95 Euro für 100 Liter Heizöl so teuer wie seit vier Jahren nicht

Heizen wird für Millionen Deutsche teurer. Die Kosten für Heizöl sind so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr - Tendenz steigend. Grund sind der Rohölpreis und Aufschläge der Raffinerien.
Heizöltanker (Archivbild): Kostenschub beim Heizöl

Heizöltanker (Archivbild): Kostenschub beim Heizöl

Foto: Peter Endig/ picture-alliance/ ZB

Hamburg - Die Heizölpreise sind auf den höchsten Stand seit vier Jahren gestiegen. Im bundesweiten Durchschnitt kosteten 100 Liter am Donnerstag mehr als 95 Euro (den aktuellen Kurs finden Sie hier ). Die Preise im Handel nähern sich damit ihrem Allzeithoch von rund 98 Euro. Dieses war im Sommer 2008 erreicht worden.

In Deutschland heizen etwa sechs Millionen Haushalte mit Öl. Die meisten kaufen den Vorrat für den kommenden Winter im Sommer ein, wenn die Preise am niedrigsten sind. Zahlreiche Kunden haben sich bereits im Juni eingedeckt, damals lag der Wochendurchschnittspreis bei etwas mehr als 80 Euro.

Wer es damals versäumt hat, die Vorräte für den nächsten Winter anzulegen, zahlt derzeit kräftig drauf. Bei einem Einkauf von 3000 Litern Heizöl zahlt man derzeit gut 450 Euro mehr als noch im Juni.

Für den Kostenschub gibt es zwei Ursachen: Erstens gibt es Produktionsstörungen bei Förderplattformen in der Nordsee; einige werden planmäßig gewartet, andere müssen außerplanmäßig instand gesetzt werden. In der Folge ist der Preis für die Rohölsorte Brent aus der Nordsee auf 116 Euro pro Barrel (159 Liter) gestiegen.

Die zweite Ursache sind hohe Preisaufschläge der Raffinerien, also der Produktionsstätten, die Rohöl zu Heizöl, Benzin oder Diesel weiterverarbeiten. "Die Margen der Raffinerien sind zuletzt stark gestiegen", sagt Steffen Bukold, Autor des Standardswerks "Öl im 21. Jahrhundert". Sprich: Die Raffinerien schlagen auf den Einkaufspreis mehr auf als bisher. Bei Benzin und Diesel beträgt die sogenannte Bruttomarge mehr als 20 Cent pro Liter . Es gab Zeiten, in denen sie auf 10 Cent gesunken war.

Von der Bruttomarge gehen unter anderem noch Kosten für Transport, Lagerung, Verwaltung und Vertrieb ab, dennoch dürften die Gewinne der Raffinerien derzeit außerordentlich hoch sein - während die Verbraucher draufzahlen.

Wer sich noch nicht für den kommenden Winter eingedeckt hat, sollte nun sehr genau auf die Entwicklung des Heizölpreises achten. Gut möglich, dass er in den kommenden Wochen noch einmal etwas sinkt. Denn durch die erlahmende Wirtschaft geht die Nachfrage der Industrie und des Transportsektors nach Öl zurück. Das drückt den Preis. Sicher ist das jedoch nicht, denn die Ölpreise dürften durch das Iran-Embargo auch in den kommenden Monaten unter Druck bleiben.

ssu
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