Wegen hoher Inflation Britische Supermarktkette bietet Lebensmittelkauf auf Kredit an

Immer mehr Menschen in Großbritannien haben Schwierigkeiten, alltägliche Dinge wie Lebensmittel zu bezahlen. Ein Discounter bietet seinen Kunden nun zinslose Darlehen an. Inkassobüros sollen sie nicht fürchten müssen.
Gemüseabteilung eines Supermarktes in London (Symbolbild)

Gemüseabteilung eines Supermarktes in London (Symbolbild)

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Aaron Chown / dpa

Die britische Supermarktkette Iceland Foods bietet ihren Kunden angesichts der extrem hohen Inflation zinslose Kredite für den Kauf von Lebensmitteln an. Das Programm richtet sich an arme Haushalte, die mit den steigenden Lebenshaltungskosten zu kämpfen haben, teilte das Unternehmen mit.

Finanziell schwachen Kunden sollen dabei über vorinstallierte Karten kleine Darlehen in Höhe von 25 bis 100 Pfund (30 bis 119 Euro) gewährt werden, die einmal pro Woche zurückgezahlt werden können. Die Supermarktkette arbeitet dabei mit dem gemeinnützigen Kreditgeber Fair For You zusammen.

»Mehr denn je haben die Menschen während dieser unerbittlichen Krise bei den Lebenshaltungskosten Schwierigkeiten, dringend benötigte Dinge des täglichen Lebens zu kaufen«, sagte Richard Walker, Geschäftsführer von Iceland Foods. »Es bedarf eines neuen Denkens seitens der Wirtschaft und der Regierung, um praktikable Lösungen zu finden.«

Inflation bei 10,1 Prozent

Das Kreditsystem soll Iceland zufolge flexible Rückzahlungsprogramme beinhalten. Die Kreditnehmer sollen nicht von Inkassobüros belästigt werden, versprach Walker im Sender Sky News. Auch würden die Forderungen nicht an Dritte weiterverkauft. Iceland zufolge baut das neue Programm auf einem erfolgreichen Pilotprojekt mit 5000 Kunden auf. Fast drei Viertel von ihnen gaben an, dass sie dadurch seltener mit ihren Rechnungen in Verzug gerieten. Die Darlehen sollen auf sechs Zeitfenster im Jahr begrenzt werden.

Das ungewöhnliche Programm kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Inflation in Großbritannien auf einem 40-Jahres-Hoch liegt: Waren und Dienstleistungen kosteten im Juli durchschnittlich 10,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Grund für die hohe Inflation sei im Juli vor allem der Anstieg der Lebensmittelpreise gewesen, so die Statistiker. Brot, Frühstücksflocken, Milch, Käse und Eier waren deutlich teurer. Auch die Preise für Energie legten weiter stark zu. Die britische Zentralbank rechnet mit Inflationsraten von bis zu 13 Prozent in diesem Jahr. Seit Monaten schon melden die Statistiker in London immer neue 40-Jahres-Hochs bei der Preisentwicklung.

Die Bank of England prognostiziert zudem einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in jedem Quartal ab Ende 2022 bis Ende 2023. Auch das Wachstum danach werde »sehr schwach« ausfallen. Sie hat im Kampf gegen die hohe Inflation bereits die Leitzinsen um 0,5 Punkte auf 1,75 Prozent erhöht.

hej/Reuters
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