Deutsche Bahn Gut 146.000 Zugverspätungen wegen Weichen- und Signalstörungen

Die Stellwerke der Deutschen Bahn stammen teils aus der Kaiserzeit – und sind entsprechend störanfällig. 2020 waren zahlreiche Züge deshalb unpünktlich. Die Digitalisierung soll das Problem nun lösen.
Anzeigetafel am Berliner Hauptbahnhof

Anzeigetafel am Berliner Hauptbahnhof

Foto: Sebastian Kahnert/ dpa

Wer kennt sie nicht, die Hinweise auf der Anzeigetafel am Bahnhof, dass der Zug, auf den man wartet, mal wieder verspätet ist. Jetzt, da der Winter naht und Zugreisende teils in der Kälte ausharren müssen, dürften viele solche Verzögerungen als besonders unangenehm empfinden.

Oder auch als besonders ärgerlich, wenn man die Hintergründe vieler Verspätungen betrachtet.

Eine wichtige Ursache für Verzögerungen im Bahnbetrieb sind Störungen in den sogenannten Stellwerken. Jenen mehr als 2500 Anlagen also, die unter anderem Weichen verstellen und Lokführern signalisieren, ob und wie schnell sie gerade fahren dürfen.

Stellwerkstörungen haben im laufenden Jahr bisher rund 146.000 Zugverspätungen ausgelöst, wie aus Antworten des Bundesverkehrsministeriums auf Anfragen der Grünen-Abgeordneten Annalena Baerbock und Oliver Krischer hervorgeht. Im Vorjahr waren es demnach rund 248.000 Verspätungen, 2018 sogar etwa 277.000.

Insgesamt seien in den vergangenen drei Jahren zwischen ein und zwei Prozent aller Züge der Deutschen Bahn wegen Stellwerkstörungen verspätet gewesen, heißt es in dem Papier, das dem SPIEGEL vorliegt. Laut Krischer verursachen die Stellwerkstörungen in manchen Jahren bis zu 30 Prozent aller Zugverspätungen. »Das ist im Vergleich zu den Nachbarländern ein deutlich überhöhter Wert«, moniert der Grünen-Fraktionsvize.

Hauptgründe für die Störungen sind laut Verkehrsministerium die zunehmende Auslastung des Schienennetzes sowie Ausfälle aufgrund von andauernden Hitzewellen in den Sommern 2018 und 2019.

Auch Bauteilverschleiß führt das Ministerium als Grund an – was kaum verwundert. Schließlich waren Ende 2019 noch immer 642 der insgesamt 2557 Stellwerke mechanisch  (siehe Foto). Die Anlagen, die per Hand bedient werden, stammen laut MDR  teils aus der Kaiserzeit.

Mechanisches Stellwerk (Archivbild)

Mechanisches Stellwerk (Archivbild)

Foto: Peter Förster, Peter_Förster / dpa

Die Bahn hat die Zahl der Uralt-Stellwerke in den vergangenen Jahren reduziert. Doch das Transformationstempo ist laut Kritikern bislang gemächlich.

Gerade bei der Instandhaltung der Leit- und Sicherungstechnik habe der DB-Konzern in Vergangenheit den Rotstift angesetzt, sagt Matthias Gastel, der bahnpolitische Sprecher der Grünen. Dadurch fehle es nun oft an qualifiziertem Personal, Instandhaltungsarbeiten würden aufgeschoben. »Die Folge sind immer öfter technische Störungen und Ausfälle.«

Die Bahn will nun gegensteuern. Im Rahmen des Programms »Digitale Schiene Deutschland« werde verstärkt in digitale Stellwerktechnik investiert, schreibt das Verkehrsministerium. Das werde die Zuverlässigkeit im Bahnbetrieb deutlich erhöhen.

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