Hochwasser 2013 Was Flutgeschädigte jetzt tun müssen

Entlang der Deiche am Unterlauf der Elbe bangen die Bürger noch, im Osten und Süden Deutschlands räumen sie schon auf. Versichert ist nur eine Minderheit - doch dafür soll es zahlreiche staatliche Hilfen für alle Flutopfer geben.

Überflutete Häuser in Sachsen-Anhalt: Hoffentlich elementarschadenversichert
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Überflutete Häuser in Sachsen-Anhalt: Hoffentlich elementarschadenversichert

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Hamburg - Erst wenn das Wasser wieder abgeflossen ist und Dreck und Schutt freilegt, können die Hausbesitzer, Firmeninhaber und Landwirte die Flutfolgen bewerten. Die Schadensschätzungen steigen täglich. Am Dienstag legte die Rating-Agentur Fitch den bisher höchsten Wert vor: Der volkswirtschaftliche Schaden dürfte sich demnach auf rund zwölf Milliarden Euro belaufen, die Versicherungsbranche müsse davon voraussichtlich 2,5 bis 3 Milliarden Euro tragen.

Der Anteil der Haushalte, die gegen Hochwasser versichert sind, liegt deutschlandweit nur bei einem Drittel. Besonders schlecht sieht es in den aktuell von der Flut betroffenen Gebieten aus:

  • In Niedersachsen haben nur 13 Prozent der Haushalte eine entsprechende Versicherung,
  • in Bayern sind es 21 Prozent,
  • in Thüringen 40 Prozent,
  • in Sachsen 42 Prozent.

Was aber können und müssen vom Hochwasser Betroffene jetzt tun? Ein Überblick:

Versicherungen

Auf Geld kann nur hoffen, wer eine sogenannte Elementarschadenversicherung abgeschlossen hat - einfache Wohngebäudeversicherungen greifen nur bei Feuer, Hagel, Sturm oder berstenden Wasserleitungen.

Hochwasseropfer müssen sich möglichst bald mit ihrer Versicherung in Verbindung setzen, nur dann kann der entstandene Schaden schnell reguliert werden. Mussten Versicherte ihre Häuser vorübergehend verlassen, reicht nach der Rückkehr eine erste Kontaktaufnahme per Telefon. Die ausführliche Schadensmeldung kann später folgen. Zerstörter Hausrat darf zudem nicht ohne Rücksprache mit dem Versicherer entsorgt werden. Das Unternehmen muss die Möglichkeit zur Begutachtung haben. Der Schaden sollte mit Fotos oder Videos dokumentiert werden. In der Regel werden auch Kosten für das Wegräumen und die Entsorgung beschädigter Gegenstände erstattet.

Mehrere Versicherungsunternehmen haben inzwischen Hotlines für Hochwasseropfer eingerichtet: Auf dieser Internetseite finden Kunden wichtige Nummern und Links der Versicherer.

Staatshilfe und Steuererleichterungen

Die Bundesregierung hat eine Soforthilfe von 100 Millionen Euro angekündigt und eine weitere Aufstockung in Aussicht gestellt. Angedacht ist ein Fluthilfefonds, der von Bund und Ländern gefüllt wird, ähnlich wie nach dem Hochwasser 2002.

Über die staatliche Förderbank KfW sollen Hilfen in Höhe von weiteren 100 Millionen Euro verteilt werden. Beispielsweise wird die KfW Kredite zu Zinssätzen von einem Prozent an betroffene Unternehmen und Kommunen vergeben. Private Hausbesitzer könnten einen Höchstbetrag von 50.000 Euro beantragen.

Bund und Länder haben zudem beschlossen, den Flutopfern mit Steuererleichterungen zu helfen. So können Betroffene die Kosten für die Wiederbeschaffung von Hausrat und Kleidung, die vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind, als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend machen. Die Bundessteuerberaterkammer (BStBK) rät Betroffenen von erheblichen Flutschäden, innerhalb einer Frist von vier Monaten einen Antrag auf Stundung und Anpassung der Vorauszahlung der Einkommen- und Körperschaftsteuer beim Finanzamt zu stellen.

