Umlage führt zu Mehrkosten ab Herbst Was Gaskunden jetzt wissen müssen

Verbraucher sollen helfen, die Gasversorgung der kommenden Jahre sicherzustellen, und im Gegenzug vom Staat entlastet werden. Was zur geplanten Gasumlage bekannt ist – und was nicht.
Gas- und Wasseranschluss vor einem Haus (Symbolbild): Wie teuer wird die Umlage?

Gas- und Wasseranschluss vor einem Haus (Symbolbild): Wie teuer wird die Umlage?

Foto: Waldmüller / IMAGO

Russland liefert weniger Gas, deshalb müssen viele Importeure spontan teuren Ersatz beschaffen – was sie wiederum in finanzielle Schwierigkeiten bringt. Damit die Gasversorger nicht insolvent gehen, will die Bundesregierung im Herbst eine Umlage einführen, über die die hohen Einkaufspreise an Gaskundinnen und Gaskunden weitergegeben werden. Diese sollen im Gegenzug in anderen Lebensbereichen entlastet werden. Der Überblick.

Welche Kosten kommen auf Gaskunden zu?

Die Umlage wird die Gaspreise verteuern. Die genaue Höhe der Umlage soll aber wohl erst bis Mitte oder Ende August bekannt gegeben werden, hieß es aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums. Der zuständige Minister Robert Habeck (Grüne) hat aber angekündigt, dass die Umlage in der Spanne von 1,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde liegen soll. Zum Vergleich: Im Schnitt zahlten Haushaltskunden 2021 laut Bundesnetzagentur 6,68 Cent je Kilowattstunde Erdgas.

Ein viel zitiertes Rechenbeispiel geht davon aus, dass ein durchschnittlicher Vierpersonenhaushalt 20.000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht. Die Mehrkosten würden in diesem Fall wohl zwischen 300 Euro und 1000 Euro betragen. Damit ist die Rechnung aber noch nicht zu Ende: Dazu kommt noch die Mehrwertsteuer. Mit Steuer lägen die Mehrkosten in dem Beispiel zwischen 357 und 1190 Euro.

In der vergangenen Woche hatte Kanzler Olaf Scholz noch von geringeren Kosten gesprochen: Bei einer Erhöhung der Gaspreise um zwei Cent pro Kilowattstunde würde eine vierköpfige Familie jährlich mit 200 oder 300 Euro zusätzlich belastet, hatte Scholz gesagt.

Bei der Umlage enden die Mehrkosten aber nicht: Expertinnen und Experten rechnen damit, dass die Versorger nach und nach ihre Preise anheben – und dass die Preise auch in den kommenden Jahren hoch sein werden. Die Umlage kommt dann noch obendrauf. Etwa die Hälfte aller Wohnungen in Deutschland wird mit Gas beheizt. Die Umlage zahlen aber nicht nur Privathaushalte, sondern auch Firmen.

Wovon hängt die finale Höhe der Umlage ab?

Das richtet sich danach, welche Ansprüche die Gasimporteure geltend machen. Geplant ist nach früheren Angaben, dass Importeure 90 Prozent der höheren Beschaffungskosten weiterreichen können. Dabei soll der gleiche Betrag pro Kilowattstunde für alle Kunden gelten, unabhängig davon, wo sie ihren Vertrag abgeschlossen haben.

Ab wann und wie lange gilt die Umlage?

Bis Ende September müssen die Importeure ihre Kosten noch selbst tragen. Die Umlage tritt wahrscheinlich zum 1. Oktober in Kraft und soll nach aktuellem Stand eineinhalb Jahre gelten, also bis Ende März 2024.

Wer profitiert von der Umlage?

Die Umlage soll Unternehmen entlasten, die von den Kürzungen der russischen Gaslieferungen betroffen sind. Das soll die Wirtschaft stabilisieren. Ohne die Umlage »wären Gasversorgungsunternehmen in der gesamten Lieferkette gefährdet«, hieß es aus dem Ministerium. Der Ausgleichsanspruch soll dabei offenbar nur für den Kauf von Importmengen gelten, die vor dem 1. Mai 2022 vertraglich festgelegt wurden, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Der Bundeswirtschaftsminister versprach, dass die Angaben der Unternehmen genau geprüft würden. »Es wird auch nachgerechnet werden«, sagte Habeck. »Also wir werden verhindern, dass da irgendein Schmu passiert.«

Welche Entlastungen plant die Bundesregierung für Gaskunden?

