Tipps für Wechsler So finden Sie den günstigsten Handytarif

Viele Handynutzer zahlen jährlich Hunderte Euro zu viel, weil sie in einem überteuerten Tarif feststecken. Die besten Tipps für den Wechsel.

Ältere Nokia-Handys
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Ältere Nokia-Handys

Eine Kolumne von


Mein erstes Handy war ein Nokia. Im Sommer 1998 habe ich es in Freiburg als Dreingabe zu einem Mobilfunkvertrag erhalten. Ein Handy in der Hosentasche zu haben, war mein Ziel damals, als Journalist fand ich das kleine Gerät ungemein praktisch. Der Akku hielt Tage, manchmal mehr als eine Woche. Und er war leicht auszutauschen.

Als in dieser Woche im Rahmen der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress in Barcelona der Hype um die Wiederauflage alter Nokia-Modelle losging, habe ich mich zunächst gern an die Jahrtausendwende erinnert. Das Handy in der Hosentasche war damals - nach dem Internet - der zweite große Sprung nach vorn.

Und doch war es ein ziemlich teurer Sprung. Die Gesprächsminute kostete anfangs mindestens 39 Pfennig, oftmals viel mehr. Später, als man mit Handys auch Bilder verschicken konnte (der Euro war eingeführt), wollten die Mobilfunk-Giganten für das Verschicken solcher Bilder als MMS bis zu 79 Cent haben.

Auf 50 Mark belief sich meine Handyrechnung damals immer. Wenn ich Ausflüge in die benachbarte Schweiz oder nach Frankreich gemacht hatte, war sie deutlich höher. Im Dezember 1999 standen nach den Gesprächen vor Weihnachten gar einmal 135 Mark auf der Handyrechnung.

Mit dem Handy zu telefonieren, war damals eine teure Angelegenheit. Um Geld zu sparen haben wir damals so viele Anrufe wie möglich vom Festnetz getätigt. Bis heute glauben manche Firmen wie Air Berlin, Kunden mit Mobiltelefonen für Serviceanrufe mehr Geld abnehmen zu dürfen als Kunden, die aus dem Festnetz anrufen.

Am Donnerstag hat der Europäische Gerichtshof die Abkassierer unter den Firmen zumindest bei 01805-Servicehotlines ein wenig in die Schranken gewiesen. Wer eine Servicehotline zu einem bestehenden Vertrag anruft, dessen Kosten dürfen "die Kosten eines Anrufs unter einer gewöhnlichen geografischen Festnetznummer oder einer Mobilfunknummer nicht übersteigen", lautete das Urteil.

Das ist gut so. Denn teure Servicehotlines widersprechen der Alltagserfahrung der Nutzer. Zeitgemäße Mobilfunkverträge machen das Telefonieren mit dem Smartphone ziemlich preiswert. Hat der Kunde die 8, 10 oder 15 Euro für eine Flatrate bezahlt, kann er unbegrenzt in alle deutschen Netze telefonieren und zusätzlich surfen, zumindest im O2-Netz. In den D-Netzen kosten ähnliche Tarife 20 bis 30 Euro.

Mobil telefonieren ist dank Flatrates inzwischen genauso günstig oder gar günstiger als das Festnetz. Immer mehr Kunden haben das Festnetz deshalb ganz abgeschafft. Demnächst wird es sogar möglich sein, mit Smartphones und solchen Verträgen aus dem gesamten EU-Ausland ohne Zusatzkosten nach Deutschland zu telefonieren.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Die Preise für Verbraucher haben sich also vor allem nach unten entwickelt, während die Leistungen zugenommen haben. Zumindest nur für gewiefte Verbraucher: Viele Smartphone-Nutzer zahlen noch immer mehr als 30 Euro im Monat für die mobile Erreichbarkeit. Etliche Kunden löhnen sogar mehr als 50 Euro.

Meine kleinen, spontanen Umfragen in Uni-Seminaren an der TU Berlin zeigen ebenfalls, dass die überwältigende Mehrheit der Studierenden deutlich zu viel für ihren Handyvertrag zahlt - von wechselfaulen, älteren Kunden ganz zu schweigen. (Ich darf das sagen, ich bin selbst schon etwas älter.)

