Weniger Einbruchdiebstähle Mit diesem Argument können Sie Ihren Hausrat günstiger versichern

In Deutschland wird immer weniger eingebrochen - das müsste Hausratversicherungen eigentlich günstiger machen. Bei Ihnen nicht? Dann sollten Sie handeln und notfalls mit Kündigung drohen.

Einbruch (Symbolbild)
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Eine gute Nachricht zu Beginn: Die Zahl der Einbruchdiebstähle ist in Deutschland vergangenes Jahr auf 97.000 gefallen - ein Rekordtief. Noch drei Jahre zuvor drangen Einbrecher 167.000 Mal in Wohnungen ein.

Die Nachricht aus der Statistik des Bundeskriminalamtes ist in vielerlei Hinsicht super. Erstens, weil sie ein Zeichen für weniger Kriminalität ist. Weniger Einbrüche bedeuten weniger Unsicherheit und Trauma für die Opfer. Und natürlich auch weniger kaputte Türen und Fenster, sowie weniger gestohlenes Geld und Schmuck.

Und dann bedeuten weniger Einbrüche auch, dass es wesentlich weniger Versicherungsschäden gab: Der Einbruchdiebstahl machte im langjährigen Mittel immerhin ein Drittel der Schäden in der Hausratversicherung aus, 2017 noch 490 Millionen Euro. Die Einbrüche selbst, ohne zum Beispiel den Fahrradklau, der auch von der Hausratversicherung bezahlt wird, kosteten die Versicherer 360 Millionen Euro.

Genau an dieser Stelle müsste die gesunkene Kriminalität nicht nur für ein größeres Sicherheitsgefühl bei den Menschen und weniger Schäden sorgen. Sie müsste auch für mehr gesellschaftliche Wohlfahrt sorgen, weil 26,3 Millionen Hausratversicherungen deutlich preiswerter werden müssten. Wenn tatsächlich ein Drittel der zu begleichenden Schäden in der Hausratversicherung auf Einbruchschäden beruhen, ist die Verbindung doch eindeutig: Einbrüche sind eigentlich eingepreist, bleiben aber aus. Die Hausratversicherung sollte also für alle billiger werden.

Für die Versicherer wäre das relativ einfach machbar. Denn in der Hausratversicherung verdienen sie heute sehr viel Geld. Die Schadenquote lag schon vor dem neuen Langzeittief bei den Einbrüchen bei nur noch 41,5 % Prozent. Das heißt: Von jedem Euro, den wir Kunden für die Hausratversicherung bezahlen, wurden 2017 nur 41 Cent für Schäden an uns Kunden wieder ausgezahlt.

Gut drei Milliarden Euro nahmen die Hausratversicherer 2017 an Beiträgen ein, 1,3 Milliarden Euro gaben sie für Schäden wieder aus. Das war die niedrigste Quote seit mehr als 30 Jahren. Und die Zahl der versicherten Hausratschäden ist von insgesamt 1,5 Millionen im Jahr 2000 auf deutlich unter eine Million gefallen.

Der schöne Rest des Geldes bleibt also im Versicherungsapparat. Entweder, um dort Menschen, Häuser und Autos zu bezahlen - oder für glänzende Gewinne.

Immer weniger Schäden und ohnehin hohe Gewinne - da sollten die Preise doch jetzt fallen. Doch davon ist aktuell nichts zu sehen. Weil der Markt in der Hausratversicherung nicht gut funktioniert und der Preisvergleich für Kunden schwierig ist.

Preise für Hausratversicherungen richten sich nach der Größe der Wohnung, dem versicherten Hausrat, aber auch nach der genauen Adresse. Auf der einen Straßenseite kann der Preis deutlich höher sein als auf der anderen Straßenseite. Im Erdgeschoss höher als im fünften Stock. Für Kunden ist diese Preispolitik nicht durchschaubar.

Etwas Abhilfe schaffen Preisportale. Sie erlauben es immerhin, den Preis zahlreicher Versicherer für dieselbe Wohnung zu vergleichen. Und sie ermöglichen es, Preise an der einen Straßenecke mit denen an der nächsten zu vergleichen. Es kann sein, dass an der einen Straßenecke die eine Versicherung vorn ist, an der nächsten Straßenecke aber eine andere. Weshalb es "die beste" und "die günstigste" Versicherung für jeden Haushalt nicht gibt. Gute Portale für die Hausratversicherung bieten aber immerhin einen Vergleich von 50 oder 60 der insgesamt rund 120 Anbieter auf dem deutschen Markt. Das ist ein Anfang.

