Hypo Real Estate Ex-Aktionäre können nach Urteil auf Schadensersatz hoffen

Ehemalige Aktionäre der HRE haben in einem Musterprozess einen Sieg gegen die Krisenbank errungen. Die Anleger können nun auf Schadensersatz hoffen - allerdings müssen darüber weitere Gerichte entscheiden.
Ex-HRE-Chef Funke im Jahr 2007: Anleger über desaströse Lage getäuscht

Ex-HRE-Chef Funke im Jahr 2007: Anleger über desaströse Lage getäuscht

Foto: Matthias Schrader/ picture alliance / dpa

München - Der verstaatlichten Krisenbank Hypo Real Estate (HRE) drohen Schadensersatzzahlungen an frühere Investoren. Dabei geht es um Beträge in dreistelliger Millionenhöhe. Das Oberlandesgericht München entschied in einem Musterprozess, die Bank habe Anleger in der Finanzkrise über ihre desaströse Lage getäuscht. Die HRE habe unter anderem am 3. August 2007 eine unwahre Pressemitteilung veröffentlicht und später ihre Bilanz manipuliert, sagte Richter Guido Kotschy. Der frühere HRE-Chef Georg Funke, der in dem Prozess ebenfalls verklagt wurde, war nicht vor Gericht erschienen.

Die Bank kündigte an, dass sie die Entscheidung vor dem Bundesgerichtshof (BGH) anfechten werde.

Das Oberlandesgericht hatte sich anhand eines Musterfalls gebündelt mit den wichtigsten Fragen befasst. Es liefert damit einigen Hundert Investoren eine Grundlage für Schadensersatzprozesse, in denen die Anleger ihre Einzelansprüche allerdings noch durchfechten müssen. Aktionäre, die ihre Anteile zwischen dem 3. August 2007 und 15. Januar 2008 gekauft haben, haben mit dem Urteil eine Grundlage für Schadensersatzforderungen.

Den Bund als Eigentümer der HRE könnte das heutige Urteil viel Geld kosten. Der Anwalt der Kläger sprach von einer Summe von mehr als einer halben Milliarde Euro. Gefordert hatten die Kläger ursprünglich sogar mehr als eine Milliarde Euro. Das Gericht grenzte die Ansprüche aber zeitlich bis Mitte Januar 2008 ein, da die Bank an dem Tag per Pflichtmitteilung über ihre Probleme informiert hatte.

Der Beinahe-Zusammenbruch der HRE war eines der dramatischsten Kapitel der Finanzkrise. Als der Immobilienfinanzierer am 15. Januar 2008 unerwartet hohe Abschreibungen auf US-Wertpapiere bekannt gab, brachen die damals im deutschen Leitindex Dax gelisteten HRE-Aktien um 35 Prozent ein. Weil die HRE weitere Banken in die Pleite zu reißen drohte, sprang der Bund ein. Mit weit über 100 Milliarden Euro an Steuergeldern rettete er das Münchner Institut und brachte es schließlich unter seine Kontrolle.

Die Staatsanwaltschaft strebt auch einen Strafprozess gegen den früheren Vorstandschef Funke an. Die Anklage liegt zur Prüfung beim Landgericht München.

mmq/dpa/Reuters
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