Die Bundesregierung will die Betroffenen über mehrere Wege entlasten – die Diskussion darüber ist aber noch nicht abgeschlossen. Bisher ist etwa bekannt, dass ab Anfang kommenden Jahres eine Wohngeldreform in Kraft treten soll. Über sie soll der Kreis der berechtigten Haushalte ausgeweitet und eine Heizkostenpauschale »gewissermaßen dauerhaft« integriert werden, hatte Bundeskanzler Scholz gesagt. Insbesondere Rentnerinnen und Rentner sollen demnach profitieren. Bei den Unterstützungsmöglichkeiten für Studierende sollen laut Scholz Heizkostenzuschüsse mit untergebracht werden.

Zusätzlich sollen Mieter, die wegen der hohen Energiekosten in finanzielle Schwierigkeiten geraten, Scholz zufolge rechtlich geschützt werden. Laut der »Bild«-Zeitung diskutiert die Bundesregierung auch über Hilfen für Menschen, die ihre gestiegenen Gasrechnungen nicht bezahlen können (lesen Sie hier mehr dazu). Scholz verwies auch auf die Einführung des Bürgergelds , das ab Januar Hartz IV ablösen soll.

Andere Maßnahmen werden derzeit noch kontrovers diskutiert, beispielsweise Prämien für Haushalte, die besonders viel Gas sparen. Und vor dem Hintergrund der allgemein hohen Inflation hatte Finanzminister Christian Lindner (FDP) eine Steuersenkung und ein höheres Kindergeld ins Spiel gebracht. Die Debatte über staatliche Hilfen in der Gaskrise sei außerdem eine sehr deutsche, schreibt Kolumnistin Sabine Rennefanz im SPIEGEL – in Großbritannien rufe kaum jemand nach Entlastungspaketen.

Ab wann sollen die Entlastungen gelten?

Diese Frage ist eine der Knackpunkte – Verbraucherschützer befürchten, dass die geplanten Entlastungen für viele Menschen in finanzieller Not zu spät kommen: Der Bundeskanzler habe mögliche Hilfen erst fürs nächste Jahr in Aussicht gestellt und bisherige Hilfen wie das 9-Euro-Ticket liefen im Herbst aus, sagte die Vorständin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) Ramona Pop der Funke-Mediengruppe. »Da klafft eine große Gerechtigkeitslücke, so geht das nicht.«

Finanzminister Lindner sieht das anders. Er will weitere Entlastungen frühestens 2023 einführen, weil der Bundeshaushalt nicht mehr viel Spielraum habe.

Was können Verbraucherinnen und Verbraucher jetzt tun?

»Geld zur Seite legen und Energie sparen«, rät der Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Udo Sieverding. Er hält es für möglich, dass mit der nächsten Abrechnung die Abschläge auf das Drei- bis Vierfache angehoben werden. Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sagte: »Je mehr Gas heute schon eingespart wird, desto mehr können wir für die Speicherbefüllung nutzen.«

»Die Preise werden für längere Zeit hoch bleiben«, warnt Ökonomin Veronika Grimm im SPIEGEL . »Das ist kein Tal wie die Coronakrise, über das man den Leuten hinüberhelfen kann.«

Der Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) empfiehlt, wo es geht umfangreiche Maßnahmen wie einen hydraulischen Abgleich der Heizungsanlage oder eine Wartung. Von Heizlüftern raten zwei Verbände hingegen ab: Diese seien nicht nur teuer, sondern könnten im schlimmsten Fall im Winter zu lokalen Stromausfällen führen (lesen Sie hier mehr).

Mehr Energiespartipps sehen Sie im Video:

DER SPIEGEL

Die Wissenschaftlerin Silvana Tiedeman und der Wissenschaftler Lion Hirth rieten Verbrauchern im SPIEGEL auch zu einfachen Maßnahmen: »Stoßlüften statt Fenster kippen, nachts und bei Abwesenheit die Heizung ausstellen, wenig genutzte Räume kühler lassen, Duschen statt Baden, Sparduschkopf und intelligente Heizköperthermostate installieren sowie die Wohnungstemperatur um wenige Grad reduzieren.«

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa

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