Wegen Bauboom 66 Tage Warten auf den Handwerker

Das Handwerk profitiert vom Bauboom, hat aber zu wenige Auszubildende. Die Gehälter steigen, Kunden aber müssen immer länger warten.
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Foto: Waltraud Grubitzsch/ picture alliance / dpa

Des einen Freud ist des anderen Leid: Der anhaltende Aufschwung im Baugewerbe beschert Handwerkern in Deutschland weiter gute Geschäfte. Für Kunden bedeutet das allerdings in der Regel lange Wartezeiten.

"Im ersten Halbjahr waren die Betriebe des Baugewerbes im Durchschnitt für die kommenden 9,4 Wochen ausgelastet, beim Ausbauhandwerk waren es 7,9 Wochen", sagte Karl-Sebastian Schulte, Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. 9,4 Wochen, das bedeutet, dass nach Auftragsvergabe im Schnitt 66 Tage vergehen, bis der Handwerker tatsächlich kommt.

Bei größeren Arbeiten müsse man den Auftrag sogar "unter Umständen mit einigen Monaten Vorlauf erteilen", so Handwerksfunktionär Schulte. Auch der Zentralverband "Sanitär Heizung Klima" berichtet von hoher Nachfrage. "Die Betriebe arbeiten am Anschlag", sagte Verbandssprecher Frank Ebisch. Dramatisch sei die Lage aber nicht. "Bei einem Notfall, wenn die Heizung kaputt oder das Klo verstopft ist, kommen unsere Leute natürlich schnell."

Steigende Gehälter

Nach Auskunft der Handwerkskammer Region Stuttgart arbeitet dort jeder zehnte Betrieb oberhalb seiner Kapazitätsgrenze. In Niedersachsen beklagten die Kammern vor wenigen Tagen einen Engpass bei qualifizierten Handwerkern. "Um gute Mitarbeiter halten zu können, müssen die Betriebe zunehmend mehr zahlen", sagte der Vorsitzende der der Handwerkskammern Niedersachsen, Karl-Wilhelm Steinmann. Das werde absehbar die Kosten für Handwerksleistungen steigen lassen.

Viele Handwerksbetriebe leiden zudem unter einem Mangel an Nachwuchskräften. Die Handwerksverbände nennen dafür zwei Hauptgründe: An den Schulen sinkt insgesamt die Zahl der Schulabgängern. Zugleich steigt aber der Anteil von Abiturienten und Studenten. Immer weniger junge Leute entscheiden sich für einen Handwerksberuf.

beb/dpa
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