Hermann-Josef Tenhagen

Homeoffice wegen Corona Wie Sie zu Hause sitzen und dabei Geld verdienen

Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Auch wegen der Epidemie im Homeoffice? Die Zeit, die Sie für den Weg zur Arbeit sparen, können Sie sinnvoll einsetzen: um die privaten Finanzen zu ordnen - und unnütze Ausgaben zu stoppen.
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Daniel Naupold/ dpa

Corona hat das Land im Griff. Die Zahl der Infizierten steigt täglich, die Börsen fallen stündlich und die politischen Maßnahmen, um die Epidemie zu bremsen, werden immer schärfer. Der Anstieg der Infiziertenzahl soll um fast jeden Preis verlangsamt werden. Vor allem um zu verhindern, dass Ärzte und Krankenhäuser total überfordert sind.

Wenn Sie zu Hause bleiben müssen oder können, nutzen Sie die Zeit, um mindestens finanziell besser Vorsorge zu treffen für ein raues Jahr.

Um es vorweg zu sagen: Zu Hause zu bleiben, physische Kontakte zu vermindern, das ist natürlich richtig und sollte helfen, die Epidemie zu bremsen. Es braucht dort jetzt eine Vollbremsung. Sonst drohen italienische Verhältnisse . Stellen Sie sich einfach vor, Ihre Eltern sind im Pflegeheim, dort tritt ein Corona-Fall auf - und keine Pflegekraft geht mehr arbeiten. Oder Sie haben einen Herzinfarkt, alle Intensivbetten im Krankenhaus sind mit Corona-Patienten belegt, und Sie werden auf dem Krankenhausflur geparkt.

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Micha Kirsten / Finanztip

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »Tageszeitung«. Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Viele Menschen können inzwischen zu Hause arbeiten - im Homeoffice. Und immer mehr Firmen entdecken, dass dies auch bei ihrer Belegschaft funktioniert. Bei "Finanztip" sind wir als Internetfirma seit Mittwoch weitestgehend im Homeoffice.

Sagen Sie es Ihrem Chef nicht weiter, aber das schafft auch Möglichkeiten, sich ums private Finanzielle zu kümmern. Kein schlechtes Gewissen. Schließlich sparen Sie jeden Tag die Zeit, die Sie sonst für den Weg zur Arbeit benötigen.

  • Die augenfälligste Möglichkeit ergibt sich für Hausbesitzer mit Heizöltank. Lassen Sie den Tank jetzt auffüllen. Im Frühjahr 2019 betrug der Preis für einen Liter 68 Cent, seit dem vergangenen Wochenende im Bundesschnitt knapp 54 Cent. Bei 3000 Liter Tankfüllung sind das 420 Euro Unterschied. Zusätzliches Schmankerl: Die Bestellung von Heizöl fällt unter das Fernabsatzgesetz. Wer Heizöl vor 10 Tagen teuer bestellt hat, könnte den Vertrag noch widerrufen. Die Frist beträgt 14 Tage, jedenfalls solange das Heizöl noch nicht geliefert ist. 2020 volltanken ist ohnehin sinnvoll. Im kommenden Jahr wird es schon wegen der CO2-Steuer teurer

  • Kontrollieren Sie Ihren Stromanbieter. Im Frühjahr haben Hunderte Anbieter ihre Preise erhöht. Eine solche Preiserhöhung gibt ihnen in jedem Fall ein Sonderkündigungsrecht, hier der Musterbrief .

  • Ein Drittel der Stromkunden hat noch nie gewechselt und bezahlt immer noch den teuren Grundtarif. Gehören Sie dazu? Ändern Sie das. Singles können prozentual besonders viel sparen. Ihr Preis liegt inklusive aller Nebenkosten oft bei 50 Cent pro Kilowattstunde (kWh) 

Das waren die einfachsten und effektivsten Themen. Sie haben noch mehr Zeit? Dann nehmen Sie sich den Ordner mit Ihren Kontoauszügen vor und flöhen Sie mal so richtig durch .

  • Sie bezahlen Verträge, an die Sie sich gar nicht mehr erinnern? Raus damit!

