Tuning von Ikea-Möbeln Rallyestreifen fürs Regal

Sie nennen es "Ikea-Hacking". Junge Designer verpassen den Möbeln des schwedischen Einrichters mit frischen Farben und grellen Bezügen eine neue Note. Ganz billig ist das Tuning für Billy und Expedit nicht.

Mykea

München - Schon mit fünf Jahren war der Besuch bei Ikea für Marilen Hoffstaedter das Größte. Die Liebe zu den schlichten Schweden-Möbeln hielt auch noch im Studium, doch die angehende Architektin vermisste das Besondere: "Alle Wohnungen unserer Freunde waren mit Ikea ausgestattet - und alle sahen gleich aus." Also bekam das Billy in ihrer Bude bunte Leisten, für ihre Bilderrahmen bastelte sie Passepartouts und nähte ausgefallene Bezüge für ihr Sofa. "Viele meiner Freunde sagten: Das ist so cool, mach doch was draus."

2011 gründete die Münchnerin Saustark Design. Über ihren Online-Laden verkauft sie seitdem Bezüge für 125 unterschiedliche Ikea-Möbel, rund hundert Stoffe hat sie im Angebot. Dazu Möbelfüße, die wie abstrakte Plastiken anmuten. "Manche verkaufen Hüllen nur für Apple-Produkte, es gibt Tuning-Läden extra für BMW. Wir machen das Gleiche für Ikea."

Damit sind Hoffstaedter und ihre fünf Mitarbeiter nicht die einzigen: Professionelles "Ikea-Hacking" ist im Trend. Mykea aus Amsterdam etwa verkauft Design-Aufkleber für Schränke, Regale, Betten und Tische. Die Schweden von Prettypegs haben sich auf Füße und Griffe spezialisiert, New Swedish Design aus Potsdam baut Möbel-Add-Ons, mit denen man Billy in ein Schuh- und Expedit in ein Weinregal verwandeln kann.

Die Norm-Möbel sind ein Graus für Einrichtungsindividualisten

Es gibt wenige Marken, die so hell strahlen, dass gleich eine ganze Schar von Unternehmer mit speziell auf sie abgestimmten Produkten um sie kreist. Ikea hat dieses Potential, gerade in Deutschland. Von Klippan aus sehen die Deutschen fern, sie sitzen auf Ivar, um von Norden zu essen und lümmeln sich danach zum Lesen auf Poäng. Deutschland ist der wichtigste Markt für die Schweden, noch vor den USA. Jeden siebten Euro setzte der Weltkonzern 2013 hier um.

Dass Ikea in Massen produziert und verkauft, hält die Preise niedrig. Für Einrichtungsindividualisten sind die Norm-Möbel ein Graus, für Hoffstaedter dagegen ein riesiger Markt: "In jedem zweiten Haushalt", so schätzt sie, "steht ein Sofa, das man aufpeppen kann." Anfangs verkaufte sie einen Bezug in zwei Monaten, inzwischen lässt sie die Stoffe in Polen zusammennähen und verschickt jeden Monat rund 300 Bezüge.

Ikea selbst beobachtet die Möbel-Tuner wohlwollend. "Unsere Kunden haben Ikea-Möbel schon immer ihren Wünschen angepasst. Warum sollte man daraus nicht auch ein Geschäft machen?", sagt Sprecherin Sabine Nold. Lediglich mit der Garantie könne es Probleme geben: Wenn eine Verschönerung ein Möbelstück stark verändere, entfalle sie unter Umständen.

Zudem haben die Verschönerungen ihren Preis: Wer seinen 280-Euro-Sessel in einen Bezug von Saustark Design kleiden will, muss je nach Stoff noch einmal rund die Hälfte des Preises drauflegen. Bei den Wettbewerbern ist es ähnlich: Die Mykea-Aufkleber für die Malm-Kommode kostet fast so viel wie das Möbelstück selbst, beim Billig-Beistelltisch Lack ist die Verschönerung sogar teurer als das Produkt selbst.

Das ist anderen Tunern aber auch nicht fremd: Es soll Autos geben, bei denen die neuen Leichtmetallfelgen mehr wert sind als der Rest des Wagens.



insgesamt 22 Beiträge
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Rockaxe 21.03.2014
1. Na ja,
Zitat von sysopMykeaSie nennen es "Ikea-Hacking". Junge Designer verpassen den Möbeln des schwedischen Einrichters mit frischen Farben und grellen Bezügen eine neue Note. Ganz billig ist das Tuning für Billy und Expedit nicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/ikea-start-ups-bieten-tuning-fuer-moebel-wie-billy-klippan-expedit-a-958287.html
eine ganz nette Idee, mehr aber auch nicht. Unter dem Strich nichts was ein halbwegs talentierter Heimwerker nicht auch könnte. Zudem gibt es im gut ausgestatteten Baumarkt der eigenen Wahl, Möbeltattoos, andere Füße etc. Vielleicht nicht passgenau für die Möbel von Ikea, aber die Bequemlichkeit muss man(n) eben bezahlen. Unter dem Strich doch eher Werbung für die Anbieter der Sachen als ein wirklicher Artikel.
koshernostra 21.03.2014
2. Man könnte allerdings auch ...
mal bei einem Möbeltischler anfragen, besonders bei Systemregalen. Sind nur wenig teurer als getunte Billy-Regale und passen dazu auch noch genau. Und die Aufbauhilfe ist meist auch noch mit dabei.
bartholomew_simpson 21.03.2014
3.
Ein (überteuertes) Billigmöbel bleibt ein Billigmöbel, auch wenn es mit Aufklebern verschandelt ist. Schade ums Geld.
Sirko 21.03.2014
4. Verschönerung ist immer gut
Das sind wirklich schöne Verschönerungen von "Saustark Design" und "Mykea". Man muss Ikea ja zu Gute halten, dass das Design in den letzten Jahren stylischer geworden ist. Trotzdem ist es schöner individuelle Blickfänge im Zimmer stehen zu haben. Zum Preis kann ich nur sagen, dass es eben kaum möglich ist, so billig zu produzieren wie Ikea. Daher ist es nicht verwunderlich, dass gerade kleinere und mittelständische Unternehmen einfach mehr verlangen müssen, um Ihre Kosten für Produktion und Kreativität. Unser Erfahrung mit dem Label bSquary www.bsquary.com zeigt, dass man wenn man echtes Holz aus nachhaltiger Holzwirtschaft benutzt und in Europa produziert, einfach mehr finanziellen Aufwand hat. Dafür hat der Kunde dann aber auch ein sehr individuelles, stylischen Regal oder Möbel daheim.
stabilobacter 21.03.2014
5. werbung
Ist wenn man man ueber produkte informiert. Gute werbung infiormiert ueber neuigkeiten. Illegale werbung kommt als journalismus daher. Gruss s
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