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18. Juli 2017, 08:33 Uhr

Häuser und Wohnungen

So teuer sind Immobilien in Deutschlands Städten

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2016 sind die Immobilienpreise erneut kräftig gestiegen. Eine Auswertung zeigt, wie viel Haus- oder Wohnungskäufer wo bezahlen müssen.

2016 sind die Preise für Häuser und Wohnungen noch stärker gestiegen als in den Jahren zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift "Finanztest". Die Verbraucherorganisation beruft sich dabei auf das von Banken getragene Forschungsinstitut vdp Research, das bundesweit Kaufpreise auswertete.

Demnach zahlten Käufer für eine Eigentumswohnung Ende 2016 durchschnittlich sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Am stärksten stiegen die Preise in den Städten und Kreisen, in denen sie ohnehin schon am höchsten waren.

In München, der teuersten Stadt Deutschlands, kletterten die Preise für Eigentumswohnungen in sehr guter Lage am stärksten: um mehr als elf Prozent auf 9525 Euro pro Quadratmeter. Den zweithöchsten Preisanstieg verzeichnete Berlin mit ebenfalls mehr als elf Prozent.

In Hamburg kosteten Eigentumswohnungen in sehr guter Lage 7455 Euro pro Quadratmeter - der zweithöchste Wert in Deutschland. In der Hansestadt lohnte es sich aber, auch in guten (5505 Euro pro Quadratmeter) und in mittleren Lagen (4985 Euro) zu suchen. Die Preise waren dort im Vergleich zu sehr guten Lagen besonders günstig. Hamburg stand damit stellvertretend für eine weitere Entwicklung: In Großstädten kosten Wohnungen in Toplage oft 30 bis 50 Prozent mehr als in guten oder mittleren Lagen.

Die Grafik bietet einen Überblick über die Preise in fünf der teuersten Städte Deutschlands. Die Auswertung berücksichtigt Eigentumswohnungen, die im Jahr 2000 oder später gebaut oder vollständig saniert wurden und die eine Fläche von etwa 70 Quadratmetern haben. Klicken Sie auf die entsprechenden Felder, um die jeweiligen Preise für Immobilien mit sehr guter, guter, mittlerer und einfacher Ausstattung zu erfahren. Die kompletten Daten zu insgesamt 115 Städten und Kreisen gibt es bei "Finanztest".

Bei den Mieten zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei den Wohnungspreisen: Den höchsten Anstieg bei Neuvertragsmieten - bei sehr guter Lage und Ausstattung - gab es in München mit 6,4 Prozent, den zweithöchsten in Berlin mit sechs Prozent.

In München zahlten Mieter im Schnitt 30,10 Euro pro Quadratmeter - bundesweiter Spitzenwert. Auf Platz zwei folgte Frankfurt mit 26 Euro, am dritthöchsten waren die Mieten in Hamburg.

Auch die Kaufpreise für Einfamilienhäuser waren im Stadtgebiet von München mit 9145 Euro pro Quadratmeter am höchsten. Im Landkreis München lagen sie bei 6.860 Euro. Auf Platz drei: Stuttgart mit 6255 Euro.

Am stärksten stiegen die Preise für Einfamilienhäuser im Vergleich zum Vorjahr in Berlin mit 10,6 Prozent und - na klar - in München mit 9,7 Prozent.

Die niedrigen Zinsen und die Aussicht auf weiter steigende Preise stimmen viele Immobilienkäufer zuversichtlich. Zwar halten diese Trends weiter an. Die Stiftung Warentest warnt jedoch vor ungebremster Euphorie. Es mehrten sich die Stimmen, die vor einer Überhitzung des Immobilienmarkts warnen.

So schätzt die Bundesbank, dass die Haus- und Wohnungspreise in den Städten bereits 2016 um 15 bis 30 Prozent überhöht waren. Vorstand Andreas Dombret warnte jüngst davor, nur wegen der niedrigen Zinsen eine Immobilie zu kaufen. Harold Simons, Vorstand des Forschungsinstituts Empirica, wird laut "Finanztest" noch deutlicher: "Die Preise in den Top-A-Städten haben nunmehr ein Niveau erreicht, das fundamental in keiner Weise mehr zu rechtfertigen ist."

Das Fazit der Stiftung Warentest deshalb: Kaufen sollte man nur unter bestimmten Voraussetzungen. Ein Immobilienkauf lohne sich schon wegen der hohen Kaufnebenkosten nur langfristig. "Sie sollten sicher sein, dass Sie ihr eingesetztes Kapital in den nächsten 15 bis 20 Jahren nicht benötigen", heißt es in "Finanztest". Wer dies berücksichtige, müsse sich weniger Sorgen machen, falls die Preise vorübergehend sinken.

Wenn aber genug Eigenkapital zur Verfügung steht, gibt es laut Stiftung Warentest keinen Grund, einen geplanten Kauf aufzuschieben. "Solange die Zinsen niedrig bleiben, sind Immobilien trotz Preisanstiegs vielerorts noch erschwinglich." Die günstige Zinsentwicklung führe dazu, dass die Monatsbelastung nach dem Kauf kaum höher sei als bei einer Mietwohnung - Kredittilgung mit eingerechnet.

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