Leere Regale Hamsterkäufe von Zucker alarmieren russische Behörden

Weil die Preise rasant steigen, decken sich viele Russen mit Zucker ein. Jetzt kündigt die Anti-Monopol-Organisation Kontrollen bei Produzenten und Händlern an.
Supermarktregal in Moskau (am 7. März)

Supermarktregal in Moskau (am 7. März)

Foto: Christian Thiele / dpa

Der starke Anstieg der Zuckerpreise nach dem Angriff auf die Ukraine und sich häufende Hamsterkäufe rufen die russische Wettbewerbsbehörde auf den Plan. Diese kündigte Kontrollen bei Produzenten, Einzel- und Zwischenhändlern an. »Die Tatsache, dass in mehreren Regionen kein Zucker in den Regalen zu finden ist, ist auf eine überstürzte Nachfrage zurückzuführen, die von unehrlichen Organisationen angeheizt wird«, teilte die Anti-Monopol-Organisation FAS mit.

Die Zuckerpreise sind in der vergangenen Woche um 12,8 Prozent gestiegen, wie aus Daten des Statistikamtes Rosstat hervorgeht. In den sozialen Medien verbreitete Videoaufnahmen zeigen, wie Rentner sich in Supermärkten gegenseitig anrempeln, um so viele Zuckertüten wie möglich zu ergattern. Für viele Russen ist Zucker ein Grundnahrungsmittel wie Buchweizen und Salz. Durch die westlichen Sanktionen wegen des russischen Einmarschs in die Ukraine haben sich viele Verbraucher beeilt, Vorräte anzulegen oder aufzustocken.

»Meine Schwiegermutter war gestern im Laden, und es gab überhaupt keinen Zucker mehr, und auch in anderen Geschäften konnte sie ihn nicht finden«, sagte Oleg, ein Bauunternehmer in der Stadt Wladimir. »Die Menschen sind besorgt.« Die Behörden sehen dagegen keinen Grund zur Eile, um Lebensmittel zu kaufen.

Der Export ist vorerst verboten

Russland hat den Zuckerexport bis zum 31. August verboten. Zugleich hat die Regierung ein zollfreies Kontingent für die Einfuhr von 300.000 Tonnen Zucker und Rohzucker festgelegt. Damit soll die drohende Lebensmittelinflation gelindert werden. Zudem soll noch in diesem Jahr die Anbaufläche für Zuckerrüben um 1,1 Millionen Hektar erhöht werden, wie das Landwirtschaftsministerium Anfang bekannt gab.

»Wir haben keine Probleme mit Zucker, unsere Produzenten produzieren ihn in ausreichenden Mengen«, sagte der stellvertretende Industrie- und Handelsminister Viktor Ewtuchow. »Angesichts der Entscheidung, die Ausfuhren zu verbieten und freie Importe dieses Produkts zuzulassen, erwarten wir wirklich keine Engpässe bei dieser Ware, die von der Bevölkerung heute sehr stark nachgefragt wird.«

Zwei Schiffe mit einer Ladung von 88.000 Tonnen Rohzucker sind derzeit auf dem Weg von Brasilien zum russischen Schwarzmeerhafen, wie das Beratungsunternehmen Ikar mitteilte. Das russische Einzelhandelsunternehmen Magnit hat inzwischen zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, um die Verpackungskapazitäten für Zucker zu erhöhen und die Auslieferung in seine Geschäfte zu beschleunigen.

dab/Reuters
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