Studie zu Sanierungen Haushalte könnten bis 2030 ein Viertel der russischen Gasimporte einsparen

Mehr Sanierungen, mehr Wärmepumpen: Laut einer Studie könnten die EU und Großbritannien ihre Abhängigkeit vom russischen Gas erheblich reduzieren. Allerdings müssten Millionen von Häusern und Wohnungen modernisiert werden.
Gaspipeline in Lubmin

Gaspipeline in Lubmin

Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP

Durch Sanierungen und Elektrifizierung privater Haushalte könnten die EU und Großbritannien bis zum Jahr 2030 ein Viertel der derzeitigen russischen Gasimporte einsparen. Verbraucher würden dadurch 15 Milliarden Euro an Gaskosten einsparen. Dies sind Ergebnisse einer neuen Studie von Cambridge Econometrics, die dem SPIEGEL vorliegt. Jedes Prozent mehr an Energieeffizienz führe demnach zu einer Reduzierung der Gasimporte um 2,6 Prozent.

»Die wirtschaftlichen Argumente für das Zusammenspiel von Effizienz, Wärmepumpen und Fernwärme sind jetzt so deutlich wie nie. Europa muss jetzt schnell und entschlossen handeln, um Energiesicherheit, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz zu verbinden«, sagt Andreas Graf, Projektleiter Europäische Energiepolitik, bei der Denkfabrik Agora Energiewende.

Die Analyse zeigt auch, dass eine Umstellung auf energieeffiziente und elektrifizierte Haushalte bis zum Jahr 2050 wichtige wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen könnte. Dazu zählt etwa die Schaffung von 1,2 Millionen zusätzlichen Arbeitsplätzen, vor allem im Bau- und Energiesektor sowie eine Steigerung des europäischen Bruttoinlandsprodukts um ein Prozent.

Der Studie zufolge sind Wärmepumpen, Fernwärme und Solarthermie aufgrund der geringeren Energieausgaben die wettbewerbsfähigen Optionen, während Heizen mit grünem Wasserstoff aufgrund der hohen Energiekosten die teuerste Technologie ist. Der Einsatz von Wärmepumpen in energieeffizienten Häusern könne die Energierechnungen der Haushalte bis 2050 halbieren.

»Ein massiver Schub bei der Energieeffizienz ist eine Strategie, die nur Vorteile kennt: um die Gasabhängigkeit zu bekämpfen, die Energiekosten zu senken und gleichzeitig die riesige Lücke zur Erreichung der deutschen Klimaziele im Gebäudesektor zu schließen«, sagt Henning Ellermann, Leiter Energieeffizienz in Gebäuden bei der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF). Alle Akteure warteten auf ein klares und starkes politisches Signal, um eine echte Sanierungswelle in Gang zu setzen, die jetzt mehr denn je nötig sei.

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EU könnte Gasimporte aus Russland rasch deutlich drosseln

Zuletzt hatte die Internationale Energieagentur (IEA) errechnet, dass russische Gasimporte noch deutlich schneller runtergefahren werden könnten. Innerhalb eines Jahres sei gar eine Verringerung von mehr als einem Drittel möglich. Die Agentur mit Sitz in Paris hatte dazu in einem Zehn-Punkte-Plan konkrete Schritte vorgeschlagen, darunter ebenfalls eine höhere Energieeffizienz in Haushalten und den verstärkten Einsatz von Wärmepumpen.

Der IEA zufolge wäre auch eine Verringerung der Gasimporte aus Russland in die EU um etwa die Hälfte möglich. Allerdings wäre dann wohl der Rückgriff auf die fossilen Energieträger Kohle und Öl die naheliegende Option. Das würde aber wiederum den EU-Klimazielen entgegenstehen.