Energiepreise Milder Winter schafft Entlastung bei Heizkosten - für Gaskunden

Der Winter war in Deutschland vergleichsweise mild. Profitiert haben davon etliche Verbraucher - vor allem Nutzer von Gasheizungen.

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So wenig Energie zum Heizen wie in diesem Winter haben die Haushalte in Deutschland zuletzt vor zwölf Jahren gebraucht. Wegen der milden Witterung speziell im Februar und März verringerte sich die benötigte Heizenergie von Anfang Oktober bis Ende März um rund zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Internet-Portal Verivox mitteilte.

Das Portal Check24, das für die Heizperiode einen etwas anderen Zeitraum zugrunde legt, kam auf ein Minus des Energieverbrauchs von zehn Prozent. Beide Portale vermitteln unter anderem Verträge zwischen Endverbrauchern und Gasversorgern und beobachten deshalb eng das Marktgeschehen.

Verivox und Check24 betrachten jeweils eine drei- bis vierköpfige Familie in einem Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von etwa 20.000 Kilowattstunden. Der Heizbedarf eines solchen Haushalts lag in den vergangenen Monaten nach Verivox-Angaben bei fast 14.400 Kilowattstunden.

Sieben bis neun Prozent weniger Heizkosten

Umgerechnet in Geld: Wer mit Gas heizt, wie rund die Hälfte der Haushalte, musste seit Oktober 849 Euro für die Heizung aufwenden - neun Prozent weniger als im Vorjahr. Die Konkurrenzseite Check24 kommt dagegen auf 967 Euro, das bedeutet eine Entlastung von 72 Euro oder sieben Prozent.

Anders ist die Lage für Häuser und Wohnungen, die mit Öl beheizt werden. Die durchschnittlichen Kosten lagen bei 1012 Euro und damit noch einmal um drei Prozent höher als in der vorigen Heizperiode, heißt es bei Verivox. Check24 ermittelte einen Kostenanstieg für Ölverbraucher um sechs Prozent auf 1132 Euro, trotz des geringeren Energiebedarfs.

"Im nächsten Winter kann das schon anders ausschauen"

Hintergrund sind die unterschiedlichen Entwicklungen der Öl- und Gaspreise: Während sich Gas im Durchschnitt der Heizperiode um drei Prozent verteuerte, waren es beim Heizöl 21 Prozent. Die Preissteigerung beim Öl hat den Verbrauchsrückgang mehr als ausgeglichen. Deshalb zahlen Verbraucher mit Ölheizung in dieser Heizperiode 17 Prozent oder 165 Euro mehr für ihren Brennstoff als Gaskunden. "Im nächsten Winter kann das schon anders ausschauen", sagt Oliver Bohr von Check24. "Der Gaspreis steigt aktuell, die Preisschere zwischen Öl und Gas schließt sich wieder."

"Die Heizölpreise schwanken stark, so dass die tatsächlichen Kosten vor allem davon abhängen, wann der Tank gefüllt wird", sagte Valerian Vogel, Energieexperte bei Verivox. Einen deutlichen Preissprung auf bis zu 88 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inklusive Mehrwertsteuer) gab es in den letzten Monaten des vergangenen Jahres; mittlerweile haben sich die Preise wieder bei rund 70 Euro für 100 Liter stabilisiert.

Bei der Auswahl eines Heizungssystems bestimmen nicht allein die Brennstoffkosten die Wirtschaftlichkeit, sondern die Gesamtkosten über die gesamte Lebensdauer, also zum Beispiel Anschaffungs-, Wartungs- und Reparaturkosten. Die Internet-Portale empfehlen - entsprechend ihrem Geschäftsmodell - die Gaspreise regelmäßig zu vergleichen und zu günstigen Anbietern zu wechseln. Damit ließen sich für die Verbraucher insgesamt laut Check24 bis zu 170 Millionen Euro innerhalb eines Jahres sparen oder 360 Euro je Haushalt.

Im Durchschnitt können die Verbraucher unter mehr als hundert Gasanbietern auswählen, doch hat laut Bundesnetzagentur bislang nur ein Drittel der Haushalte den Lieferanten gewechselt.

wit/dpa



insgesamt 96 Beiträge
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spon-facebook-1566228675 21.04.2019
1. Von wegen "nur" Gaskunden
wir haben ergänzend zur Gasheizung eine Solarthermieanlage. Fazit: über 200 € Erstattung. Erneuerbare rentieren sich
5Minute 21.04.2019
2. lustig
wäre ja lustig wenn das Volk durch den Klimawandel Geld (und CO2) spart. Ich weiss das dies nur mittelfristig und lokal der Fall ist, aber spannend für die Akzeptanz finde ich es trotzdem. Und eine Lehre für so manche, dass das meiste anders kommt als man denkt.
sucher533 21.04.2019
3. Rettet sich das Klima selbst?
Milderes Klima bedeutet weniger CO2-Ausstoß durch geringeren Öl- und Gasverbrauch. Von anderen Vorteilen des wärmeren Winters wie weniger Toten durch Kälte und Glätteunfällen mal abgesehen. Insekten wird es wohl auch wieder mehr geben - hier bin ich mir aber nicht sicher, ob ich das eindeutig zu den Vorteilen zählen soll.
mythai 21.04.2019
4. Und was nutzt diese Statistik ?
a. Vermieter haben eine Heizungsanlage und müssen mit dieser 10 Jahre und länger leben, damit die Installationskosten amortisiert sind. Da Gas- und Ölkosten , wie richtig im Artikel erwähnt wird nicht immer gleich steigen, sondern " nächstes Jahr es ganz anders sein kann" ist es letztlich doch egal für welche Anlage man sich entscheidet. Wobei hinsichtlich Gas ja auch noch die Anschlussmöglichkeit vorhanden sein muss. b. Mieter haben letztlich keine Einflussmöglichkeit auf die Energiequelle und deren Kosten. c. Wohngeld ist letztlich Subvention für die Eigentümer, denn das Geld ist ja nur ein durchlaufender Posten. Durch die Abschaffung der Fehlbelegungsabgabe, den Verkauf öffentlicher Wohnungen, hat der Staat seine eigenen Eingriffsmöglichkeiten selbst fast auf Null gestellt.
frank57 21.04.2019
5. Ja klar haben wir "profitiert"
Wir wissen schon gar nicht mehr wohin mit der ganzen Kohle! Da könnte man als Staat mal Hilfestellung leisten und noch ein paar neue Steuern oder Abgaben einführen!
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