Listerien-Befall Dritter Todesfall im Wilke-Wurst-Skandal bestätigt

Im Skandal um mit Listerien verunreinigte Wurst gibt es einen dritten Todesfall. Laut einem Bericht des Robert Koch-Instituts dürften sich viele Erkrankte über Krankenhäuser oder Altenheime infiziert haben.

Fabrik des hessischen Wurstherstellers Wilke
Uwe Zucchi / DPA

Fabrik des hessischen Wurstherstellers Wilke


Der Fall der keimbelasteten Wurstwaren ist offenbar größer als bisher angenommen. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) im Epidemologischen Bulletin Nr. 41 schreibt, seien drei Todesfälle und insgesamt mindestens 37 Erkrankungsfälle aus den Jahren 2014, 2016, 2017, 2018 und 2019 demselben Listeriose-Ausbruch zuzuordnen. Die Dunkelziffer der Menschen, die sich an der mit Listerien infizierten Wurst angesteckt haben, soll deutlich höher liegen. Dies liegt vor allem daran, dass nicht in allen Fällen Blutuntersuchungen bei den Erkrankten vorgenommen, sondern auch Stuhlproben genommen wurden, deren Ergebnisse nicht meldepflichtig sind. Die Verbraucherorganisation Foodwatch berichtete am Donnerstag zuerst über das neue Bulletin.

Infektionen in Krankenhäusern, Rehakliniken oder Altersheimen

Bei den drei Verstorbenen handelt es sich demnach um Menschen aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt, die "direkt" oder "indirekt" an der Listeriose verstorben seien. Das hessische Verbraucherschutzministerium bestätigte auf Anfrage des SPIEGEL den dritten Todesfall. Bislang war von zwei Toten im Zusammenhang mit der keimbelasteten Wurst in Hessen ausgegangen worden.

Die Keime stammen mutmaßlich aus Produkten des hessischen Herstellers Wilke. Im Bericht des RKI wird lediglich Bezug zu einem nicht näher bezeichneten hessischen Betrieb genommen. Durch die Angaben des Landkreises Waldeck-Frankenberg aus der vergangenen Woche ist aber bekannt, dass die Firma Wilke aufgrund von Listerien-Befunden geschlossen wurde und mit Todesfällen in Verbindung steht.

Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, vermutet das RKI, dass sich viele Erkrankte über Lebensmittel in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern, Rehakliniken oder Altersheimen infiziert haben. So hatten 20 von 28 betroffenen Personen in den Jahren 2018 und 2019 einen "stationären Aufenthalt" in einer solchen Einrichtung.

Wilke will weitermachen - Mitarbeiter warten auf Geld

Wilke gab unterdessen bekannt, den Betrieb weiterführen zu wollen. Das Unternehmen habe am Donnerstag beim Verwaltungsgericht Kassel einen Eilantrag eingereicht, sagte ein Gerichtssprecher. Dieser richte sich gegen die Anordnung des Landkreises Waldeck-Frankenberg, der die Produktion gestoppt hatte. Die keimbelasteten Wurstwaren des Betriebs bedrohen die Zukunft der 200 Wilke-Beschäftigten. Momentan seien viele September-Löhne der Mitarbeiter ausstehend.

flg/irb



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