Grundsteuer-Ranking Diese Städte kassieren bei Immobilien besonders ab

Die Grundsteuer belastet Hausbesitzer ebenso wie Mieter. Über die Höhe bestimmen Kommunen selbst, was erhebliche Unterschiede zur Folge hat. Eine neue Studie zeigt die günstigsten Städte – und die teuersten.
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Gerade einmal 90 Kilometer Luftlinie liegen zwischen dem Spitzenreiter und dem Schlusslicht des Grundsteuer-Rankings, das vom arbeitgeberfinanzierten Institut der Wirtschaft (IW Köln) im Auftrag des Grundstückeigentümerverbands Haus & Grund erstellt wurde. Während Witten im Ruhrgebiet seine Bürger kräftiger als alle anderen Kommunen zur Kasse bittet und für ein Standard-Einfamilienhaus 771 Euro Grundsteuer verlangt, wird im ostwestfälischen Gütersloh mit 323 Euro noch nicht mal die Hälfte davon fällig. Das IW ermittelte die Höhe der Grundsteuer für ein durchschnittliches Einfamilienhaus in den 100 bevölkerungsreichsten deutschen Städten.

Die Grundsteuer ist nach der Gewerbesteuer die wichtigste Einnahmequelle der Städte und Gemeinden. Sie ist zudem ein etwas eigentümliches Gewächs in der üppigen deutschen Steuerlandschaft. Zur Berechnung wird zunächst eine Vorgabe des Bundes herangezogen. Weil der hierbei genutzte »Einheitswert« uralt ist, gab es einen Rüffel der Rechtsprechung. Das Bundesverfassungsgericht erklärte die Grundsteuer 2018 für verfassungswidrig und forderte eine Novelle, die der Gesetzgeber nach zähem Ringen auf den Weg brachte.

Bei der Steuererhebung haben die Kommunen über sogenannte Hebesätze eigenen Spielraum. Diesen Spielraum nutzen manche Städte aus, um Geld in die klammen Kassen zu bekommen. Andere Kommunen lassen den Hebesatz hingegen niedrig und hoffen darauf, dass die Stadt dadurch an Attraktivität gewinnt. Es geht in der Studie um die sogenannte Grundsteuer B für Immobilien (die weniger bekannte Grundsteuer A bezieht sich auf landwirtschaftliche Flächen).

Das Standardhaus, für das die Studienwerte angeführt werden, hat 125 Quadratmeter Wohnfläche und ein 500 Quadratmeter großes Grundstück. Eine zentrale Erkenntnis der Studienautoren: Die Lage ist sehr unterschiedlich – und mancherorts nur schwer zu verstehen. Düsseldorf – eigentlich bekannt als teures Pflaster für Immobilien – zum Beispiel steht mit 373 Euro gut da, Platz 12 im Ranking. Solingen hingegen, das nur einen Katzensprung von der NRW-Landeshauptstadt entfernt ist, verlangt 585 Euro und damit 212 Euro mehr. In der Liste kommt die Stadt auf Platz 86.

Auch bei anderen Städten, die nicht weit voneinander entfernt liegen und viele Pendler haben, fanden sich große Unterschiede. In Bonn sind es 576 Euro im Jahr, in Köln 436 Euro. In Offenbach sind es 758 Euro und in Frankfurt am Main 424 Euro. In Berlin sind es 686 Euro, in Potsdam 462 Euro (die vollständige Liste finden Sie hier ).

Auffällig ist zudem, dass eine Reihe großer Städte aus Nordrhein-Westfalen aus Sicht von Immobilienbesitzern schlecht abschneidet. In dem Ranking waren 16 NRW-Städte – vor allem aus dem Ruhrgebiet – unter den 20 Kommunen mit der höchsten Grundsteuer. Auch Mülheim an der Ruhr (754 Euro), Duisburg (724 Euro) und Marl (669 Euro) sind verhältnismäßig teuer. Der Grund: Vor allem durch den Strukturwandel im Rhein-Ruhr-Gebiet haben die Städte hohe Schulden. Mit Steuern wollen sie die klammen Kassen zu füllen.

Zwölf Städte hoben Grundsteuer an

Im Vergleich zu einer früheren Studie von 2018 haben zwölf Städte ihre Grundsteuer angehoben. In Offenbach stieg die durchschnittliche Grundsteuer um die Hälfte (49 Prozent) auf 758 Euro, in Mülheim um 38 Prozent (auf 754 Euro), in Gelsenkirchen um 24 Prozent (auf 572 Euro) und in Salzgitter (Niedersachsen) um 25 Prozent (auf 458 Euro).

Die Entwicklung war aber nicht durchgängig hin zu höheren Steuern. Immerhin drei Städte haben die Grundsteuer gesenkt: Erlangen (Bayern), Remscheid und Leverkusen (beide NRW).

beb/dpa