Nach Senkung der "Tamponsteuer" Hersteller erhöhen Preise für Menstruationsprodukte

Binden und Tampons sollten durch eine Steuersenkung eigentlich billiger werden. Doch mehrere Hersteller heben die Preise nun nach Medienberichten zeitgleich kräftig an - angeblich aus anderen Gründen.
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80.000 Unterschriften hatten Aktivistinnen gesammelt - dann hatte Bundesfinanzminister Olaf Scholz eingelenkt. Die Steuer auf Menstruationsartikel müsse gesenkt werden, sagte er im vergangenen Oktober. Doch von der Steuererleichterung könnte nun nicht viel bei den Frauen ankommen: Mehrere Hersteller haben nach Medienberichten zeitgleich mit Inkrafttreten der Steuersenkung die Preise für Tampons, Binden und Einlagen stark erhöht.

OB-Hersteller Johnson & Johnson forderte einem Bericht des Fachblattes "Lebensmittelzeitung" zufolge für seine Menstruationsprodukte höhere Abgabepreise. In der Branche ist laut dem Bericht  von Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich die Rede. Johnson & Johnson bestritt, dass die Preiserhöhung im Zusammenhang mit der Steuersenkung stehe.

Händler kritisieren Preiserhöhung

„Auch wir haben Preiserhöhungen für Monatshygieneprodukte erhalten“, bestätigte ein Kaufland-Sprecher dem "Tagesspiegel" . Man könne die höheren Forderungen der Lieferanten nicht nachvollziehen. „Aktuell ist uns nicht bekannt, dass die Preise für Rohstoffe erhöht wurden“, hieß es weiter. Man sei nicht bereit, diese Preiserhöhungen zu akzeptieren und sei derzeit in Verhandlungen.

Auch andere Händler kritisierten die Preiserhöhung. So versicherte die Drogeriemarktkette dm gegenüber der "Lebensmittelzeitung", in den nächsten vier Monaten die Preise nicht erhöhen zu wollen.

Seit dem 1. Januar dieses Jahres wird auf Menstruationsprodukte ein gesenkter Steuersatz von sieben Prozent angerechnet. Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz ist für wichtige Güter des täglichen Bedarfs vorgesehen.

180.000 unterschrieben Petition "Tampon Tax"

In einigen EU-Staaten wurde die Steuer auf Monatshygieneartikel bereits gesenkt oder ganz abgeschafft. Das EU-Parlament hatte die Mitgliedstaaten dazu aufgerufen. Mehr als 180.000 Menschen hatten eine Petition zur "Tampon Tax" im Internet unter dem Motto "Die Periode ist kein Luxus" unterschrieben. Mehrere hundert Euro geben Frauen im Jahr für ihre Periode aus - wie dieses Rechenbeispiel zeigt.

Auch in anderen Bereichen ist die Höhe der Mehrwertsteuer umstritten. So gilt für Fleischprodukte bisher der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Als klimafreundlich beworbene Hafermilch wird dagegen mit 19 Prozent besteuert. Zuletzt wurde die Steuer auf Bahnreisen gesenkt.

lmd