARZ/ AFP

Am Rande der Internationalen Grünen Woche haben in Berlin erneut Tausende Menschen gegen die industirelle Landwirtschaft demonstriert. Unter dem Motto "Wir haben es satt" zogen Polizeiangaben zufolge zunächst 5000 Teilnehmer vom Potsdamer Platz zum Bundeskanzleramt. Später erhöhte sich die Zahl der Demonstranten laut Polizei auf bis zu 13.500, die Veranstalter zählten 23.000 Teilnehmer.

Die Teilnehmer waren teilweise als Nutztiere verkleidet, Imker und Bauern erschienen in Arbeitskluft. Die bunten Plakate richteten sich unter anderem gegen Gentechnik in Lebensmitteln, gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, Massentierhaltung und die Freihandelsabkommen TTIP und Ceta. Mit Sprüchen wie "Mein Schnabel bleibt meine Gabel" und "Mein Schwanz bleibt ganz" sprachen sich die Teilnehmer gegen die Haltungsmethoden großer Fleischbetriebe aus.

Angeführt wurde der Protest von 109 Traktoren, die für eine Zwischenkundgebung am Landwirtschaftsministerium Station machten. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) sagte, intensive Landwirtschaft bleibe unverzichtbar.

Die Demonstranten kritisierten diese Haltung. "Wir machen uns für eine ökologische Landwirtschaft stark, die Agrarindustrie haben wir satt", sagte der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Georg Janßen. "Die aktuelle Agrarpolitik zielt nur auf eine Steigerung der Exporte, dadurch sinken die Preise." Das bedrohe die Existenz vieler Bauern.

Mit 109 Schleppern kamen so viele Trecker wie nie zur Demo nach Berlin

Mit 109 Schleppern kamen so viele Trecker wie nie zur Demo nach Berlin

Foto: TOBIAS SCHWARZ/ AFP

Schmidt entgegnete, man müsse bei aller Kritik die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung im Blick behalten. Wer diesen Punkt ausblende, betreibe Realitätsverweigerung, sagte er mit Blick auf die Demonstration gegen Massentierhaltung und Umweltschäden. Dies heiße ja nicht, dass ökologische Aspekte missachtet werden müssten.

Dem Protest schlossen sich neben Landwirten Vertreter zahlreicher Verbände, Umwelt- und Tierschutzorganisationen an - darunter unter anderem die Jugendgruppe des BUND, die globalisierungskritische Gruppe Attac sowie der Nabu. Sie wandten sich auch gegen das geplante EU-Freihandelsabkommen TTIP mit den USA, bei dem Kritiker eine Absenkung der Lebensmittelstandards befürchten.

Am Vormittag hatten rund 500 Gegendemonstranten am Washingtonplatz eine Kundgebung gehalten, wie eine Polizeisprecherin sagte. Gemäß dem Motto "Wir machen Euch satt" wehrten sie sich gegen die Kritik von Tierschutzverbänden und Naturschutzorganisationen. "Wir wollen zu einem sachlichen Dialog zurückkehren", sagte Bauer Klaus-Peter Lucht. "Wir haben in Deutschland immer noch eine bäuerliche Landwirtschaft, die angeprangerten Agrarfabriken gibt es nicht."

Schmidt verwies darauf, dass er Vertreter der Demonstranten und der parallelen Kundgebung der Landwirte an einem Tisch zusammengebracht habe. Die Bereitschaft sei deutlich geworden, miteinander zu reden.

Zu beiden Demos kamen deutlich weniger Teilnehmer als angekündigt. Die Organisatoren von "Wir machen Euch satt" hatten mit 1500 Demonstranten gerechnet, zum Protestzug durch die Berliner Innenstadt waren sogar 20.000 Menschen angemeldet.

nck/dpa/AFP