Hohe Immobiliennachfrage US-Amerikaner fliehen vor hohen Häuserpreisen nach Europa

Der Immobilienmarkt sei »verrückt geworden«: Weil sie sich in der Heimat keine eigenen vier Wände mehr leisten können, ziehen immer mehr Amerikaner nach Europa. Besonders beliebt sind drei Länder im Süden.
Beliebt bei Auswanderern aus den USA: Die Atlantikküste Portugals, hier die Stadt Faro

Beliebt bei Auswanderern aus den USA: Die Atlantikküste Portugals, hier die Stadt Faro

Foto: Ega Birk / Westend61 / IMAGO

Viele Europäer ächzen unter den steigenden Immobilienpreisen auf dem Kontinent. Doch weil es jenseits des Atlantiks schlimmer ist, ziehen immer mehr US-Bürger dauerhaft in die EU. Die Zahl der Auswanderer, die es weg aus den Vereinigten Staaten und hin nach Europa zieht, ist laut einem Bericht der Nachrichtenagentur »Bloomberg« deutlich gestiegen (hier geht es zu dem Bericht ).

Demnach ist vor allen Dingen Südeuropa beliebt. Die Zahl der dauerhaft in Portugal lebenden US-Bürger ist so 2021 um 45 Prozent zum Vorjahr gestiegen. Zuletzt lebten knapp 7000 Amerikaner in dem Land, 2018 war es noch weniger als die Hälfte gewesen. Ebenfalls hoch im Kurs steht Spanien. Laut »Bloomberg« ist die Zahl der in den USA geborenen Einwohner zwischen 2019 und 2021 um 13 Prozent gewachsen. Beide Staaten locken ausländische Immobilienkäufer gezielt mit sogenannten »goldenen Visa« an: Wer zwischen 350.000 und 500.000 Euro im Land investiert, darf dauerhaft bleiben.

Angst vor Gewalt in US-Städten

Anders als früher ist Europa aber offenbar nicht mehr nur für betuchte US-Bürger interessant. »Bloomberg« hat mit einigen der Aussiedler gesprochen, viele davon stammen aus der Mittelschicht. So wie Stephanie Synclair, die im April in Italien ein Haus für sich und ihren Sohn gekauft hat. In der US-Metropole Atlanta habe sie bislang 3000 Dollar im Monat für vier Zimmer zahlen müssen – und keine Chance gehabt, ein bezahlbares Eigenheim zu finden, trotz Rücklagen von 300.000 Dollar. Dafür sei sie nun auf Sizilien fündig geworden. Für 60.000 Euro habe sie sogar noch ein kleines Ladengeschäft dazu bekommen. Synclair ist Unternehmerin, sie will aus Italien ihre Geschäfte aus der Ferne weiterführen, remote.

Sie hätte sich »niemals um einen Kauf in Italien bemüht, wenn der Markt in den USA nicht so verrückt gewesen wäre«, so Synclair. Nun freue sie sich auf »bella vita« mit gutem Essen und Wein. In dem kleinen Laden will sie einen Literaturklub eröffnen.

Jamie Dixon wiederum hat es vor einem Jahr mit Tochter und Ehemann von Los Angeles nach Portugal verschlagen. Die Geschäftsführerin eines Tech-Start-ups lebte zunächst in einem Wohnmobil mit zwei Schlafzimmern in Malibu. Für mehr reichte das Geld nicht.

Nun lebt die Familie in der Küstenstadt Cascais nahe Lissabon, in einer Wohnung mit drei Schlafzimmern und drei Bädern. Dazu gibt es eine eigene Dachterrasse. Das aber ist nicht der einzige Grund, warum die Familie die USA verlassen hat. »Die Gewalt hat in den USA so stark zugenommen«, zitiert »Bloomberg« Dixon. »Ich wollte meinem Kind eine normale Kindheit ermöglichen.«

beb
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.