Abschreckend hohe Preise Die Deutschen träumen vom Einfamilienhaus – aber für ein Drittel ist der Traum unbezahlbar

Die Haus-Sehnsucht ist groß. Doch 34 Prozent der Deutschen mit Immobilienwunsch trauen sich wegen der hohen Kosten nicht, besagt eine neue Studie. Die Daten zeigen auch, warum manche Käufer den Schritt aufs Land bereuen.
Einfamilienhaus

Einfamilienhaus

Foto: Thomas Winz / Getty Images

Die hohe Inflation, der Mangel an Baumaterial, und jetzt steigen noch die Zinsen für Baukredite rasant: Der Erwerb einer Immobilie wird immer teurer. Im Januar konnten Hauskäufer noch mit einer eins vor dem Komma kalkulieren, inzwischen sind für einen Kredit mit Zehnjahresbindung mehr als drei Prozent fällig . Das bedeutet für viele Deutsche, dass sie ihren Traum vom Wohneigentum aufgeben: 34 Prozent derjenigen, die gerne eine eigene Immobilie hätten, trauen sich den Kauf wegen der hohen Preise derzeit nicht zu. Das geht aus einer Studie des Instituts Rheingold im Auftrag des Kreditvermittlers Interhyp hervor, 2200 Deutsche wurden dafür zu ihrer Wohnsituation und ihren etwaigen Immobilienplänen befragt.

Die Stimmung hat sich eingetrübt: Nur noch 68 Prozent der Deutschen wollen demnach ein Haus oder eine Eigentumswohnung – vier Prozentpunkte weniger als im vergangenen Jahr. Und denen, die ein Objekt ins Auge gefasst haben, rennt mit den steigenden Zinsen die Zeit davon: »Wir sehen in unserer Beratung, dass einige Kunden aktuell neu kalkulieren müssen«, sagt Mirjam Mohr, Interhyp-Vorständin für das Privatkundengeschäft. »Etwa, indem sie beim Kauf Kompromisse bei der Immobilie eingehen. Wir sehen auch, dass der eine oder die andere vom Kaufvorhaben Abstand nehmen. Das ist aber nicht die Regel.«

Was es in der Großstadt kostet – und was im Umland

Die Studie zeigt einmal mehr, dass das Wohnen im Speckgürtel der großen Städte für Viele attraktiv ist: Homeoffice auf der eigenen Terrasse, Videokonferenz mit den Füßen im Planschbecken. Nur 13 Prozent der Deutschen wollen in einer Großstadt leben, 57 Prozent bevorzugen das Dorf oder das Umland, 30 Prozent Klein- oder Mittelstädte.

Und natürlich spielt dabei nicht nur der Garten oder das großzügigere Grundstück eine Rolle, sondern auch das Geld: In der Studie sind Rechenbeispiele aufgeführt. Während der durchschnittliche Immobilienpreis (inklusive Nebenkosten, erstes Quartal 2022) laut Daten von Interhyp in Berlin bei 585.000 Euro liegt, ist er im Umland mit 526.000 Euro deutlich niedriger. Im Frankfurter Speckgürtel ist der Effekt noch größer: 747.000 Euro zu 623.000 Euro. Und in Hamburg: 750.000 Euro für Immobilien in Citylage, 558.000 Euro für Häuser außerhalb. »Hohe Kosten für das Wohnen sind der Hauptgrund für die Stadtflucht«, sagt Mohr.

Die Reue der Stadtflüchtenden

Aber wie zufrieden sind die Raus-aufs-Land-Zieher? Der Studie nach ist das Ergebnis eher durchwachsen: 47 Prozent sind nach eigenen Angaben glücklich, 42 Prozent allerdings sind nicht ganz so begeistert und könnten sich einen Umzug zurück gut vorstellen. Und immerhin sechs Prozent bereuen die Entscheidung und würden am liebsten sofort umziehen. Die häufigsten Gründe: Weniger Kontakt zu Freunden und Verwandten, 29 Prozent vermissen Kino und Theater, 19 Prozent hätten gerne mehr Auswahl beim Einkaufen. Und: Die mangelnde Anbindung zum Job ist ein großes Problem – darüber klagen 45 Prozent.

Operation Traumhaus

Was sich die Deutschen wünschen? Da hat sich nicht viel geändert: Ein Einfamilienhaus (64 Prozent) mit den 3G – Garten, Garage, Gäste-WC, so schreiben es die Expertinnen und Experten. Ein Land- oder Bauernhaus hätten gerne 24 Prozent, einen Bungalow wünschen sich 21 Prozent. Was sich der Deutsche unter Platz vorstellt? 100 bis 150 Quadratmeter.

Energie sparen? Ja, aber

Auch der Energiepreisschock zeigt in der Studie Wirkung: Für 62 Prozent der Befragten ist eine energiesparende Isolierung wichtig, das sind sechs Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr. Auch eine Solaranlage wünschen sich viele – die Realität sieht allerdings deutlich weniger nachhaltig aus: Isoliert ist die Immobilie nur in 15 Prozent der Fälle, eine Solaranlage findet sich nur bei elf Prozent auf dem Dach.

Und die Anschlussfinanzierung?

Die Zinsspirale hat Folgen auch für jene Immobilienbesitzer, die eine Anschlussfinanzierung brauchen. Zum Beispiel nach den ersten zehn Jahren, wenn der gesetzliche Anspruch auf Kündigung des Immobilienkredits greift. Schon lange vor Ablauf der Frist können sich Bankkunden ein sogenanntes Forward-Darlehen zu günstigeren Konditionen sichern – und damit zum Beispiel ihre monatliche Rate drücken. Aber das wird zunehmend schwieriger: »Der Anteil der Anschlussfinanzierungen an allen Finanzierungsabschlüssen ist stark gestiegen: Von 25 Prozent im Vorjahresdurchschnitt auf 33 Prozent im ersten Quartal 2022«, sagt Interhyp-Vorständin Mohr. Forward-Darlehen mit langen Vorlaufzeiten (drei Jahre und mehr) sind dabei besonders gefragt.

Die neuen Zahlen zeigen: Die Euphorie der Käufer ist gedämpft, wegen der Zinsen, wegen der hohen Preise – und auch wegen des schmalen Angebots. In der Studie klingt das so: Hätten im vergangenen Jahr noch viele Menschen mit Immobilienwunsch von Torschlusspanik gesprochen, herrsche nun bei vielen der Eindruck vor: »Der Zug ist abgefahren.«

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