Unternehmen können für ihre Mitarbeiter Kurzarbeitergeld beantragen, wenn sie vom Hochwasser betroffen sind. Voraussetzung ist, dass in dem Betrieb wegen des Hochwassers die Arbeit eingestellt werden muss. Bei Fragen zum Thema Kurzarbeitergeld können Betriebe die bundesweite kostenfreie Servicenummer 0800 455 55 20 anrufen.

Wie die Bundesländer helfen

Auch die Wirtschaftsminister der Länder sprachen sich für schnelle und unbürokratische Hilfen für vom Hochwasser betroffene Betriebe aus - allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten:

Thüringen: Die Landesregierung in Erfurt hat eine "Hochwasser-Soforthilfe" beschlossen: Wer Schäden an Häusern und Wohnungen von mindestens 2000 Euro hat, erhält 400 Euro Soforthilfe pro Erwachsenem und 250 Euro pro Kind, maximal 2000 Euro pro Haushalt. Allerdings gelten dafür bestimmte Einkommensgrenzen - bei zwei Personen sind es netto 36.000 Euro. Die Auszahlung werden die Städte und Gemeinden übernehmen, in denen die Betroffenen wohnen.

Baden-Württemberg: Die Kosten für die Wiederbepflanzung von landwirtschaftlich genutzten Flächen können steuerlich als sofort abziehbare Betriebsausgaben anerkannt werden, soweit dadurch keine Wertsteigerung des Grundstücks eintritt.

Bayern: Das bayerische Wirtschaftsministerium hat ein Soforthilfeprogramm aufgelegt: Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern erhalten bei einer Schadenshöhe von mehr als 5000 Euro bis zu 50 Prozent der Kosten für die Beseitigung der Schäden ersetzt. Die Abwicklung erfolgt durch die Kreisverwaltungsbehörden und ist auf nicht-versicherbare Schäden beschränkt. Bayern zahlt zudem derzeit jedem betroffenen Haushalt 1500 Euro "Sofortgeld" aus.

Sachsen: In Sachsen bekommen Flutgeschädigte derzeit 400 Euro für Erwachsene, Kinder bekommen 250 Euro - pro Haushalt allerdings maximal 2000 Euro. Auch in Not geratene Unternehmen können eine finanzielle Soforthilfe durch den Freistaat in Anspruch nehmen: Jedes betroffene Unternehmen erhält einmalig 1500 Euro "für die unmittelbare Schadensbeseitigung". Empfänger sind Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft und der Freien Berufe, die ihren Sitz oder ihre Betriebsstätte in einer vom Juni-Hochwasser 2013 betroffenen Gemeinde haben und deren Sitz oder Betriebsstätte geschädigt ist.

Sachsen-Anhalt: Die Landesregierung in Magdeburg hat zahlreiche Informationstelefone für Bürger eingerichtet. Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt hat außerdem eine Hotline für Unternehmer eingerichtet: Unter 0800 56 007 57 können Betroffene täglich (auch am Wochenende) zwischen 8 und 18 Uhr ihre Kontaktdaten und Angaben über Art und Höhe der Schäden melden. Die Soforthilfe für betroffene Bürger ist so hoch wie in Sachsen.

Spenden

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Deutschen zu Spenden für die Hochwasseropfer aufgerufen, viel scheint aber nicht zusammenzukommen. Wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) berichtet, waren bei der Hilfsorganisation bis Montag erst rund eine Million Euro zusammengekommen. Bei der Flut 2002 waren es insgesamt rund 140 Millionen Euro.

Bisher finanziert die Hilfsorganisationen mit dem Geld vor allem aktuelle Evakuierungen und Betten, Kissen und Decken für Notunterkünfte. Wenn nach der akuten Phase noch Spendengeld übrig ist, soll das auch in den Wiederaufbau gesteckt werden. Die Betroffenen müssten allerdings nachweisen, dass sie bedürftig sind und weder Hilfe vom Staat noch von Versicherungen bekommen.

Unter www.spendenantrag.de können die Betroffenen einen Antrag auf finanzielle Hilfe stellen - vorerst nur für Sachsen, später zusätzlich auch für Bayern und Sachsen-Anhalt.

Verbraucherzentralen

Auch die Verbraucherzentralen bieten Betroffenen Information und Unterstützung an. Ab Mittwoch, 9 Uhr, startet eine zentrale Hochwasser-Hotline für die Opfer der Überschwemmungen. Unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 100 3711 können sich montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr vom Hochwasser Betroffene beraten lassen.

