Grüne Woche Zehntausende demonstrieren gegen die Agrarindustrie

Zehntausende Menschen protestieren in Berlin friedlich für einen besseren Tier- und Klimaschutz in der Landwirtschaft. Unter dem Motto "Wir haben Agrarindustrie satt" forderten die Teilnehmer am Rande der Grünen Woche von der Bundesregierung eine agrarpolitische Wende.
Demonstranten am Potsdamer Platz in Berlin: "Wir haben Agrarindustrie satt!"

Demonstranten am Potsdamer Platz in Berlin: "Wir haben Agrarindustrie satt!"

Foto: Daniel Naupold/ dpa

Berlin - Mehrere zehntausend Menschen sind in Berlin für einen besseren Tier- und Klimaschutz in der Landwirtschaft auf die Straße gegangen. Zu der Demonstration unter dem Motto "Wir haben Agrarindustrie satt" hatte ein breites Bündnis aus Tierschützern, Verbraucher-, Umwelt- und Bauernorganisationen aufgerufen. Am Rande der Grünen Woche forderten die Teilnehmer von der Bundesregierung eine Wende in der Agrarpolitik.

Nach Informationen des Veranstalters hatten bis zum frühen Nachmittag etwa 30.000 Menschen an dem Protestzug teilgenommen. Rund 70 Traktoren seien dem Protestzug vorweggefahren, hieß es. Einige Landwirte seien mit ihren Treckern aus ganz Deutschland bis zu 50 Stunden lang angereist.

Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) begrüßte, dass sich Demonstranten an der politischen Debatte beteiligten. "Alle Argumente, die dort vorgetragen werden, spielen auch in unserer Diskussion eine Rolle und haben ihre Berechtigung", sagte er. Es sei gut, dass die Demonstranten ihre Meinung sagten, "weil es zeigt, dass viele Menschen sich Gedanken machen um die Welternährung". Gute Landwirtschaft mit nachhaltiger Produktion und hoher Qualität wollten alle erreichen. Über den Weg dorthin gebe es allerdings verschiedene Ansichten.

Grünen-Chefin Simone Peter nannte die Demonstration in einer Mitteilung "ein deutliches Stoppschild gegen Massentierhaltung in Megamastanlagen, Gentechnik auf dem Teller und Pestizide im Essen". Der Ökolandbau zeige, dass es auch anders gehe. Der Biobranche dürften keine Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, weil der neue Agrarminister vor allem auf industrielle Massenproduktion setze.

Die Veranstalter kritisierten besonders das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. "Hinter verschlossenen Türen verhandelt die EU-Kommission über ein Freihandelsabkommen, das Bauern und Verbrauchern gleichermaßen schadet", sagte einer der Veranstalter, Jochen Fritz.

Auf dem Berliner Messegelände kletterten einige Protestierende auf den Funkturm, um für mehr Tierschutz in der Landwirtschaft zu demonstrieren. Sie entrollten ein Transparent mit der Aufschrift "Bloß nicht genau hinsehen". Die Polizei sperrte die Umgebung ab.

Auf Transparenten der Teilnehmer der offiziellen Demonstration in Berlin-Mitte hieß es unter anderem "Kein Gen-Food" oder "Gegen Wachstumswahn". Der Protestzug hatte am Vormittag am Potsdamer Platz begonnen, die Demonstranten liefen und fuhren anschließend zum Kanzleramt. Nach Angaben der Polizei verlief die Kundgebung friedlich. Autofahrer mussten sich auf Staus und Umleitungen einstellen.

nck/dpa
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