Hotline-Abzocke Firmen parken Kunden minutenlang in Warteschleifen

Die Debatte um lange Wartezeiten in Telefonhotlines war hitzig, doch genützt hat sie bislang offenbar wenig: Einer neuen Erhebung zufolge hängen Verbraucher bei einigen Unternehmen noch immer minutenlang in der Warteschleife - vor allem Billigflieger fielen negativ auf.

Headset: Debatte um lange Hotline-Wartezeiten
DPA

Headset: Debatte um lange Hotline-Wartezeiten


Saarbrücken - Seit Monaten diskutieren Regierung und Opposition darüber, wie man Verbraucher besser vor langen Wartezeiten in Telefon-Warteschleifen schützen kann. Ilse Aigner (CSU) sprach sich unlängst für eine Art Abzocke-Verbot aus. Doch genützt hat das offenbar wenig: Wie die "Saarbrücker Zeitung" unter Berufung auf eine neue Erhebung der Grünen-Bundestagsfraktion berichtet, haben nur wenige Konzerne verbraucherfreundlich auf die Debatte über die teuren Hotlines reagiert.

Demnach wurden von den Grünen erneut 40 namhafte Unternehmen mit einer 0180-Servicenummer für 14 Cent pro Minute getestet. Insgesamt 700 Testanrufe wurden durchgeführt. Bei 45 Prozent der Firmen hingen die Testanrufer mehr als eineinhalb Minuten in der Warteschleife. Spitzenreiter waren laut Erhebung debitel und Alice mit Wartezeiten von drei bis sechs Minuten. Bei der DAK, Miele und der Telekom dauerte indes eine Verbindung mit einem Berater nur wenige Sekunden.

Zunächst hatten die Grünen auch Kabel Deutschland unter den negativ getesteten Unternehmen genannt. Später hat die Bundestagsfraktion die Angaben korrigiert und mitgeteilt, dass Servicenummern von Kabel Deutschland nicht dabei waren. Eine Unternehmenssprecherin teilte mit, man biete den Kunden bei sämtlichen technischen Fragen eine kostenlos Hotline an: "Die in dem Test genutzte 0180-Telefonnummer gehört einem Gerätehersteller von WLAN-Routern und wurde Kabel Deutschland versehentlich zugewiesen."

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn sagte: "Lange Warteschleifen scheinen bei vielen Unternehmen zum Geschäftsmodell zu gehören." Bei den deutlich teureren 0900-Nummern mit Minutenpreisen bis zu drei Euro seien neben einigen Handy-Vertrags-Anbietern erneut Billigflieger wie RyanAir und EasyJet negativ aufgefallen. Die besonders schwarzen Schafe der ersten Erhebung vom Dezember (1&1, O2) hätten hingegen ihre teuren Hotlines inzwischen umgestellt.

Am Donnerstag wird der Bundestag über einen Antrag zu einer gesetzlichen Regelung von kostenfreien Warteschleifen abstimmen.

Anmerkung der Redaktion: In einer älteren Version dieses Textes hieß es, dass auch Kabel Deutschland unter den negativ getesteten Unternehmen sei. Mittlerweile haben die Grünen ihre Angaben korrigiert.

ssu/ddp



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zalog 05.05.2010
1. Lufthansa fehlt!
Zitat von sysopDie Debatte um zu lange Wartezeiten in Telefonhotlines war heftig, doch genützt hat sie bislang offenbar wenig: Einer neuen Erhebung zufolge, hängen Verbraucher bei einigen Unternehmen noch immer minutenlang in der Warteschleife - vor allem Billigflieger fielen negativ auf. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,693048,00.html
Na ja, dann darf man Lufthansa jetzt also auch zu den "Billigfliegern" zählen. Dort holt man gerade einen Teil der Verluste, die durch die Aschewolke entstanden sind, wieder durch die Anrufe der Fluggäste rein. Bei Fluggesellschaften ist dabei besonders ärgerlich, dass man häufig unterwegs ist, wenn Probleme auftauchen. D.h. man darf auch noch die Handy- oder Auslandstarife bezahlen.
Munku 05.05.2010
2. Gesprächszeit
Dabei wäre es doch ein leichtes, nur die tatsächliche Gesprächszeit mit einem Mitarbeiter zu berechnen, und nicht die Zeit in Warteschleifen oder absichtlich endlos langen Telefoncomputern.
sic tacuisses 05.05.2010
3. Sie haben es nicht verstanden:
Zitat von MunkuDabei wäre es doch ein leichtes, nur die tatsächliche Gesprächszeit mit einem Mitarbeiter zu berechnen, und nicht die Zeit in Warteschleifen oder absichtlich endlos langen Telefoncomputern.
Damit wird richtig viel Geld verdient. Der tumbe Kunde kann ja blechen. Schließlich will er ja was von uns und nicht umgekehrt..................
runzel 05.05.2010
4. Abzocke
Natürlich ist das Abzocke. Da muss man gar nicht groß diskutieren. Dienstleister die von ihren Kunden Geld wollen, wenn sie eine Frage oder ein Problem mit dem Produkt haben, sehen einfach nur eine Möglichkeit mehr Geld zu scheffeln.
happy2009 05.05.2010
5. Diskussionswert für den Mülleimer
Man müsste lediglich Gebühren ab Telefonkontkt berechnen dürfen, nicht fürs warten Schon erledigt , der Fall Aber anscheinend brauchts dazu auch 10 Minister
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