Haben Sie als Kunden erst mal verstanden, dass sich Ihre Hausratversicherung an Ihnen gerade dumm und dusselig verdient, könnte das der Beginn eines wirklichen Preiswettbewerbs sein. Wer heute 250 Euro für seine Hausratversicherung (80 qm Berlin-Neukölln) zahlt, kann ganz einfach nach einem Anbieter suchen, der für den gleichen Versicherungsschutz nur 150 Euro verlangt. Mit einem Preisportal lässt sich vielleicht auch ein Anbieter finden, der unter 100 Euro verlangt. Und mit diesem Angebot von 100 Euro in der Tasche kann ein treuer Kunde an den aktuellen Versicherer herantreten und erfolgreich feilschen. In vielen Fällen wird der Außendienstler des alten Versicherers dann ein besseres Angebot machen.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Das liegt auch an einer Marktbesonderheit der Hausratversicherung. Sie wird oft von sogenannten Kompositversicherern angeboten. Das sind Konzerne, die ein ganzes Bündel von unterschiedlichen Versicherungen über einen eigenen Außendienst anbieten. Der Hausratversicherer bietet auch eine Haftpflicht, eine Wohngebäudeversicherung, die Kfz-Versicherung und die Rechtsschutzpolice an. Geht der Kunde wegen des überhöhten Preises in der Hausratversicherung woanders hin, droht eine Erosion der Kundenbeziehung. Das gilt für die Versicherung, aber oft auch für den jeweiligen Außendienstler, der bei solchen Kompositversicherern traditionell jedes Jahr für jeden Vertrag erneut eine Bestandsprovisionen erhält - solange der Vertrag weiterläuft.

Hat sich der Kunde im Sommer über die zu teure Hausratversicherung geärgert und gekündigt, droht im Herbst als nächstes die Kündigung der Kfz-Versicherung oder auch der Gebäudeversicherung. Jedenfalls verliert der Außendienstler auch Provisionen, er ist an einer Haltestrategie also stark interessiert.

Das können Sie als Kunde verstehen und nutzen. Sie haben das Interesse an einem günstigeren Vertrag, der Versicherungsvertreter hat das Interesse, dass Sie bleiben. Kämpfen Sie jetzt um einen besseren Deal in der Hausratversicherung. Verweisen Sie auf die Kriminalitätsstatistik. Die Versicherer können das billiger.



