Falls Läden vor Heiligabend schließen Handel warnt vor »Panikkäufen«

Kommt es noch vor Weihnachten zu schärferen Kontaktbeschränkungen? Der Einzelhandel warnt, im Falle überstürzter Ladenschließungen könne es zu chaotischen Szenen kommen.
Einkaufsmeile in Essen

Einkaufsmeile in Essen

Foto: Rupert Oberhäuser / imago images

Ist das Panikmache einer Wirtschaftslobby – oder tatsächlich ein realistisches Szenario? Der Einzelhandel hat vor chaotischen Zuständen gewarnt, sollte es zu einer Corona-bedingten Schließung der Geschäfte bereits vor Weihnachten kommen. »Wir müssen eine allzu kurzfristige Schließung mitten im Weihnachtsgeschäft vermeiden, ansonsten könnte das zu Panikkäufen der Menschen und erhöhtem Kundenaufkommen führen«, sagte der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands HDE, Stefan Genth, der Zeitung »Rheinische Post«. »Wenn es denn sein muss, dann ist auch wichtig, dass frühestens nach dem 24. Dezember zugemacht wird, besser wäre erst ab Januar.«

Der Einzelhandel habe in den vergangenen Monaten mit seinen funktionierenden Hygienekonzepten bewiesen, dass er kein Hotspot sei, betonte Genth. Für eine wirkungsvolle Pandemiebekämpfung brauche es deshalb keine Schließung der Geschäfte. Sollten dennoch Ladenschließungen angeordnet werden, dann müsse dies mit »ausreichend Vorlauf für einen klar definierten Zeitraum erfolgen«.

Bis zu einer Milliarde Verlust – pro Tag?

Bei einer deutschlandweiten Schließung von Läden wäre der wirtschaftliche Schaden enorm, warnte Genth. »Der Nicht-Lebensmittelhandel könnte dabei bis zu eine Milliarde Euro pro Tag verlieren«, sagte er. »Um eine Insolvenzwelle im Einzelhandel und in der Folge sterbende Innenstädte abzufedern, müssen dann die betroffenen Einzelhändler analog zur Gastronomie die entsprechenden Unterstützungsleistungen erhalten.«

Angesichts dieser befürchteten Entwicklung forderten die Verbände der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand die Politik am Mittwoch in einem gemeinsamen Positionspapier auf, sich weiter für die Stabilisierung der Konjunktur einzusetzen. Die bisherigen staatlichen Hilfen leisten demnach einen »wichtigen Beitrag zur Milderung der negativen wirtschaftlichen Auswirkungen« der Pandemie – seien aber für viele kleine und mittelständische Unternehmen »noch nicht ausreichend«.

So habe ein Großteil der Betriebe nach wie vor mit erheblichen Einschränkungen im Geschäftsbetrieb sowie mit Nachfragerückgängen zu kämpfen, erklärte die Arbeitsgemeinschaft. Die betroffenen Firmen benötigten nun zusätzliche Unterstützung.

Die Mittelstandsverbände sprachen sich zudem für »mehr Flexibilität, mehr Mobilität und mehr Innovationen« in allen Bereichen aus. Dagegen lehnten sie ein geplantes Lieferkettengesetz und »zusätzliche Vorgaben« im Arbeitsmarkt ab. Dem von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) forcierten Homeoffice-Gesetz, der Umsetzung des Urteils des Europäischen Gerichtshofs zur Arbeitszeiterfassung oder Einschränkungen bei Job-Befristungen erteilten sie eine Absage. Vielmehr brauche es nun etwa neue Tariföffnungsklauseln im Arbeitszeitgesetz oder die Anhebung der Verdienstgrenze bei den Minijobs.

Der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand gehören unter anderem der HDE, der Zentralverband des deutschen Handwerks und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband an.

beb/afp
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