Honorarstreit Ärzte versagen Patienten den Service

Bonushefte werden nicht ausgefüllt, Anfragen der Krankenkassen ignoriert: Patienten sind von Anfang an die Leidtragenden des Protests deutscher Kassenärzte für höhere Honorare. Ab Montag wird der Service eingeschränkt, und die Mediziner drohen: "Das ist nur der Anfang."

Ärzte: Protestwelle im Honorarstreit
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Ärzte: Protestwelle im Honorarstreit


Berlin - Deutschlands Kassenärzte protestieren ab Montag gegen die Honorarvorstellungen der Krankenkassen - zu Lasten der Patienten: Zunächst wollen sie keine Bonushefte mehr ausfüllen, keine schriftlichen Anfragen der Krankenkassen mehr beantworten und Gespräche mit Kassenmitarbeitern nur noch vor 8 und nach 20 Uhr führen. Bei den Rückfragen geht es unter anderem um Kuren und Reha-Maßnahmen für Patienten.

Weitere Einschränkungen des Services werden folgen. "Das ist nur der Anfang", schrieben die regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen und ihre Bundesvereinigung KBV am Freitag in einem Brief an die Mediziner.

Nach der nächsten Verhandlungsrunde mit den Kassen am 15. September zeige sich, ob die Proteste völlig eskalieren, sagte die KBV. Ihr Chef Andreas Köhler mahnt: "Das Maß ist voll." Geplant sei ein breites Potpourri an gestaffelten Aktionen in den Praxen. "Woche für Woche wird es gezielte Maßnahmen geben."

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, sagte der "Welt": "Keiner sollte glauben, dieser Konflikt ist schnell vorbei." Ohne Einlenken der Kassen werde die Auseinandersetzung härter und länger. "Ich fordere die Krankenkassen auf, wieder Verhandlungsfähigkeit zu zeigen und ein neues und höheres Angebot vorzulegen." Dann könne der Konflikt schnell entschärft werden. Andernfalls könnten am Ende Praxisschließungen stehen.

Die KBV war in dem für die Honorare entscheidenden Gremium, dem Erweiterten Bewertungsausschuss, mit ihrer Forderung nach 3,5 Milliarden Euro mehr für 2013 nicht durchgekommen. Geboten wurden 270 Millionen Euro mehr. Den Kassen sind die Forderungen der Ärzte zu hoch. Sie "waren von Anfang an total überzogen", sagte der Aufsichtsratschef des AOK-Verbands, Volker Hansen.

ssu/dpa

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