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
JonnyKarton 13.04.2019
1. Immer ins gleiche Horn
Die Combined Ratio lag in dem von Ihnen aufgezeigten Jahr bei ca. 75 %. Sie wissen ja was das bedeutet. Als würden sich die Versicherungsvertreter (wie Sie hier stark vereinfachend alle mit der Vermittlung tätigen, nennen) die Taschen voller Geld stopfen. Natürlich auf Kosten der Kunden. Ich denke ein Kunde hat wesentlich mehr von der Beratung eines seriösen Vermittlers vor Ort, als von den Tipps von vermeintlichen Verbraucherschützern wie Ihnen. Stichwort: "Briefmarkensammlung für die Altersvorsorge" als eines der Highlight-Tipps. Außerdem verwechseln Sie eines auch immer VÖLLIG! Und das ist der Unterschied zwischen der Theorie von der Sie reden und von der Praxis der Menschen vor Ort. Das näher zu erläutern würde aber zu weit führen.
PolitBarometer 13.04.2019
2.
Vielleicht sollte man bei der ganzen Sparfuchserei aber auch nicht vergessen, dass es nicht entscheidend ist, den Versicherungsjahresbeitrag auf Biegen und Brechen unter die 100 EUR Marke zu drücken. Bei ca. 120-150qm bewohnbarer Fläche sind bei einer durchschnittlichen Versicherungssumme von ca. 94.000 EUR zu zahlende Jahresbeiträge in Höhe von 125-150 EUR vollkommen normal. Und selbst, wenn von den 94.000 EUR Sachwert etwa 25.000 EUR nicht durch real vorhandene Sachwerte im Haus abgesichert sein sollten (Überversicherung), ist es viel wichtiger, die Details und Zahlungsbedingungen der Versicherung im Vertrag bei einem möglichen Schadensfall genau zu kennen. Ausserdem sollte eine gute Erreichbarkeit und Ansprechbarkeit der Versicherung gewährleistet sein. Bei vielen von "Mr. Money" gelisteten Versicherungen, von den Allermeisten habe ich noch nie gehört, habe ich da erhebliche Zweifel. Da könnte günstig am Ende richtig teuer kommen.
k70-ingo 13.04.2019
3. Au weia
Als langjähriger Schadenregulierer auch im Hausratbereich kräuseln sich mir bei Herrn Tenhagens Ausführungen die Fußnägel. Letztendlich macht er lediglich für Vergleichsportale Werbung - von denen jeder weiß, daß der Anbieter an Nummer 1 genannt wird, der dafür bezahlt hat. Qualität und Preis-Leistungsverhältnis stehen in keinem Zusammenhang mit der Platzierung. Eine Erkenntnis, die übrigens nicht nur für Versicherungsvergleichsportale gilt, sondern für alle. Außerdem sollte der Kunde genau hinschauen, ob die vermeintlichen Superdupersonderangebote nicht abgespeckte Einfachversionen des Produktes darstellen, bei dem aufgrund des Preisdrucks normal übliche Leistungen herausgenommen wurden. Normalerweise wird das All-Inclusive-Angebot verkauft, im Interesse aller Beteiligten, nicht nur des Vertreters, auch des Kunden und des Versicherers - allein deswegen, weil es dabei im Schadenfall keine Diskussionen wegen nicht mitversicherter Schäden gibt. Gewiß, die XXL-Vollschutz-All-Inclusive-Zusatzbedingungen enthalten viel Augenwischerei, mitversicherte Leistungen, die in realiter nie eintreten - aber eben auch sinnvolle Absicherungen durchaus eintretender kostenträchtiger Schäden. Ach ja, die Überschüsse aus der Hausratversicherung machen nicht die Taschen der Versicherer voll, sondern dienen -mit eingeschränktem Erfolg- dazu, die Verluste in der Gebäudeversicherung abzupuffern. Dort entstehen branchenweit jährlich Millionenverluste, zum einen durch die zunehmenden Sturmschäden, noch mehr aber durch die immensen Zahlungen im Rahmen der Leitungswasserdeckung. Und wie der vorherige Mitforist ausführte: man sollte sich als Kunde nicht auf den Beitrag fokussieren, sondern auf den Versicherungsschutz, den man benötigt, und dabei sollte man speziell den realen Neu(!)wert seiner Habe berücksichtigen. Wer in einer großen, sparsam möblierten Wohnung lebt und Versicherungsschutz auf Basis der Wohnfläche abschließt, zahlt drauf. Wer hingegen auf wenig Fläche viel Werthaltiges -wie gesagt, der Neuwert ist entscheidend- besitzt, kann bei einer flächenbasierten Berechnung hintenrunterfallen. Fazit: Preisfuchserei und pauschale Gießkannenberechnung bringen nichts. Wer Ärger aus dem Weg gehen will, der muß sich die Zeit nehmen und überlegt seine Auswahl treffen.
Björn L 13.04.2019
4. Als Versicherungsmakler streuben sich die Haare
1. Leitungswasserschäden häufen sich 2. Hausratversicherung ist nicht gleich Hausratversicherung. Was ist mit Einschluß grober Fahrlässigkeit und zu welchem Prozentsatz, Handelsware, Sportgeräte, Außenversicherung, Wertsachen, Kunst und und und. Bereits andere Artikel über Versicherungen waren genauso schlecht. Vielleicht sollten sie einen Fachmann mit derlei Artikel beauftragen. Online gibts die Katze im Sack und jeder Kunde ist sich selbst überlassen. Darüber hinaus merke ich nicht, dass die Zahl der Einbrüche zurück geht. Die Hausrat beinhaltet mehr versicherte Gefahren als Einbruch-Diebstahl. Schreiben sie doch mal ihren Versicherer an und sehen was dann verhandelbar ist. Viel Spaß
wetzer123 13.04.2019
5. Da wundere ich mich doch über die Foristen vor mir
Natürlich ist es nicht sinnvoll irgendwo nur nach dem Preis zu gehen, man sollte auch auf die Leistungen schauen. Und man sollte auch auf sich selbst schauen, das sage ich weil es bei den Versicherern mit Außenvertireb durchaus gängig ist kleinere Schäden die eigentlich nicht abgedeckt sind mithilfe des findigen Außenvertrieblers kulant zu regulieren. Mir wäre es zuwider so etwas mitzufinanzieren. Aber tatsächlich ist eine Schadenquote von um die 40% zu niedrig, d.h. hier sollten dringend die Tarife gesenkt werden, aber anders als bei KFZ schauen sich wohl zu wenige regelmäßig um. Und das ist ein Punkt den Tenhagen immer wieder bringt: Wer sich nicht selbst kümmert wird von Anbietern 'gemolken', ganz egal ob das Versicherungen, Telefonverträge, Zeitungen oder Fitnessstudios sind. Wer sich nicht jährlich seine Verträge anschaut ist der Dumme. Ein anderes Thema welches Tenhagen anspricht ist auch relevant, es mag ja ok sein sich beim Abschluss eines Vertrages beraten zu lassen und dafür auch zu bezahlen, das sollte eine Einmalleistung sein. Diese Bestandsprovisionen für den Außenvertrieb finde ich indiskutabel. Versicherer die solche Gelder aus meinen Beiträgen ausschütten bekommen von mir kein Geld.
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