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frubi 11.06.2013
1.
Zitat von sysopDPAEntlang der Deiche am Unterlauf der Elbe bangen die Bürger noch, im Osten und Süden Deutschlands räumen sie schon auf. Versichert ist nur eine Minderheit - doch dafür soll es zahlreiche staatliche Hilfen für alle Flutopfer geben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/hochwasser-2013-was-flutgeschaedigte-jetzt-tun-muessen-a-905122.html
Ob Spiegel-Redakteure wissen, was man nach einer Flut tun muss, kann man bezweifeln. Am ehesten wissen es wohl die Menschen, die bereits 2002 darunter zu leiden hatten und es gemeistert haben. Es wäre mal an der Zeit, die Versicherungen zu maßregeln, die diesen Menschen überteuerte Versicherungen andrehen. Zudem müssen endlich mal die Deiche so angepasst werden, dass so etwas nicht mehr oder nur geringfüger passieren kann. Und wehe die Bundesregierung spart an den Opfern. Wenn wir Milliarden für gierige Banken und ihre Bankster haben, dann sollten wir auch den Betroffenen helfen. Das ist ja wohl das mindesete. Vor allem weil unsere Politiker die Schuldenstände seit Jahren für Blödsinn in die Höhe treiben. Dann können wir auch weitere Schulden machen und was für die Menschen tun.
chip01 11.06.2013
2. Wer keine Versicherung
hat die dies abdeckt obwohl er in hochwassergefährlichen gebieten wohnt hat pech gehabt. ein paar euronen jeden monat mehr und der steuerzahler müsste dafür nicht aufkommen. Aber nach der wahl weiß keiner mehr was von hilfsmitteln für ALLE geldnehmer. Was zieht die leute auch an größere flüsse?
Andicole68 11.06.2013
3. Wie war das mit dem Banken-Rettungsschirm?
Zitat von sysopDPAEntlang der Deiche am Unterlauf der Elbe bangen die Bürger noch, im Osten und Süden Deutschlands räumen sie schon auf. Versichert ist nur eine Minderheit - doch dafür soll es zahlreiche staatliche Hilfen für alle Flutopfer geben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/hochwasser-2013-was-flutgeschaedigte-jetzt-tun-muessen-a-905122.html
Ich finde es blamabel, wenn die deutsche Regierung für die Rettung von Banken kurzfristig Milliarden auf den Tisch legen kann, aber für die Flutopfer nur 100 Millionen da sind. Pfui, schämt Euch, und hofft weiter auf die Spendenbereitschaft. So eine Verlogenheit....
Oelteichscheich 11.06.2013
4. Politiker sind dran mit spenden und Geld geben nicht mehr der Bürger.
Zitat von sysopDPAEntlang der Deiche am Unterlauf der Elbe bangen die Bürger noch, im Osten und Süden Deutschlands räumen sie schon auf. Versichert ist nur eine Minderheit - doch dafür soll es zahlreiche staatliche Hilfen für alle Flutopfer geben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/hochwasser-2013-was-flutgeschaedigte-jetzt-tun-muessen-a-905122.html
Spenden Bundespräsident Joachim Gauck hat die Deutschen zu Spenden für die Hochwasser-Opfer aufgerufen, viel scheint aber nicht zusammenzukommen. Wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) berichtet, waren bei der Hilfsorganisation bis Montag erst rund eine Million Euro zusammengekommen. Bei der Flut 2002 waren es insgesamt rund 140 Millionen Euro. Wer Milliarden für die Euro-Rettung, Bankenrettung und Südeuropa ausgibt muss auch Milliarden für die Hochwasseropfer ausgeben.
tz666 11.06.2013
5.
@ Chip 01 auch, oder besonders kleinere Flüsse, die nicht so viel Wasser transportieren können sind durchaus von den Überschwemmungen betroffen! Große Wassserwege, damit Binnenhäfen, altes Siedlungsgebiet, fruchtbare Böden, uralte Stadtgründungen und Arbeit, die Möglichkeit zum Bier/Weinanbau, große Städte wie Magdeburg und Halle, Hamburg und Berlin.... Solche Gründe ziehen die Menschen an die Flüsse, Schlaukopf!
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