Immobilien Mieterbund warnt vor dramatischer Wohnungsnot

In Deutschland werden zu wenige günstige Wohnungen gebaut, während das Luxussegment boomt. Der Deutsche Mieterbund und die Immobilienwirtschaft warnen vor einem drastischen Wohnungsmangel vor allem in den Groß- und Universitätsstädten: In nur fünf Jahren fehlen 825.000 Mietwohnungen.
Hochhaus in Berlin: Bis 2017 werden mehr als 800.000 günstige Wohnungen fehlen

Hochhaus in Berlin: Bis 2017 werden mehr als 800.000 günstige Wohnungen fehlen

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Berlin - Selten sind sich Immobilienwirtschaft und Mietervertreter so einig: In Deutschland gibt es immer weniger Wohnungen für Menschen mit geringeren Einkommen - mit dramatischen Folgen. "Bis zum Jahr 2017 werden in Deutschland 825.000 Mietwohnungen, insbesondere in Ballungszentren, Groß- und Universitätsstädten fehlen, wenn so weitergebaut wird wie bisher", warnte Lukas Siebenkotten vom Deutschen Mieterbund in Berlin. Die Konsequenz wären noch schneller steigende Mieten als bisher.

Schon heute fehlten mehr als 100.000 Mietwohnungen in den zehn Großstädten Deutschlands, obwohl gebaut wird: Nach Schätzung des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) werden in diesem Jahr mehr als 200.000 neue Wohnungen fertig gestellt - allerdings vor allem im Luxussegment.

Verbandspräsident Axel Gedaschko hält die Entwicklung für problematisch: "Es wird viel zu wenig für die Gruppe gebaut, die wenig Einkommen hat", sagte er am Montag. Der GdW vertritt rund 3000 Wohnungsunternehmen, die bundesweit sechs Millionen Wohnungen vermieten - rund ein Drittel des deutschen Mietwohnungsmarktes.

Energetische Sanierung vernichtet günstigen Wohnraum

Gedaschko forderte zudem eine höhere staatliche Förderung für die Gebäudesanierung, damit die Mieten stabil blieben: "Wir sanieren derzeit noch preiswerte Bestände systematisch vom Markt", warnte er. Der Grund: Vermieter dürfen die Kosten für die energetische Sanierung auf die Miete umlegen. Das trifft vor allem jene Menschen, die staatliche Unterstützung bekommen - derzeit ist das jeder fünfte deutsche Haushalt. Werden diese Wohnungen teurer, müssen die Mieter häufig ausziehen und würden so für die Klimapolitik bestraft.

Der GdW rechnet mit einem Anstieg der Investitionen seiner Unternehmen in die Wohnungsbestände in diesem Jahr um knapp zehn Prozent. Erstmals seit dem Jahr 2001 werde wieder die Zehn-Milliarden-Euro-Marke übertroffen, sagte Gedaschko. Die Investitionen in Neubauten sollen um 25 Prozent auf rund drei Milliarden Euro steigen. Im vergangenen Jahr entstanden neue Wohnungen vor allem in stark nachgefragten Ballungsräumen wie Hamburg, München oder dem Rhein-Main-Gebiet. Die GdW-Unternehmen bauten unter anderem auch in Lübeck, Karlsruhe und Heidelberg verstärkt neue Wohnungen.

nck/dpa/dapd
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