Mehr als 120 Millionen Verträge vereinen die großen drei Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica auf sich. Viele Millionen Kunden zahlen 10 Euro, 20 Euro, oder gar 30 Euro zu viel. Jeden Monat. Wenn alle 120 Millionen Verträge im Schnitt 10 Euro zu teuer wären, wären das insgesamt 1,2 Milliarden Euro zu viel im Monat und mehr als 14 Milliarden Euro zu viel im Jahr.

Was also fehlt, ist die Modernisierung der Kundenbeziehung bei den Mobilfunkern. Das Modernisieren müssen Sie als Kunde selbst übernehmen.

  • Notieren Sie sich über einen Monat, wie Sie Ihr Handy nutzen, wie viel Sie telefonieren, surfen und SMS versenden. Geben Sie Ihr Profil bei einem guten Vergleichsrechner ein.
  • Achten Sie neben niedrigen Preisen auf kundenfreundliche Geschäftsbedingungen - gute Verträge sehen zum Beispiel eine monatliche Kündigungsfrist vor.
  • Kaufen Sie Ihr Handy separat vom Vertrag, es sei denn, es ist ein superteures Gerät mit einem supergünstigen Vertrag (das gibt es gelegentlich von Drittanbietern wie Sparhandy, selten von den großen Mobilfunk-Firmen). Wer richtig sparen will, kauft ein Smartphone gebraucht vom Händler mit Gewährleistung und Rückgaberecht.

Für Kunden wir mich kommt nach der Analyse nur eine Allnet-Flat infrage. Mit der müsste ich selbst als Kunde im D-Netz monatlich nicht mehr als rund 25 Euro zahlen.

Ist die Kundenbeziehung erst so modernisiert, können die Handys selbst gern wieder retro sein. Mit Akkulaufzeiten, die sich in Tagen messen statt in Stunden. Mit Akkus, die sich auswechseln lassen, wenn sie schlapp machen. Und mit Geräten, die ganz sicher nicht zu brennen beginnen, sondern höchstens mal warm werden in der Hosentasche.



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
ein-berliner 04.03.2017
1. Sorry
Viel Worte aber keine konkreten Vorschläge, sehr, sehr schade. Keine Traute Herr Tenhagen, warum keine realen Beispiele? Zu Zeiten der Stiftung Warentest waren mehr echte Fakten bei Ihnen zu finden.
cross 04.03.2017
2. Tipp Nummer 1
so schnell wie möglich den alten Vertrag kündigen und sich a) einen neuen suchen b) ein Angebot, dass der Anbieter macht annehmen ( die ersten drei, vier Versuche abwimmeln, das Angebot wird immer besser) Der Hieb gegen Samsung war wirklich unnötig und so was passiert selbst deutschen Unternehmen ( siehe Daimler)
allessuper 04.03.2017
3. ist doch klar.
Zitat von ein-berlinerViel Worte aber keine konkreten Vorschläge, sehr, sehr schade. Keine Traute Herr Tenhagen, warum keine realen Beispiele? Zu Zeiten der Stiftung Warentest waren mehr echte Fakten bei Ihnen zu finden.
wir alle kennen die Werbeverträge der Bertelsmanngruppe mit den diversen Anbietern nicht. Wasch mich aber mach mich nicht nass.
Crom 04.03.2017
4. Überschrift
Vielleicht sollte man noch darauf hinweisen, daß reine Datentarife deutlich günstiger sind. Mit SIP-Nummern kann man dann auch im D-Netz günstiger telefonieren oder man leitet seine Festnetznummer entsprechend um. Manche Festnetzanbieter geben VoIP auch für normadische Nutzung frei.
hardeenetwork 04.03.2017
5. Wozu einen Vertrag?
Mit einer monatlichen Gebühr für 7,99 € bin ich bei Aldi wunderbar versorgt und kann jederzeit wechseln ohne vertraglich gebunden zu sein. Wozu also einen Vertrag abschliessen?
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