Stromnetz könnte überlastet werden Verbände raten von Heizlüftern im Winter ab

Viele Menschen setzen für die kalten Monate auf Direktheizgeräte, doch das könnte laut Branchenverbänden zum Problem werden. Im schlimmsten Fall könne lokal der Strom ausfallen – und so schnell nicht wiederkommen.
Sorge vor Gasengpässen: Die Nachfrage nach Heizlüftern, Konvektorheizungen und Ölradiatoren steigt in diesem Jahr schon im Sommer

Sorge vor Gasengpässen: Die Nachfrage nach Heizlüftern, Konvektorheizungen und Ölradiatoren steigt in diesem Jahr schon im Sommer

Foto: Felix Hörhager / dpa

Viele Menschen fürchten Gasengpässe im Winter – und schaffen sich deshalb schon jetzt im Sommer elektrische Heizlüfter, Radiatoren oder Heizstrahler an. Vor deren Nutzung raten nun aber zwei Technik-Verbände  ab: »Wir sehen die aktuelle Entwicklung mit einiger Sorge, da unsere Stromversorgung für eine derartige gleichzeitige Zusatzbelastung nicht ausgelegt ist«, sagte Martin Kleimaier vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE).

Da die Heizgeräte einfach an eine Haushaltssteckdose angeschlossen werden, könnten sie – im Gegensatz zu elektrischen Wärmepumpen oder Nachtspeicher-Heizungen – im Falle von drohenden Netzüberlastungen nicht vom Netzbetreiber abgeschaltet werden, hieß es. Lokale Netzüberlastungen seien deshalb möglich, sagte Kleimaier. Auch reiche an einem sehr kalten Wintertag unter bestimmten Annahmen die derzeitige Kraftwerkskapazität für diese zusätzlichen Lasten nicht aus.

Die Stromversorgung wiederherzustellen könnte schwierig werden

Im Falle eines Stromausfalls in einem Netzbereich sei es außerdem schwierig, die Stromversorgung wiederherzustellen, hieß es vom VDE. Würden nicht »möglichst viele betroffene Kunden ihre Heizgeräte manuell ausschalten, würde ein Zuschaltversuch durch den Netzbetreiber sofort zu einem erneuten Abschalten führen«.

Frank Gröschl vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) empfahl, schon im Sommer die Effizienz der Gasheizungen zu erhöhen – etwa durch eine Absenkung der Raumtemperatur, einen hydraulischen Abgleich der Heizungsanlage oder eine Wartung. »Die Gasheizung kann in jedem Fall weiterbetrieben werden«, sagte Gröschl mit Blick auf den Winter.

In Deutschland wird rund die Hälfte aller Wohnungen mit Erdgas beheizt. Wegen des Gasstreits mit Russland habe die Nachfrage nach elektrischen Heizungsmöglichkeiten stark zugenommen und dürfte weiter steigen, teilten die Verbände mit. Diese Art zu heizen sei allerdings sehr teuer.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, die Nachfrage nach elektronischen Heizungsmöglichkeiten sei gestiegen. Tatsächlich sind es elektrische Heizungsmöglichkeiten. Wir haben die Stelle korrigiert.

kko/dpa/AFP
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