  • Sie bezahlen Abos für Zeitschriften und Zeitungen, die immer im Altpapier landen. Ende Gelände!

  • Sie besuchen das Fitnessstudio ohnehin nicht - und jetzt erst recht nicht? Wann können Sie den Vertrag kündigen? Weg mit der Hantel-Prämie!

  • Sie bezahlen immer noch den teuren Handyvertrag mit 20 Euro extra für das neue superschicke, teure Handy? Der Aufpreis läuft doch eigentlich nur 24 Monate, und Sie sind schon seit 30 Monaten dabei - Schluss damit! Ein Vertrag ohne Handy spart vielleicht 30 Euro im Monat. Haben Sie einen Vertrag mit zwei Jahren Mindestlaufzeit, lohnt es sich praktisch immer, ihn gleich zum Ende dieser Frist zu kündigen .

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Wenn Sie richtig in Schwung sind, nehmen Sie sich die nächsten dicken Brocken vor.

  • Sie haben Ihre Bankfiliale seit Monaten nicht besucht außer zum Geldabheben? Dann sollten Sie mindestens zum günstigeren Online-Konto Ihrer bisherigen Bank wechseln - oder gleich zu einem kostenlosen Girokonto einer anderen Bank. Bei Anbietern wie DKB und Consors kostet ein Girokonto noch immer keinerlei Kontoführungsgebühren .

  • Der Ratenkredit fürs Auto kostet noch fünf Prozent? Dabei gibt es den inzwischen auch für drei Prozent. Und sie können jederzeit umschulden, wenn Sie den neuen preiswerteren Kredit gefunden haben. Ratenkredite fürs Auto sind immer besonders günstig, weil die Bank ja als Sicherheit Ihr Auto hat .

  • Prüfen Sie den Preis Ihrer Hausratversicherung. Die Versicherer geben in dieser Sparte nur 40 Cent von jedem eingenommenen Euro für Schäden aus. Mit Portalen können Sie inzwischen gut die Preise vergleichen. Sie werden sehen: Es geht oft deutlich günstiger, in Ettlingen in Baden-Württemberg fanden wir guten Versicherungsschutz für eine 80-Quadratmeter-Wohnung für unter 50 Euro .

Und damit zum Abschluss drei finanziell besonders wirkungsvolle Aufgaben für all jene, die besonders eng mit ihren Finanzen sind.

  • Beantragen Sie Wohngeld! Bis zu zwei Drittel aller Berechtigten tun das nicht. Und lassen womöglich 200 Euro im Monat liegen. Geld, das Ihnen zusteht. Den besten Rechner für den Schnellcheck bundesweit bietet der Berliner Senat . Aber Achtung, in vielen Gemeinden gibt es deutlich mehr Geld, weil die Mieten höher sind als in Berlin.

  • Wer Wohngeld bezieht, hat oft auch ein Anrecht auf Kinderzuschlag. Bis zu 185 Euro pro Kind und Monat sind drin .

Und zu guter Letzt: die Steuer. Okay, das dauert jetzt vielleicht etwas länger. Ist aber mit der richtigen Steuersoftware längst kein Hexenwerk mehr. Alle Arbeitnehmer sollten sich grundsätzlich ihre zu viel gezahlten Steuern zurückholen .

Jetzt haben Sie Zeit, die Unterlagen zusammenzustellen, die Steuererklärung online zum ersten Mal auch selbst zu machen. Entfernungspauschale, Handwerkerkosten, haushaltsnahe Dienstleistungen. Im Schnitt waren in der Vergangenheit 1000 Euro im Jahr drin . Sie können das auch.  

Natürlich wollen Sie nicht die ganze Zeit zu Hause mit Sparen verbringen. Denken Sie auch schon an die langen Abende, die auf Sie zukommen. Besuchen Sie also schnell noch Ihre Stadtbücherei. Auch Ihre Kinder werden bald viel mehr zu Hause sein (müssen). Lesen beugt der Langeweile vor, Filme und Hörspiele gibt es dort meist auch auszuleihen.

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